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26.11.2008
Nur wer es erlebt hat, der kann darüber berichten (Wolfgang Back)

Manchmal weiß ich nicht, was ich hier schreiben soll. In der Regel werden mir alle Einträge im Forum um die Ohren gehauen. Deshalb erscheine ich dort auch nicht mehr, weil hier offensichtlich böse Menschen agieren, die mir nicht gut gesonnen sind.
Auf der anderen Seite werde ich immer wieder ermuntert, etwas aus der alten Zeit zu erzählen. Da wir auch viele jugendliche Hörer haben, so können wir als Golden Ager einiges mitteilen, wie es noch vor gar nicht allzulanger Zeit bei uns Realität war.


So ähnlich elegant sah der Schalter aus

Heute will ich etwas erzählen, wobei ich auf die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts und gar Jahrtausends zurückblicken möchte. Es gibt einen Einblick auf die technische Ausstattung der damaligen Zeit. Ich wurde in eine Lehrerfamilie hineingeboren. Dafür kann man ja nichts. Doch mitunter gab es etwas, was andere nicht erleben konnten. Meine Eltern zogen 1950 in einen Ort Patersberg bei St. Goarshausen in das Schulhaus, wie es damals noch üblich war.
Der Lehrer und der Pfarrer stellten das akademische Gerüst des Ortes dar und so wurden ihnen auch hoheitliche Funktionen auferlegt. Der Lehrer bekam die Macht, über die Beleuchtung des Ortes zu herrschen. Die Straßenbeleuchtung konnte zentral - oder besser musste zentral - ein- oder ausgeschaltet werden.
Der Schalter dazu befand sich bei uns in der Wohnung im ersten Stock - direkt neben dem Schlafzimmer meiner Eltern. Es war ein schwarzer Drehschalter, der keine Markierungen besaß. Somit wusste man eigentlich nie so recht, was man da gerade getan hat, wenn man den Knopf drehte. Man musste sich das Ergebnis anschauen, indem man in eines der Zimmer ging und nachschaute, ob die Straßenbeleuchtung jetzt gerade ein- oder ausgeschaltet war. Es konnte nämlich auch zu Irritierungen kommen. Es konnte passieren, dass meine Mutter den Knopf um 18:00 Uhr drehte und die Beleuchtung einschaltete. Wenn sie dann schon um 22:00 Uhr zu Bett ging drehte sie wieder den Knopf und machte damit das Dorf dunkel. Als dann mein Vater gegen 23:00 Uhr ins Bett ging, schaltete er die Straßenbeleuchtung aus. Doch da er nicht erkannte, in welcher Schalterstellung "was" passierte. Mein Vater wollte ausschalten, doch genau das Gegenteil hat er gemacht.
Am nächsten Morgen dauerte es nicht lange und irgendjemand rief von der Straße rüber zu unserem Haus: "Herr Back, die Lampe brenne noch". Jetzt wurde ich meistens nach oben geschickt, um den Schalter zu drehen. Umgekehrt passierte auch. Es wurde einfach vergessen, die Straßenbeleuchtung einzuschalten.
Wenn jemand vorbeikam, der dies monierte, dann wurde natürlich sofort reagiert - doch es gab auch Abende, an denen das Dorf einfach dunkel blieb.
Es gab auch öfter Reaktionen auf die Einschaltzeit: "Was ist denn los bei Euch? Ihr habt gestern schon um 21:45 Uhr ausgeschaltet. Ist jemand krank?"
Und einen Luxus leisteten wir uns: Mein Vater fuhr oft nach Mainz, um seiner Weiterbildung nachzukommen. Er fuhr dann mit dem Zug. Er kam erst sehr spät zurück nach St. Goarshausen. Es war der letzte Zug, so um die 22:45 Uhr. Von St. Goarshausen hoch auf das Plateau nach Patersberg gab es einen Fußweg, der zwei Straßenlaternen hatte. Immer dann, wenn mein Vater unterwegs war, leisteten wir uns den Luxus, seinen Weg zu beleuchten. Da konnte es sogar schon mal passieren, dass meine Mutter um 22:00 Uhr alles ausschaltete und um 22:45 Uhr alles wieder einschaltete.
Später fragte niemand mehr nach. Man wußte, der Lehrer ist unterwegs.
Irgendwann im Jahre 1955 war der Spuk vorbei. Der Schalter wurde durch eine Riesenschaltuhr ersetzt, die jetzt automatisch die Straßenbeleuchtung schaltete.
Zu dem Zeitpunkt war ich 12 Jahre alt. Ich war versiert genug, die festen Zeiten außer Takt zu bringen. Aber nur ich konnte das. So hatte ich immer eine Aufgabe, wenn mein Vater von Mainz zurückkam. Hacker zu sein liegt mir scheinbar im Blut.


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