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18.04.2009
Alter Kram zieht ganz gut (Wolfgang Back)

Der letzte Blog hat ja einiges an Reaktionen gebracht. Klar, Fernsehen, das ist ein Thema, wo jeder etwas dazu beitragen kann. Und jeder hat die Entwicklung anders mitbekommen.
In den Kommentaren wird öfters die Mondlandung angesprochen. Auch ich weiss noch, wie das ablief. Zumindest so einigermassen, denn als ernst wurde mit dem Ausstieg, da war unser Blick schon etwas vernebelt. Ich erlebte das damals als 26 jähriger Student in Koblenz. Wir waren mit etwa 15 Leuten zusammengekommen, um eigentlich primär zu saufen. Die Mondlandung war ein guter Anlass. Da sich aber der Ausstieg immer wieder hinauszögerte, wurden die Vorräte schnell aufgebraucht. Ständig musste jemand Nachschub besorgen. Nach meiner -nicht authentischen- Meinung war der Ausstieg frühmorgens. Ich glaube, es war bereits hell, als uns die Augen zufielen.



Heute möchte ich etwas aus dem Computerclub erzählen, was die Sendung eigentlich einmalig werden ließ. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass wir bereits im Museum als einer der 150 Pioniere geführt werden. Wir hatten nämlich Traute, einfach Dinge zu machen, die sonst niemand gewagt hätte. Ausschlaggebend war immer die Begeisterung für die Technik.
Als wir die Sendung installierten, begannen wir mit einer Ausstrahlung von Computerdaten über den Tonkanal. Das Prinzip war eigentlich ganz einfach.
Das, was man zu Hause an seinem Homecomputer veranstaltete, um ein Programm einzulesen war schon abenteuerlich genug. Mit einem normalen Kassettenrekorder wurde das Programm eingelesen. Und da auf einem Kassettenrekorder Töne gespeichert sind, konnten wir diese natürlich auch über den Tonkanal des Fernsehens ausstrahlen.
Zu Hause hat man dann eine Kassettenaufzeichnung gemacht und die Kassette dem Heimcomputer eingelesen. Das funktionierte besser, als wir das dachten. Somit konnten wir funktionierende Programme nach Hause zum Zuschauer schicken.

Man muss sich einmal in die damalige Zeit versetzen: Oftmals war man noch ganz alleine mit seinem Hobby. Es gab keinen im Dorf, der sich auch damit beschäftigte. Um andere zu finden, die das gleiche Thema favorisierten, war es unheimlich schwer, denn es gab ja noch kein Internet.

Seit 1983 gab es regelmäßig den Computerclub. Zum einen brachte er Informationen, die es sonst in keinem Medium gab. Es gab zwar frühzeitig verschiedene Zeitschriften, doch eine Fernsehübertragung mit diesen Inhalten war unbekannt. Und dann kam während der Sendung das unglaubliche Prozedere der Programmübertragung zum Computer. Interaktivität, von der heute die Medienstrategen träumen, wurde geschaffen. Man hatte aus der Sendung einen Mehrwert gewonnen: nämlich ein funktionierendes Computerprogramm.
Die ausgestrahlten Programme waren zwar keine Highlights; doch damals war jedes Programm erwünscht, das nachher auf dem Computer lief.
Sicherlich setzten wir mit diesem Signal, das ich heute Audiodat nennen würde, einen Meilenstein in der Kommunikationstechnik. Zusammen mit den Ideen einer holländischen Gruppe, die dieses Tonverfahren im Hörfunk machten, entwickelten wir dann den sogenannten BASICode, der lange Jahre erfolgreich die Barrieren zwischen den Heimcomputern damals nivellierte.
So, wie wir heute auch einen Normenwildwuchs erleben, so begann man damals schon die einzelnen Basicdialekte möglichst verschieden aufzubauen.

Damit lief ein Commodoreprogramm nicht auf einem Colour Genie Computer, oder auf einem Tandy. Doch die meisten Befehle in der Programmierung waren gar nicht so weit auseinander. BASICODE machte nun daraus eine raffinierte Brücke. Die maschinenspezifischen Befehle wurden einfach in eine Unterroutine geschickt, wo sie in die richtigen Befehle zurückentwickelt wurden.

Zum besseren Verständnis: Der Befehl zum Bildschirmlöschen hatte eine verschiedene Syntax. Manchmal hieß der Befehl CLS, also Clear Screen manchmal hieß er HOME. Um dies kompatibel zu machen, gab es die Basicode Programme, die auf die einzelnen Rechnerfamilien zugeschnitten waren. Es gab ein Basicodeprogramm für den Apple, eins für den Commodore, eins für den Tandy usw.
Wenn jetzt der Programmierer den Bildschirm löschen wollte, so schrieb er z.B. GOSUB 100. Denn in dieser Basiczeile stand genau der maschinenspezifische Befehl zum Löschen des Bildschirms. Ganz einfach ein Beispiel: 100 CLS : RETURN

Diese Ideen wirkten sehr anspornend. Plötzlich gab es viele Programme, die sich auf die Basicode Methode bezogen, da damit ein Großteil der Rechner erreicht werden konnte.

Doch für den Computerclub stellte sich ein Problem immer stärker dar: Wenn diese Datenübertragung über den Tonkanal lief, so war ein normales Fernsehprogramm nicht mehr möglich. Der Tonkanal durfte keine Doppelnutzung erfahren. Da nit der Zeit auch die Programme etwas opulenter wurden, stellte sich bald das Problem ein. Man musste immer länger auf die Fernsehsendung verzichten.
Um dieses schreckliche Gepiepse am Sonntagnachmittag etwas gefügiger zu machen, nannte ich es dann den Hard Bit Rock am Sonntagnachmittag. Es wurde ein Begriff, der sich einprägte.

Ich möchte hier an dieser Stelle noch einmal allen WDR Mitarbeitern bedanken, die diese Experimente ermöglichten und nicht gleich die Notbremse gezogen haben. Toll, dass wir solche technikoffenen Kollegen hatten. Denn die Hierarchie hat die Reichweite der Idee nie verstanden. Heute wären solche Experimente wahrscheinlich gar nicht mehr möglich.

Ich dachte, ich wäre noch zur Ablösung des lauten Gejaules gekommen: dem Videodat. Doch dieses Thema wird später dran sein.


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