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06.10.2009
Heute mal wieder eine alte Geschichte (Wolfgang Back)

Geschichten, die das Leben schrieb (4)
Der Angsthase von Microsoft

Während der langen Computerclubzeit ist einiges passiert, das der Zuschauer nicht mitbekommen hat. Ich will eine Geschichte erzählen, die schon lange her ist. Irgendwann in den 90er Jahren muss das gewesen sein.
Die Computerszene war noch nicht so gefestigt wie heute, wo man von einem dominierenden Betriebssystem ausgehen muss. Damals mischte auch noch das von IBM favorisierte OS/2 in der Gunst der Verbraucher mit.

Aus dem Pool der Computerkonfektionierer (Eigenbezeichnung: Boxenschieber) fiel plötzlich die Fa. Vobis heraus, die neue Computer mit dem Betriebssystem OS/2 auslieferte. Wohlgemerkt: Vorinstalliert. Man hatte als Käufer keine Windowsversion zur Nachinstallatioin.

Der Gründer und Inhaber der Vobis AG sprach offen darüber, dass er es satt hat, dem Diktat von Microsoft zu gehorchen und brav Windows aufzuspielen. Er wollte ausbrechen.

Dieses mutige Verhalten ließ uns in der Redaktion aufhorchen und wir wollten einen Beitrag darüber produzieren. Mit Theo Lieven, Mr. Vobis, war schnell alles klattgezupft. Ort und Termin passten zusammen.

Anders war es dann schon mit dem Microsoftvertreter, den wir auch dazu einladen wollten, um (ich glaube es war die Premiere für Windows 95), das neue Betriebssystem zu zeigen. Dann sagte aber der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland zu und wir erwarteten eben zwei Kampfhähne in einer Sendung. Eigentlich gefiel uns diese Kombination besonders gut. Am Anfang war uns allerdings nicht bewusst, dass sich bei uns im Studio später Machtkämpfe mit Konsequenzen breit machten.

An dem Morgen des Studiotermins kamen beide Gäste frühzeitig ins Studio. Als der Microsoft Geschäftsführer namens Wedell den Vobis Mann Theo Lieven am gleichen Ort bemerkte, ging es los: „Ich werde nicht zusammen mit Herrn Lieven im Studio das Interview machen. Der hat dann alle Zeit, darüber nachzudenken, was er entgegnen kann.“

Auch das Angebot, es andersherum zu drehen, brachte nur Ablehnung. Der Microsoft Mann wollte, dass Theo Lieven nicht hört, was er zu sagen hat. Auch nicht außerhalb des Studios, zum Beispiel im Regieraum des Studios. Lieven sollte das Haus verlassen und auch nicht sehen und hören, was er abgeliefert hat.

Das war in der langen Praxis völlig neu. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Wir besprachen untereinander die Verteilung wer welches Interview begleitet. Ich bekam den Part mit Theo Lieven. Also hatte ich den WDR zu verlassen. Und was macht man da? Zwangsweise mussten wir eine Kneipe in der Nähe des Studios aufsuchen.

Dort saßen wir dann an der Theke und schüttelten lange Zeit den Kopf. Ich werde nie die Reaktion von Theo Lieven vergessen, der sich dazu hinreißen ließ, zu bemerken:“ Was wird das denn für ein Betriebssystem sein, das man keinem zeigen kann?“  Doch Windows 95, das am Anfang ähnliche Probleme wie Vista hatte, setzte sich dann doch durch und OS/2 hat bald das Handtuch geworfen. Ebenso verschwand auch der Geschäftsführer von Microsoft und Theo Lieven konnte in der richtigen Zeit seine Firma verkaufen.

Solche Episoden wären heute wahrscheinlich nicht mehr denkbar. Der Auftritt vor der Kamera ist doch sehr entspannter geworden.


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