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17.04.2009
Alte Klamotten (Wolfgang Back)

Da der Blog über das Schweizer Messer recht erquickend in den Antworten war, möchte ich wieder ein Thema bearbeiten, das wahrscheinlich viele Kommentare generieren wird. Es gibt sicherlich Dinge in der Technikgeschichte, die nur die Oldies wissen können, die die Entwicklung mit gemacht haben. Es gibt da eine Menge an Beispielen, die ich heute nicht alle aufzählen will, da ich sonst zu viel Pulver verschieße. Aber wer erinnert sich noch an die Zeit, bevor es Farbfernsehen gab? Und wer erinnert sich noch daran, wie manche Leute fuschten. Sie hatten Farbfernsehen zu Hause, bevor es Farbfernsehen gab.

Farbige Folie als billige Alternative

Wer frühzeitig innovativ sein wollte, der hatte sich schon eine Follie besorgt, die viele Dinge im rechten Licht erscheinen ließen. Andere wiederum wichen auf die Folie aus, weil der Kauf eines neuen Farbfernsehgerätes noch nicht anstand.

Wer sich kein Farbfernsehgerät leisten konnte, aber trotzdem die Illusion bunter Bilder haben wollte, hat sich mit einer Folie beholfen. Diese war im oberen Drittel blau, im mittleren Abschnitt hautfarben und im unteren Teil des Bildschirms grün eingefärbt. Die Folie wurde mit Saugnäpfen auf dem Bildschirm befestigt. Zeigte das Fernsehen beispielsweise einen Naturfilm, hatten die Zuschauer durch die bunte Folie die Illusion einer farbigen Landschaft. Freilich war das nur ein Notbehelf und mit dem echten Farbfernsehen nicht zu vergleichen.

Ich selbst kenne noch diese Zeit, in der man sich so behalf. Oft waren die Farbwerte flasch, oft aber stimmte es verblüffend gut. Ich habe mal nach einem Folienbild gesucht und keins gefunden.
Vielleicht hat jemand Glück und hat bessere Quellen zur Hand.

Farbfernsehen war damals über Jahre hinweg ein großes Thema. Man erzählte sich die tollsten Storys. Wer nach Amerika kam, der hatte oft schon Erfahrungen mit dem farbigen NTSC (Never the same Color) System gemacht. Einige empfanden das Gesehene sensationell; andere wiederum waren enttäuscht. Wir mussten zunächst einmal zuhören und hatten keine Möglichkeit das gegenzuchecken.
Als die ersten Farbfernsehgeräte in die Geschäfte kamen und dort quasi als Demogeräte bewundert werden konnten, da gab es noch kein Programm dafür. Die Sendungen waren alle noch in Schwarz und Weiß. Doch während des Tages konnte man in der sendungsfreien Zeit (Fernsehen begann um 16:00 Uhr) ein Testbild in Farbe bewundern. Es war ein Drehteller zu sehen, eine Blumenvase und ein Strauß Blumen in verschiedenen Farben.
Wie ich später erfuhr, handelte es sich jeden Tag um einen neuen Strauß frischer Blumen. Nicht etwa Plastikblumen, die man heute wahrscheinlich aus Kostengründen nehmen würde. In meiner Zeit beim WDR lernte ich auch die Sekretärin kennen, die für den Blumenstrauß gerade stehen musste. Sie sagte mir, dass der Strauß schon oppulent gebunden war: 15 Mark standen täglich zur Verfügung. Das war damals in den 60er Jahren viel Geld.
Der Start des Farbfernsehens war dann im Jahre 1967 und zwar: Am 25. August 1967 war es soweit: Willy Brandt, der damalige Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, drückte während der Großen Deutschen Funkausstellung IFA in Berlin auf einen großen, roten Knopf - und das Fernsehen wurde farbig.



Allerdings trübte ein kleines Missgeschick den symbolischen Startschuss: Die Techniker schickten schon ein paar Sekunden, bevor der Knopf ganz gedrückt war, das Farbsignal auf Sendung. So kam heraus, dass der Knopf nur eine Attrappe war.

Ich kenne diesen Technischen Leiter vom WDR, der für das Missgeschick verantwortlich war. Wir hatten ihn einmal in unserer Sendung von der photokina. Er stand hinter den Kullissen und beobachtete Willy Brandt. Wenn er auf den Attrappenknopf schlug, sollte der Techniker zwei Drähte auseinanderziehen, die vorher mit einem Widerstand die Farbe unterdrückten.
Willy Brandt jedoch schlug den Arm in Richtung des roten Knopfs, hielt jedoch noch einmal inne, um etwas zu sagen und schlug dann erst zu. Dieses kann man in den alten Aufzeichnungen beobachten.
Als ich all das aus berufenem Munde erfuhr, war es ein Stück Zeitgeschichte für mich, die ich auf diesem Wege gerne weitergebe.  

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