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22.08.2009
Auf der Suche nach der wahren Anonymität (Wolfgang Back)

Seit ein paar Tagen habe ich mein Verhalten total verändert. Das lockere Leben zu Hause habe ich komplett aufgegeben und bewege mich nur noch sicherheitsneutral. Das bedeutet, dass es tief greifende Einschnitte in meinem Alltag gibt. Seit ein paar Tagen trage ich von morgens bis in die Nacht nur noch Gummihandschuhe, um evtl. Fingerabdrücke auf den Gegenständen zu vermeiden. Ich möchte vertuschen, dass ich überhaupt zu Hause war.
Die Handschuhe sind gerade jetzt an den warmen Tagen etwas lästig, weil sie dazu führen, dass man darin mächtig schwitzt und dass man mit einer DNA Probe nachweisen kann, dass ich dennoch zu Hause war, auch wenn ich es zu vertuschen suche.

Ich habe jetzt eine Menge an Einmalhandtüchern gekauft, um Schweißperlen verschwinden zu lassen. Doch die Entsorgung macht mir Probleme. Wenn ich die Tücher in unseren  Müllkeller bringe, muss ich damit rechnen, dass spätere Proben zu einer Identifizierung führen. Deshalb habe ich im letzten Moment zurückgeschreckt und die Einmalhandtücher zurückgehalten. Ich war mir plötzlich sicher, dass ich die verbrennen muss, um alle Spuren zu verwischen. Doch dieses ist gar nicht so einfach. Wenn ich einfach anfange und mache irgendwo ein Feuer, dann bin ich dran; dann hat sich meine ganze Vorsicht nicht gelohnt. Vielleicht kann ich später im November beim Martinsfeuer meine Handtücher los werden. Oder spätestens beim nächsten Osterfest. Jedoch wird sich bis dahin ein Riesenberg Papier angesammelt haben, so dass ein  unauffälliges Verbrennen wohl auch schwer werden wird.

Ich habe mir auch abgewöhnt, die Texte auf einem Computer zu tippen. Das ist viel zu gefährlich, weil man ja alle Spuren zurückverfolgen kann. Für wenig Geld konnte ich mir bei Ebay eine mechanische Schreibmaschine besorgen, die wenigstens im Netz keine Spuren hinterlässt. Eher aber in der Nachbarschaft, weil die mechanischen Hebel eine Menge Lärm verursachen.



Abgesehen davon, dass es ein äußerst schickes Gerät wurde, das ich da ersteigern konnte, ist das Ergebnis wirklich nicht nachzuvollziehen und damit sind die Spuren getilgt.. Aber halt! Was ist mit dem Farbband los, das in diesem Falle gar kein Farbband ist. Es ist nämlich nur Schwarz. Alles, was man eingibt, ist dort verzeichnet und kann von  den „Schlapphüten“ gelesen werden. Unter „Schlapphüten“ verstehe ich die staatlichen Schnüffler, die alles wissen wollen. Sie schauen sich das Farbband an, das keins ist und sehen die Abdrücke der Buchstaben. Schon haben sie mich wieder enttarnt. Kann man denn diesen Typen gar nicht entkommen?

Ich versuche etwas Schlaueres. Ich werde meine Identität komplett vertuschen. Dazu gehört, dass ich mir einen Schnurrbart zulege, dass ich mich anders schminken lasse und dass ich ganz einfach einen neuen Typus abgebe, der nichts mehr mit mir zu tun hat.



Ein Einwand: „Das kann doch ich nicht sein. Denkste!  Haste wohl nicht an die Biometrie gedacht?“  Die Augenpartie, das Kinn und die Wangenknochen genügen, um ein eindeutiges Erkennungsergebnis abzugeben. Der aufgesetzte Hut und die etwas altertümliche  Kleidung verfremden die biometrische Erkennung in keinem Falle. Ich werde erkannt. Die Mustererkennung auf eine Überwachungskamera angewandt und schon ist die Anonymität hin. Wieder nicht zu gebrauchen. Deshalb bleibe ich vorher erst einmal zu Hause.

Nicht nur die Gummihandschuhe dienen der Vorsicht. Ich muss auch daran denken, das WLAN abzuschalten und vorläufig jeden Datenverkehr mit dem Internetstick zu vermeiden. Doch da gab es ein Problem. Eigentlich wollte ich meine Identität aus dem Internet verbannen, damit man keine Rückschlüsse auf meine Vorlieben oder ähnliches ziehen kann. Doch eine kurze Überprüfung machte das Unterfangen äußerst aussichtslos. Ein Google Aufruf mit meinem Namen ergab „Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 2.560.000 für Wolfgang Back. (0,10 Sekunden)“. Das Wort „ungefähr“ ergab einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer. Es könnten ja evtl. 2 oder 3 weniger sein. Ich schlug mir dann den Versuch, die Einträge löschen zu wollen, endgültig aus dem Kopf.

Auf eine gute Idee brachte mich das Buch „Die Nibelungensage“, das seit Ewigkeiten bei mir im Regal steht. Ich erinnerte mich, dass Siegfried der Drachentöter einem Zwergen namens Alberich eine Tarnkappe geklaut hatte. Siegfried, der damals große Probleme mit dem Staatssicherheitsdienst hatte, konnte damit unsichtbar werden und sich komplett einer Identifizierung entziehen. Doch Siegfried musste für den Diebstahl später mit dem Tode bezahlen. Das wollte ich möglichst vermeiden.
„War das Siegfriedproblem nicht auch mein Problem? Wäre das nicht die perfekte Anonymisierung?“ Doch wie soll man das Problem angehen? Wo finde ich diesen Zwergenkönig Alberich.
Einen  Steckbrief findet man im Internet. Das linke Bild zeigt Alberich in einem seltenen Moment, wo er sich ohne Tarnkappe in der Öffentlichkeit zeigt. Rechts ist die Tarnkappe in Funktion. Doch Fachleute berichten, dass dieses Bild bei nachlassender Batteriespannung der Tarnkappe aufgenommen wurde. Normalerweise soll die Kappe bedeutend effektiver arbeiten. Das wäre auch zu wünschen.

 
Wanted! Alberich               Aufnahme bei halber Batteriespannung der Kappe

Sollte jemand den Aufenthaltsort von Alberich kennen, so bitte ich um  eine konspirative Nachricht mit den entsprechenden Koordinaten . Aber wie machen wir das?  Per Email geht es wohl kaum, denn darauf würden die Schlapphüte erbarmungslos lauern. Per Telefon scheidet auch aus. Per Post wäre nahezu albern.  Damit wären ja alle Vorsichtsmassnahmen über den Haufen geworfen.  

Es muss etwas sein, mit dem die Schlapphüte nicht klar kommen. Die Methode muss eben ein klein wenig intelligent sein. Sie sollte auch funktionieren, ohne dass ich das Haus verlassen muss , denn eine Autofahrt mit Nummernschild wäre einer Anonymitätswahrung völlig kontraproduktiv. Da ist guter Rat teuer.

Ich habe nach langem Nachdenken eine Kommunikationsform entwickelt, die zwar nicht einfach in der Anwendung ist, jedoch derzeit noch als absolut sicher gilt. Ich will versuchen, das Ungewöhnliche an dieser Methode zu erklären:


Winkelreflektoren auf dem Mond

Die Mondmission Apollo 11 hatte seinerzeit eine wichtige Ladung auf den Mond gebracht: Winkelreflektoren. Man kann sie in der Mitte des Bildes erkennen. Es handelt sich dabei um eine Art Katzenauge, d.h. ein Spiegelprisma, das die einfallende Strahlung in die gleiche Richtung zurückreflektiert, aus der sie kam. Das folgende Bild zeigt solche Winkelreflektoren auf dem Mond.  Wenn man jetzt mit einem kräftigen Laser von der Erde diese Winkelreflektoren anpeilt, dann erhält man ein sichtbares Echo auf der Erde. Ganz so einfach, wie das hier klingt ist es nun doch nicht. Man muss natürlich die Laufzeiten des Lichts beachten, um Erfolg zu haben. Dazu gleich mehr.
Doch es leuchtet ein, dass man hier mit Nullen und Einsen rechnen kann, so dass eine digitale Kommunikation betrieben werden kann. Natürlich sollte man nicht gerade ein bekanntes Protokoll wie TCPIP nutzen, um die Kommunikation zu verschleiern, obwohl man einigermassen sicher kann, dass weder die Schlapphüte noch die Regulierungsbehörde etwas von dieser Art der Verständigung mitbekommen.

Mit dem Laser peilt man nun die Winkelreflektoren auf dem Mond an. Das klingt leichter als es ist, denn man muss einen Spiegel dort treffen, wo er in 1,25 Sekunden sein wird, wobei man ihn sieht, wo er vor 1,25 Sekunden war. Im Prinzip müssen die Laserschützen etwa 50 Kilometer daneben zielen um zu treffen. Eine weitere Komplikation: Der Standort des Schützen schwankt durch die Gezeitenkräfte. Versuche, die Lichtgeschwindigkeit für diesen Versuch zu erhöhen, waren leider nicht erfolgreich.

Der Laserstrahl ist zwar recht scharf gebündelt, aber dennoch weitet er sich bei der Ankunft auf der Mondoberfläche so weit auf, dass der Lichtkegel einen Durchmesser von etwa sieben Kilometern hat. Hier treffen einige Lichtteilchen des Lasers auf einen Winkelreflektor und werden reflektiert. Das Laserlicht tritt nun seinen Weg zurück zum irdischen Teleskop an.

Und genau da werde ich sein und zeichne die Lichtimpulse mit einer Kamera auf. Aus der Abfolge der Nullen und Einsen lässt sich dann einfach über einen Dekoder der Klartext ermitteln. So sollten wir es machen, um die Anonymität zu wahren.

http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/einsteins-kosmos/allgemein/2008-07-14/mit-dem-laser-zum-mond

Damit wären die Koordinaten bekannt, die zu Alberich führen. Doch hoffentlich hat der überhaupt  die Tarnkappe von Siegfried zurückbekommen. Und wie komme ich dahin, ohne erkannt zu werden? An dem Problem muss weiter gearbeitet werden. Ideen, um auch dies zu lösen, sind schon  angedacht
Da ist noch eine Menge Arbeit zu bewältigen.

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