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29.10.2009
Ein Leben schließt sich. (Wolfgang Back)

Damit möchte ich mich noch nicht von dieser Welt verabschieden. Doch ich möchte einmal das Fazit ziehen, da sich im Moment so einiges ändert. Wenn ich mir überlege, wie das Leben begann und wie es sich entwickelte. Viele Dinge hat man vergessen; doch viele Dinge sind auch heute noch präsent.

Die Studentenzeit  hatte eigene Gesetze. Geld war knapp – doch der Wille nach einem Auto war ungebrochen. Damit war die Wahl sehr eingeschränkt.  Sie musste vor allem billig sein.. Somit wurde eine Isetta mein erstes Auto. Sie kostete gerade einmal 200 DM, war mit einem schlechten Motor bestückt, hatte jedoch alles, was man von einem Auto erwarten kann.

Damals war man mit wenig zufrieden. Eine Kiste, die vier Räder hatte und bei Regen ein trockenes Leben garantierte, war schon ein Luxus besonderer Art. 12 PS waren angesagt – es genügte, um von meinem Heimatort St. Goarshausen nach Aachen zum Studienort zu fahren. Jede Fahrt war ein eigenes Erlebnis.

Hatte man keinen guten LKW auf der Autobahn, hinter den man sich einordnen konnte, dann war man ziemlich verloren. Der Sog hinter den großen LKW’s war ausschlaggebend für das Fortkommen. Wenn man sich für das Überholen entschied, wurde man schnell vom Luftdruck bestraft. Nichts ging dann mehr. Zurück ins Glied!  Schön war es doch!



Die legendäre Isetta – auch als Knutschkugel bekannt

Ob man es glaubt oder nicht: die Isetta konnte man als Übernachtungsmöglichkeit nutzen. Jedoch war mindestens ein Bein aus dem Fenster zu halten. Und immerhin konnten zeugungsähnliche Bewegungen realisiert werden.

Danach startete der Run in die Oberklasse. Von der 12 PS Isetta stürzte ich mich gleich in die Klasse der 30 PS ler. Damals hatte der Prinz 3 von NSU einen guten Namen. Es war ein kleines kompaktes Auto, an dem man richtig schön basteln konnte. Es gab genügend Prinz Fans an der Hochschule, mit denen Teile tauschen konnte. Musste man zum Beispiel zum TÜV, so konnte man schnelle einmal vom Kumpel die Reifen leihen, die man natürlich abends wiederbringen musste.

Doch leider hatte dieses Auto schon einige Jahre auf dem Buckel und die Karosserie hatte schwer gelitten. Eines Tages tat es im Auto einen Schlag und der Fahrersitz machte sich selbständig. Das Bodenblech war durchgerostet. Doch mit Hilfe einiger Kanthölzer konnte man den Sitz wieder festklemmen. Bei schönem Wetter war dies kein Problem; bei Regen jedoch standen die Füße im Wasser. Aber dafür gab es ja Gummistiefel und im Winter Moonboots.
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Der kleine Prinz III ging ab wie Schmitz Katze.

Ich blieb eine Zeitlang dem Typ Prinz treu. Der Sportprinz war damals ein kleines Auto für Liebhaber. Ich kann mich erinnern, wie ich mich freute, dass ich für 400.- DM dieses Auto kaufen konnte. Es war zwar einigermaßen verrottet, doch  ich hatte damals sehr geschickte Hände und gutes Werkzeug. Den Wagen schmückte auf jeden Fall dickes Auspuffrohr. Der Sound war lauter, als die Polizei erlaubte – doch ich wurde niemals auffällig .

Ein Traum war damals immer ein vermeintlich sportliches Fahrzeug. Natürlich stand Porsche ganz oben auf der Wunschliste. Doch als Student war der Himmel zwar voller Geigen – doch die Realität sah anders aus. Der Sportprinz hatte zwar keinen Nimbus eines „brutalen“ Siegerwagens; doch irgendwie war er anders als die normalen Autos. Das war ein Grund, viele Dinge in Kauf zu nehmen. Der Sportprinz, der mir gehörte, war ziemlich marode. Damals gab es noch richtig viel Rost bei den Autos. Heute ist das durch Behandlung der Bleche bedeutend besser geworden.

Die Herausforderung war mächtig. Viele Bleche mussten neu eingesetzt werden und eigentlich hätte sich der Aufwand absolut nicht gelohnt. Doch damals hatte man alle Möglichkeiten nach Dienstschluss die Infrastruktur einer Testabteilung zur Verfügung. Ich war zu jener Zeit als Werkstudent bei Girling Brakes in Koblenz beschäftigt. Das war ein toller Job, bei dem ich die Messtechnik  zur Ermittlung der Temperaturen an den Bremsscheiben der Testfahrzeugen installierte. Wegen der hohen Temperaturen konnten hier nur Thermoelemente eingesetzt werden.


Die Marke NSU Sportprinz  (NSU kaputt im Nu)

Lange hielt das Vergnügen nicht. So nach und nach verabschiedete sich sowohl der Motor und das Getriebe. Zusätzlich brachen die geflickten Stellen wieder auf und es wurde immer zweckloser, nachzubessern. Marode bleibt marode. So war nach einem Jahr der Spaß zu Ende.

Natürlich musste auch einmal Deutschlands berühmtestes Auto in meinem Besitz sein. Auch diesmal entstammte es wieder der unteren Preisklasse. Ich glaube, dass ich zwischen 100 DM und 150 DM feilschte. Mag sein, dass die Mitte dabei herausgekommen ist. Dieser VW war ein Standard und hatte damit kein Synchrongetriebe. Auch auf eine Heizung wurde verzichtet Heute wäre dieses Auto eine Menge Geld wert. Ich spritzte jedenfalls das Auto auf eine hochmoderne Farbe um. Orange war angesagt. Eigentlich schrecklich, wenn ich heute zurückdenke.


Das geteilte Fenster wäre heute ein Bestseller

Der Fahrspaß beschränkte sich allerdings auf niedrigem Niveau. Ein VW war eben nur ein Notbehelf. Die anderen Kumpel aus dem Aachener Zirkel fuhren ganz andere Autos. Einer dirigierte einen alten Bentley, einer besaß eine Corvette, ein anderer einen GT von Alpha.

Wir waren die Könige unter den Aachener Studenten, die neben exotischen Autos auch noch fantastisch in verschiedenen Immobilien in Belgien wohnten. Leider habe ich von jener Zeit gar keine Bilder mehr. Jedenfalls verfügten wir über ein eigenes Schwimmbad, über einen offenen Kamin und über 10.0000 Quadratmeter Grundstück; inklusive einem kleinen See.

Irgendwann war dann die Studentenzeit zu Ende und ich begann in Köln meinen Job. Zunächst war ich in der Wissenschaftsredaktion untergekommen und kurze Zeit später gesellte ich mich zu Jean Pütz. Wir entwickelten erfolgreich die13 teilige  Fernsehserie: „Einführung in die Digitaltechnik“ und danach war die Hobbythek unser gemeinsames Baby.

Jetzt war aus dem sporadischen Einsatz eines freien Mitarbeiters ein konstant beschäftigter Medienmann geworden.

Mit den ersten überflüssigen DM-Marks kaufte ich mir dann für 5.700 DM einen VW Porsche. Immerhin hatte der schon ein Porsche Logo, wenngleich alles andere nach VW roch. Das hatte auch große Vorteile. Ein Motorzusammenbruch war mit 2000 DM zu heilen, wo Porsche sich in exotischen Gebieten bewegte. 25.000 DM war ein wiederhergestellter Carrera Motor wert.


Sehr zuverlässig dank VW Maschine

Mit diesem Auto habe ich viele schöne Dinge erlebt. Das Cabrio war leider kein richtiges Cabrio; die Maschine von VW war keine richtige Porsche Maschine. Die Wünsche kreisten nach ein paar Jahren um andere Dinge herum.

Der Verdienst war bedeutend besser geworden und monatlich konnte man einen Batzen Geld zurücklegen. Irgendwie hatte ich immer wieder einen Porsche vor Augen. Doch es gab auch andere Autos, die sich präsentierten.

Nachdem ich von der Lieferzeit eines Morgan verschreckt wurde, näherte ich mich einem TVR. Das war überhaupt eine tolle Marke, die nur in wenigen Exemplaren geliefert wurde. Alles Kunststoff und der Rest war alles Ford. Eine schwermütige 3 Liter Maschine trieb das Auto an. Kraft pur war mit dem Motor vorhanden, auch wenn die 220 km/h schwer zu erreichen waren.


Die Freude war groß, wenn man unterwegs einen "Bruder" traf. Anhalten war Pflicht

England ist ein besonderes Land. Dies merkte ich, als ich mir dieses Auto anschaffte. Als wäre der Strom auf der Grünen Insel etwas ganz anderes – das Auto verhielt sich so. Immer wieder fiel die Elektrik aus und sie kam wieder, wenn irgendwelche Sterne ihre geheime Position einnahmen. Es war auch ein besonderes Erlebnis, mit dem Auto im Winter unterwegs zu sein. Obwohl die 3 Liter Maschine ordentlich Wärme für einen Wärmeaustauscher produzieren konnte, war der Austauscher so klein dimensioniert, dass gerade einmal ein 15 cm im Durchmesser großes Loch auf der Windschutzscheibe frei geblasen wurde. Moonboots waren an den Füssen angebracht.

Zum Schluss bewegte ich das Auto nur noch innerhalb von Köln. Alle Versuche, aus dem Boliden ein Alltagsauto zu machen, wurden vereitelt. Dennoch war dieses Auto ein Genuss und ein Hingucker.

Die lange Schnauze vermittelte Kraft und Power. Das Gaspedal wurde auf meine persönliche Größe angepasst. Dafür musste ich extra nach Düsseldorf zum Händler fahren. Das war schon ein Erlebnis. Ingesamt wurden 115.000 Kilometer auf dem Zähler vermerkt. Viel zu billig habe ich dann das Auto verkauft.
Immerhin, wer fuhr schon einmal einen TVR? Ich erzählte allen Fragenden, wie dieses Auto heißen würde: „TVR“ – das bedeutet TV Redakteur, was ich ja war. Doch geglaubt hat es mir wohl niemand.

Irgendwann hat mich die Vernunft ergriffen Ich war nach längerer Zeit die Eskapaden des TVR überdrüssig und wollte auch einmal ein Auto mit Ankunftsgarantie steuern. Dafür musste ich meine gedanklichen Eskapaden etwas eindämmen und mich auf den „Normalo“ Tripp begeben. AUDI – oh Gitt oh Gitt – ein Auto mit Hut inklusive?


Ein tolles und zuverlässiges Auto

Doch es gab auch eine andere AUDI Philosophie. Mit dem Quattro setzten die Ingenieure eine Marke, die es in sich hatte.

Vom TVR zum Audi Quattro – das war ein Ritt über den Bodensee. Der Wunsch nach einem funktionierenden Auto wurde allerdings erfüllt. Dieses Auto hat mich nie im Stich gelassen. Dass ich während der Fahrt auf der Autobahn einmal mein Schiebedach verloren habe, gehört zu den negativen Erlebnissen.

Das „richtige“ Auto leistete ich mir dann erst im Jahre 1992. Ich hatte einige Erfolge zu verzeichnen und war in der Lage, den Porsche (Bild unten) zu kaufen. Ich kaufte ihn von meiner Schwiegermutter, die heute mit 84 Jahren noch einen Porsche Turbo fährt. Dieser Porsche hatte immerhin einen Rekord zu eigen. Mit 262 km/h wurde er auf Platz 3 in der Statistik der geknipsten Fahrzeuge am Elzer Berg bei Diez geführt. Man hatte der Schwiegermutter gesagt, dass man dort nur bis 200 knipsen kann. Ein teures Missverständnis.


Trän, Trän, hoffentlich geht es ihm gut bei den neuen Besitzern

Dieses Auto, was ich mit Wehmut hier noch einmal als Bild sehen kann, hatte viele Erlebnisse hinterlassen. Ich war mir schon bald sicher, dass ich mit diesem Auto in die letzte Phase meines Lebens eintreten werde. Wenn man ein Auto sein eigen nennt, das sich als philosophisches Gedankenmodell gibt, dann will man nie darauf verzichten. Doch wenn man mit Gewalt und Diebstahl davon getrennt wird, dann muss man nach der Trauerzeit die  positiven Elemente ausgraben.

Natürlich war das Auto gefährdet. Ein Versagen des Motors wäre ein schrecklicher Einschnitt gewesen. Zwar war der Motor vor einigen tausend Kilometern durchgesehen worden – doch ein ewiges Leben kann niemand garantieren. Ein neuer Motor hätte mal schnell 25.000 Euro gekostet. Das Getriebe hätte vielleicht seinen Geist danach aufgeben können. Es war immerhin noch das erste Getriebe Unter 7,500 Euro ist dann nichts zu machen.

Um etwas Positives aus dem Diebstahl nach vorne zu bringen, so sind es diese Gedanken, die mich vor hohen Investitionen  schützen.

Und jetzt? Jetzt bin ich wieder in der Ausgangsposition angekommen. Der Smart ist die Rückbesinnung auf die alte Situation auf hohem Niveau. Mich faszinierte ganz einfach  das Minimum, das man als Platzangebot einem Menschen liefern muss.

Ich habe mich dem Smart ganz heimlich genähert. Zunächst dachte ich, dass ich mit meinen schlanken Ausmaßen gar nicht erst in dieses Auto passen würde. Doch dann war die erste Probefahrt völlig zufrieden stellend. So ein bisschen Power vermisste ich jedoch. Wenn die anderen Fahrzeuge an der Ampel davon fuhren, dann hinkte ich ein bisschen hinterher.

Mit der nächsten Maschine mit 84 PS und Turbo war dies dann vorbei. Dieser Smart ordnete sich in die Beschleunigung der anderen Autos ein. OK – bald werde ich dieses „Spielzeug“ ernst nehmen müssen, denn es wird mein neues Auto, das mich noch lange von A nach B  bringen soll., wobei A und B nicht allzu weit auseinander liegen  sollte. Zur Überbrückung von großen Distanzen steht immerhin noch ein BMW Cabrio in der Garage.
Dieser BMW ist mit seinen 192 PS ein starkes Auto, das große Entfernungen bequem überbrücken kann. Doch auf meine Experimente mit meinem neuen Smart bin ich sehr gespannt.
Was macht ein 84 PS Turbo Motor mit der kleinen Knutschkugel? Sollte die Bilanz negativ ausfallen, dann gibt es noch ein Update. Der Brabus  SMART  liefert einen 100 PS starken  Motor. Der will allerdings Super Plus schlucken – und das möchte ich nicht mehr, weil der gestohlene Porsche genau diesen Stoff haben wollte.

Der Kreis eines Lebens schließt sich auch auf der Autofront. Die Isetta aus den 60iger Jahren ist gar nicht so weit weg von dem neuen Fahrzeug, das eine ähnliche Fahrzeugzelle bietet.

 Back to the roots.Von der Knutschkugel in die nächste Knutschkugel.

Ich hatte in diesem Sommer noch einmal die Möglichkeit, eine Isetta zu fahren. Vorher hatte ich geholfen, dass die Besitzer wieder nach Aachen starten konnten. Eine fehlende Schraube machte das Fahrzeug wieder manövrierbar,  Doch kurz davor war das Auto unter meiner Ägide. Ich hatte mir mit der Lieferung der Schraube eine Probefahrt verdient.

Nach wenigen Metern stieg ich aus und hielt mir die Ohren zu. Das Mobil war so laut, wie ich mich nicht erinnern konnte. Früher war man offenbar anders gestrickt.

Nicht immer kann man eine Uhr zurückdrehen.


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