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10.12.2009
Messen kommt von Mist (Wolfgang Back)

Dieser Spruch ist in den Elektronikerkreisen bekannt. Er trifft vor allem auf mich zu. Ich möchte am liebsten alles messen, was man messen kann. Vom Alkoholtester über den ph Messer für das Schwimmbad bis hin zum radioaktiven Überprüfen - alles liegt irgendwo herum und hatte irgendwann einmal eine zentrale Bedeutung.
Jetzt entdeckte ich allerdings wieder etwas Neues, das allerdings in meiner Sammlung komplett fehlte.
Ich konnte mich erinnern, dass ich in Köln schon einmal bei plus darüber gestolpert bin. Doch damals schreckten mich die 96 Euro für Messungen, an deren Wert ich heute noch zweifle.
Bei einer Rundreise der entsprechenden Einkaufsquellen stieß ich jetzt in Garmisch auf dieses Gerät mit dem Unterschied: es kostete "nur" noch die Hälfte, genau 48 €. Es war in dem Nachfolgemarkt von plus in einem netto Markt in 30 facher Menge ausgelegt. Diesmal konnte ich nicht mehr "nein" sagen und stellte mir die tollsten Szenarien vor, um vor mir selbst die Ausgabe einigermaßen zu begründen. "Wenn ich hier jetzt Urlaub machen würde und müsste mich einmieten, dann wären bestimmt 100 Euro am Tag futsch." So entwickelte ich für mich selbst ein Sparmodell. "Man muss sich ja auch etwas leisten können."
Sie merken, dass ich Sie auf die Folter spanne."Was könnte das für ein Messgerät sein?"
Vorher wurden die "Klassiker" nicht vor mir verschont. Angefangen bei ALDI ging es zu NORMA und LIDL.

Das gekaufte Gerät dient auf jeden Fall nicht dazu, das Gras wachsen zu hören, auch sind Beobachtungen von Nachbarn ausgenommen. Auch die Wireless Messmethode der Schneehöhe scheidet aus, da ansonsten ein anderes Preisgefälle realistisch gewesen wäre. "Was will man in Köln damit?"

Ich finde es toll, dass ich Sie so lange auf die Folter spannen kann. Es ist auch kein Fieberthermometer oder gar ein elektronischer Sensor zur Erkennung der Schweinegrippe. Der gravierende Preisunterschied zwischen Köln und Garmisch deutet auf keinen Fall auf regionale Unterschiede hin. Es geht einfach darum, dass dieses Messgerät weder in Köln noch in Garmisch benötigt wird.

Ich will Sie erlösen. Ich kaufte mir ein komplettes System namens TPMS. Ich sehe Sie da sitzen mit offenem Mund und ungläubigen Zucken der Mundwinkel. "Ja, das muss ja ein tolles Ding sein. Herzlichen Glückwunsch!"

Auch wenn ich die Bedeutung von TPMS erklärend aufschreibe, dürfte einige noch im Dunkeln tappen. Tyre Pressure Monitoring System Jetzt ist es raus und alle werden mich beneiden.
Ich kann jetzt während der Fahrt die Reifendrücke aller 4 Räder an einem Auto auf einem einem LCD Monitor ablesen. Ich kann mich warnen lassen, wenn ein Reifen Mucken macht. Zusätzlich kann ich die Temperaturen der verschiedenen Reifen abfragen.
Ist das nicht toll? Und das Ganze dann am Smart montiert, macht Ferrari Fahrer neidisch und lässt Porsche Nutzer ausrasten.
Als ich vorgestern in München war, montierte ich schon einmal die kleinen Reifensensoren und beobachtete die Änderungen während der Fahrt. Viel hat sich nicht getan - die Temperatur der Reifen stieg immerhin von 3 Grad auf 20 Grad. Damit ging auch der Reifendruck vorne von 2,3 auf 2,8 bar.
Wer jetzt noch ohne TPMS durch die Gegend fährt und den Zustand seiner Reifen einfach ignoriert, der muss bestraft werden.



Da, wo ich das Bild gefunden habe, kostet das Angebot allerdings 109.- Euro plus Versandkosten.

Zu meiner Ehrenrettung muss ich jedoch noch einen Abschnitt hinzufügen.In meiner Studentenzeit verbrachte ich die Sommermonate und manchmal auch im Wintersemester meine freien Tage bei Girling Brakes in Koblenz. Hier war ich den Mitte 60er Jahren des letzten Jahrhunderts als Mitarbeiter in der Versuchsabteilung. Ich war die elektronische Hoffnung der damaligen Abteilung. Wer sich mit Messmethoden für Temperatur auskannte, der hatte große Chancen, den Platzhirschen abzugeben. Es mussten in vielen Versuchen die Temperaturen der Bremsscheiben und der Beläge ins Wageninnere übertragen werden.Da hatte ich mir eine Niesche geschaffen, die ich nahezu zum Monopol ausarbeiten konnte. Die Messmethoden waren noch richtig primitiv. Die hohen Temperaturen von bis zu 1000 °C verlangten robuste Thermoelemente, die auf ein Analogmessgerät im Wageninnere ihre Werte lieferten.

Die angezeigten Werte waren nicht immer "sauber", die Anlage war eben temperatursensibel. Doch es reichte damals aus, sichere Bremsen zu entwickeln.In das ganze Geschehen bei einer Testfahrt  ging auch der aktuelle Reifendruck als wichtige Erkenntnis ein. Ich träumte damals davon, diesen Reifendruck "live" messen zu können. Doch das war damals ein unerfüllter Traum.
Man muss sich die Situation von damals vorstellen. Wir brachten auf den Testfahrten die Bremsbeläge auf Temperaturen, bei denen die Beläge brannten. Dann gingen wir rund um das Auto, um mit einem Handmessgerät die Reifendrücke abzulesen und sie in ein Protokoll einzutragen. Die Temperaturen der Reifen konnten wir nur durch Handauflegen auf die Reifen schätzen.
Vielleicht wird jetzt mein Kauf ein klein wenig verständlicher, da ich damit die Fehler der Vergangenheit ausmerzen könnte. Ein solches System hätte die Abteilung sogar für 1000 Euro oder mehr gekauft.
Auch wenn unsere Messmethoden in den 1960er Jahren noch bescheiden waren, umso größer war unser Spass, wenn wir die Auufgabe bekamen, einen Bremsentest mit einem Ferrari am Wochenende in der Eifel / Luxemburg / Belgien zu fahren. Ein Wochenende später war es dann der Mercedes 600 vom Bundespräsidenten. Schöne Zeit. Schöne Erinnerung. Schönes Messgerät. Hat sich gelohnt.

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