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24.03.2009
Ein biischen Bildung kann nicht schaden: Der Französischer Revolutionskalender (Wolfgang Back)

Bei der Beschäftigung mit meinem "Cäsar kommt zur CeBit" kam ich auch am Französischen Revolutionskalender vorbei. Wenn man sich die unten stehenden Informationen durchliest, dann wird man wahrscheinlich selbst feststellen, dass dieser Kalender nicht all zuviel Erfolg haben konnte. So war es denn auch. Schon nach 13 Jahren kehrte man reumütig zum Gregorianischen Kalender zurück. Doch welchen Unsinn eine solche Revolution auch mit sich bringen kann, erkennen wir an der Struktur des untauglichen Kalenders. Die größte Änderung war der Wochenrhythmus. Nicht sieben Tage, sondern 10 Tage sollten eine wiederkehrende Periode ausmachen.
Als ich das gelesen habe, dachte ich zunächst: Supersache, denn 2 Dekaden (20 Tage) am Stück arbeiten ergeben dann eine Dekade (10 Tage) am Stück mit Freizeit. Mit 10 Tagen am Stück kann man jeden Monat schön in Urlaub fahren. Und die restlichen 2 Arbeitsdekaden ohne Wochenende kriegt man auch noch hin.

Schon vom Beginn der Französischen Revolution an (14. Juli 1789) wurden neben der gregorianischen Jahreszahl, bisweilen auch ausschließlich, die Jahre der Freiheit gezählt. Am 22. September 1792 wurde diese Rechnung durch die Zählung der Jahre der Republik ersetzt, wobei der Gregorianische Kalender weiterhin genutzt wurde. Am 1. Januar 1793 begann man das Jahr 2 der Republik. Die Abwendung von der bisherigen Gesellschaftsordnung sollte jedoch auch im Kalenderwesen dokumentiert werden, weshalb ein neuer, vom gregorianischen unabhängiger Kalender erarbeitet werden sollte.

Alles neu macht eben nicht nur der Mai, sondern auch eine heftige Revolution. Man wollte einfach mit der alten Zeit nichts mehr zu tun haben. Das wiederholte sich übrigens auch in vielen anderen Bereichen, die ich hier nicht aufzählen will. Es brodelte überall in der Gesellschaft und man wollte modern erscheinen. Modern hieß eben anders als früher. Es sollte vor allem nichts mehr übrigbleiben, was evtl. an die alte, verhasste, Adelsgesellschaft erinnerte. So hat man damals jahrelang um die Einführung eines neuen Kalenders gerungen. Nötig war er nicht, aber chic wäre es schon gewesen. Sieger waren jedoch die Leute mit der wenigsten Ahnung von  dem Ablauf der astronomischen Gegebenheiten, die man eben zur Erstellung eines Kalenders benötigt. Dieses Prinzip findet man heute auch noch überall. Hervorgetan hat sich vor allem ein dichtender Künstler, der allerdings für seine Kreativität schwer büßen musste, wie wir später noch erfahren werden.

Am 5. Oktober 1793 beschloss die Regierung die Einführung des Revolutionskalenders. Seine Ära war der 22. September 1792 des Gregorianischen Kalenders. Da auch in der Zeitmessung dezimale Einheiten angestrebt wurden, teilte man das Jahr in 12 Monate, die jeweils drei Dekaden umfassten. Diese Rechnung geht zunächst auf. 12 Monate mit 3 Dekaden a 10 Tage macht nach Adam Riese 360 Tage.  Am Jahresende wurden fünf bzw. in einem Schaltjahr sechs Ergänzungstage (jours complémentaires) angehängt, die als Feiertage galten. Die Tage und Monate sollten zur Angabe eines Datums einfach nummeriert werden, womit ein Datum etwa die Form "siebenter Tag des ersten Monats des fünften Jahres der Republik" gehabt hätte. Ganz schön kompliziert. Man hätte sich wahrscheinlich lange an den Gebrauch gewöhnen müssen, um auf die Schnelle das Datum zu sagen.

Eine feste Schaltregel war nicht vorgesehen, vielmehr sollte das Jahr mit der Herbsttag- und Nachtgleiche beginnen, die durch astronomische Beobachtung für den Meridian von Paris bestimmt wurde. Die Zeitspanne von einem Schaltjahr zum nächsten Schlatjahr nannte man Franciade. im franz. Es handelt sich hier um eine Periode von vier Jahren, an deren Ende außer den in jedem Jahr üblichen fünf Schalttagen noch ein sechster Tag eingeschaltet wurde, der zur Erneuerung des Schwurs, »frei zu leben oder zu sterben«, bestimmt war. Wir würden heute dazu bemerken: eben revolution driven.

Vor der Einführung des Kalenders wurde eine Kommission gebildet, die die Einrichtungen des Kalenders überprüfen sollte. Hauptsächlich wurde die simple Zählung der Tage und Monate abgelehnt, was der französische Dichter Fabre d'Eglantine zum Anlass nahm, den Monaten poetische Namen zu verleihen, die sich auf die Jahreszeit bezogen, in denen sie liegen. Wenigstens in meinem Artikel soll der arme Dichter noch eine nachträgliche Würdigung erhalten, indem sein Name fett geschrieben ist.

Nr. Name        Bedeutung
1 Vendémiaire Weinlesemonat 22. September bis 21. Oktober
2 Brumaire Nebelmonat    22. Oktober bis 20. November
3 Frimaire Frostmonat    21. November bis 20. Dezember
4 Nivôse Schneemonat   21. Dezember bis 19. Januar
5 Pluviôse Regenmonat    20. Januar bis 18. Februar
6 Ventôse Windmonat     19. Februar bis 20. März
7 Germinal Keimmonat     21. März bis 19. April
8 Floréal Blütemonat    20. April bis 19. Mai
9 Prairial Wiesenmonat   20. Mai bis 18. Juni
10 Messidor Erntemonat    19. Juni bis 18. Juli
11 Thermidor Hitzemonat    19. Juli bis 17. August
12 Fructidor Fruchtmonat   18. August bis 16. September
13 Sansculottides  Ergänzungstage

Beginn des Jahres war auf den Weinlesemonat festgelegt (Ende September)

Die Tage einer Dekade wurden folgendermaßen benannt.

Nr. Name
1 primidi
2 duodi
3 tridi
4 quartidi
5 quintidi
6 sextidi
7 septidi
8 octidi
9 nonidi
10 décadi

Schließlich gab man den Ergänzungstagen Namen:

Tag Name Bedeutung

1 jour de la vertu Tag der Tugend
2 jour du génie Tag des Genies
3 jour du labour Tag der Arbeit
4 jour de la raison Tag der Raison
5 jour de la recompense Tag der Belohnung
6 jour de la révolution Tag der Revolution

Fabre d'Eglantine ging so weit, dass er jedem einzelnen Tag des Jahres einen Namen verlieh. Dabei erhielten die décadi Namen von landwirtschaftlichem Gerät, den quintidi wurden Haustiere zugeordnet, während die restlichen Tage mit Namen von Bäumen, Pflanzen und Sträuchern bezeichnet wurden. Jeder Tag im Jahr mit einem extra Namen ausgestattet. Das klingt sehr nach einem heillosen Durcheinander. Wer sollte sich denn alle Tage merken?

In dieser Form wurde der Kalender am 24. November 1793 offiziell eingeführt. Schon 1795 -Fabre d'Eglantine hatte inzwischen am 16. Germinal II sein Leben an der Guillotine lassen müssen - wurden die Sansculottides in jours complémentaires zurückbenannt. Auch die Datierung nach Dekaden hatte sich nicht durchsetzen können.
Hier seien noch ein paar Tagesnamen aufgeführt, die dieser kreative Dichter vorschlug.

Schlüsselblume, Immergrün, Judasbaum, Platane, Hainbuche, Römersalat, Spargel, Rosskastanie, Tulpe, Buche, Senfrauke, Huhn, Biene, Taube,Rote Bete,Lattich ....
Ich glaube, die verkürzte Aufzählung genügt, um zu erkennen, dass dieser Kalender direkt zu einem Tohuwabohu führen musste.

Das Fehlen einer Schaltregel machte sich ebenfalls nachteilig bemerkbar, da eine Datierung zukünftiger Ereignisse nur innerhalb des laufenden Jahres möglich war. Gilbert Romme schlug eine Schaltregel vor, die der des Gregorianischen Kalenders sehr ähnlich war. Nach ihr sollte jedes vierte Jahr ein Schaltjahr, jedoch jedes 100. Jahr kein Schaltjahr sein, jedes 400. Jahr wiederum davon ausgenommen werden und Schaltjahr sein. Als Abweichung von der gregorianischen Schaltregel war zusätzlich vorgesehen, jedes 4000. Jahr als Normaljahr zu belassen. Bevor jedoch diese Regel eingeführt werden konnte, wurde im Senat ein Vorschlag eingebracht, den Revolutionskalender abzuschaffen und zum Gregorianischen Kalender zurückzukehren. Dieser Vorschlag wurde später angenommen, der Gregorianische Kalender zum 1. Januar 1806 wieder eingeführt und damit der Revolutionskalender wieder abgeschafft. Der letzte Tag, an dem der Revolutionskalender offiziell in Gebrauch war, war der 10. Nivôse XIV, der dem 31. Dezember 1805 entsprach.
Da sitze ich jetzt vor dieser Umrechnung und weiss nicht, wie sie zustande kommt. Die XIV = 14 kann ich mir noch erklären. Es ist das 14. Revolutionsjahr nach der Einführung 1793. Nivöse ist der Dezember (21. Dezember bis 19. Januar). Der 10. Tag in der Dersten Dekade wäre dann der 31.. Ob es so wohl ging. Wahrscheinlich wäre ich auch auf der Gillotine gelandet, wegen Unkenntnis des Tagesdatums.
Aber einen Geburtstagstermin habe ich mir bereits in dem Kalender reserviert. Es ist ein Feiertag und entspricht meiner jetzigen Verfassung.Es handelt sich um den 2. Tag in den Ergänzungstagen.
Übrigens: die Zeit hatte man auch dekadiziert. Ein Tag hat 10 Stunden, eine Stunde hat 100 Minuten und eine Minute besteht aus 100 Sekunden. Erstaunlich: ein schöne Taschenuhr für die Revolutionäre hätte ich bereits.




Viel Spaß beim Umrechnen.

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