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04.10.2008
Datenschutz muss man lernen (Wolfgang Back)

Ich bin heute ziemlich sauer auf unser CMS, da ich mir eine Menge Mühe gemacht habe, um einen Text zu fabrizieren, der sicherlich
interessant gewesen wäre für Leute, die den Datenschutz noch nicht so lange wie ich verfolgt haben. Doch wurde plötzlich mit einem Scriptfehler mein ganzer Text unbrauchbar.

Da habe ich kräftig durchgeatmet. Ich will versuchen, das noch einmal hinzukriegen. Mittlerweile schreibe ich das Ganze in dem normalen Editor und werde später versuchen, per Cut und Paste das Ganze noch einmal im CMS einzustellen.

Den Datenschutz, wie wir ihn kennen, gibt es erst seit 35 Jahren. Früher brauchte man keinen Datenschutz, wie wir ihn kennen.
Die persönlichen Daten, um die es ja in der Hauptsache geht, waren meistens noch auf Karteikarten handschriftlich verzeichnet. Wer
mehr wollte, der musste tippen und tippen. Damit  gab ews eine gewisse Schutzfunktion.
Doch mit dem Einsatz der Computer begann nun ein Zeitalter, das sich durch "Cut und Paste" auszeichnet. 1000 Namen in der Datei sind durch einen
Mausklick schnell kopiert und auf einen anderen Datenträger übertragen.

Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts und Jahrtausend begann man über die neuen Möglichkeiten nachzudenken und kam mit einem
neuen Datenschutzgesetz daher, das von vielen gar nicht verstanden wurde. Es beinhaltete aber, dass maschinell erzeugte Daten mit
persönlichen Daten vor der Weitergabe geschützt sind. Offenbar haben die heutigen Datenjäger selbst diesen elementaren Paragraphen
nicht verstanden.

Datensicherheit war lange Zeit ein unverständlicher Begriff. Was soll denn da geschützt werden? Ich hatte schnell begriffen und
machte mit Verbesserungsvorschlägen richtiges Geld. Ich monierte in einem Vorschlag, dass die Sekretärinnen das Farbband ihrer IBM
Schreibmaschine in den Mülleimer im Büro schmissen. Eine gwiefte Putzfrau, hätte aus dem Mülleimer natürlich die Bänder herausholen können.
Wer sich noch an diese Carbonbänder erinnern kann, der weiss, wie leicht man den getippten Text rekonstruieren konnte. Für mich kam eine erkleckliche Summe aus diesem Verbesserungsvorschlag heraus.

Ein zweiter Fall: Der WDR hatte über einige Jahre sein Rechenzentrum voller Stolz im Erdgeschoss installiert. Von außen konnte man alles erkennen.
Jetzt kommt der Hammer des Jahrhunderts. Auf der Fensterbank standen zwei Servicemodems, die von außen erkennbar waren. Was nicht wahr sein durfte,
wurde dort produziert. Irgendjemand hatte hinten auf die Modems die Telefonnummer geschrieben, unter der die Servicegeräte erreichbar waren.
Das sind die großen Fehler der damaqligen Zeit. Niemand hatte irgendwelche Bedenken, dass etwas schief gehen könnte.
Mein Vewrbesserungsvorschlag weckte einige auf, die  sich ertappt fühlten Der WDR hat ruckzuck neue Fensterfolien angebracht, die von
außen keinen Einblick mehr ermöglichten.
Für mich waren wieder 3000 Mark am Jahresende für die besonders gute Sicherheitsprognose drin.
Oftmals fur mit mir zusammen ein Hauspostbote mit seinem Postwägelchen im Fahrstuhl zur 7. Etage.Er hatte in seiner Karre Briefe und kleine Päckchen
gelagert. Bei der Auffahrt vom Ergeschoss ist es mir mehrmals gelungen, den Adressaten im WDR mit dem Absender in Vwerbindung zu bringen.
Datenschutz? Das war natürlich so nicht vorgesehen und ein Verbesserungsvorschlag von mir, der über 1000 Mark einbrachte, sollte dieses abstellen. Es wurden Deckel für diese Postfächer gekauft, doch einige Jahre später war alles wieder vergessen.

Ich will noch eine kurze Geschichte rzählen, die man heute wahrscheinlich nicht mehr erleben kann, da die Welt doch ein wenig mehr aufgeklärt ist. Der Computerclub hatte seit 1983 eine Mailbox für private Kommunikation. Diese Mailbox namens KOMCOM wurde recht bekannt und
entsprechend gut besucht. Irgendwann hatte es auch der neue Datenschutzbeauftragte mitbekommen, dass sich dort in seltsamer Weise personenenbezogene
Daten häufen. Die Mailbox hatte immerhin schon eine Sperre mit Benutzername und Password, so wie es heute gang und gäbe ist. Natürlich waren dahinter
personenbezogene  Daten gespeichert, denn der Zugang wurde ja kontrolliert. Laut neuem Datenschutzgesetz mussten solche Dateien gemeldet werden.
Doch es ging noch weiter. Natürlich durfte man diese geschützte Dateien nicht sich selbst überlassen. Vor allem hatte ich als Redakteur dafür
zu sorgen, dass mit den persönlichen Daten kein Schindluder getrieben werden kann. Der Brief des Datenschützers enthielt die Aufforderung, bei meinem
Feierabend die Diskette mit den persönlichen Daten zu entfernen hätte und diese sicher einzuschließen hätte. Er sorgte selbst für den sicheren Ort: Ein paar Tage später kam ein Mitarbeiter eines großen Bürogeschäftes vorbei und brachte mir einen Safekatalog. Ich möge mir doch einen davon aussuchen.

Es dauerte etwas länger, bis ich kapierte, was ich mit dem Safe unternehmen sollte: abends, wenn mein Job beim WDR beendet ist,
sollte die (8 Zoll) Diskette in dem Safe einschließen, um sie am nächsten Werktag wieder einzulegen. So wie damals solche Entscheidungen völlig ohne
Wissen der Realität mit Konsequenzen entschieden wurden, so sind wir auch nach 35 Jahren nicht viel besser ausgestattet.
Erst langsam beginnen intelligente Menschen sich Gedanken zu machen, was mit ihren Daten zu geschehen hat. Wahrscheinlich ist es schon zu spät, denn
alle Daten geistern irgendwo herum.
Wenn man das von heute wieder gelesen hat, dass Daten, die der Telekom 2006 gestohlen wurden, heute neu auftauchen, dann spürt auch der Ignorant des Datenschutzes, dass er genauso im Mittelpunkt stehen kann - wo er niemals hin wollte.

Wenn ich bedenke, welche schwere Aufklärungsarbeit wir mit unserer Arbeit gemacht haben und dies auch heute noch auf unser Schild gehoben haben, dann muss man daraus zumindest den Schluß ziehen, dass es ohne den Computerclkub als mahnende Institution, heute viel schlechter aussehen würde.

Immerhin haben die meisten Zuhörer unserer Sendungen frühzeitig davon erfahren, wie wichtig es ist, sich Gedanken über mögliche Sicherheitslöcher zu machen, sich Gedanken über den Datenschutz zu machen, sich bei zuviel Nachfrage verweigern.

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