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13.01.2010
Der Verfassungsschutz beim WDR (Wolfgang Back)

Wir blicken weit zurück. Die 80 ziger Jahre stellen den Focus dar. Um erklären zu können, warum ich es plötzlich mit dem Verfassungsschutz zu tun hatte, muss ich einiges erklären. Wir sind beim WDR in der Wissenschaftsredaktion und diskutieren über die Sendung „Anruf erwünscht“. Diese Sendung war eine der ersten interaktiven Sendungen, denn man konnte seine Meinung abgeben. Aus der Sendung heraus wurden Fragen gestellt, die eigentlich einfach mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten waren. Doch das Prozedere gefiel niemandem. Man musste Telefonboxen im Studio aufstellen, wo jeweils ein Student die Anrufe entgegennahm und die Antwort notierte. Beispiel: War die Frage etwa: „Finden Sie es richtig, dass  für einen Katholischen Kindergarten nur katholische Erzieher eingestellt werden? Es standen dann 3n Möglichkeiten zur Wahl. Mit Multiple Choice konnte man dann „ja“, “ nein“, „weiß nicht“  antworten. Alles per Hand und per Telefon.

Irgendwann kam dann die Idee auf, dass man über eine Automatisierung nachdenken könne. Kann man nicht einfach durch Nachwählen  von 1, 2 oder 3 eine Abstimmung herbeiführen?

Doch das Urteil der Experten war immer negativ. Das analoge Telefonsystem bietet  keine Sicherheit, das Wählverhalten exakt anzuzeigen. Störgeräusche können das Ergebnis verfälschen.

Ich brachte dann in einer Konferenz ein, dass es Dienste gibt, die durch Nachwählen einer Nummer erreicht werden können. Also zuerst eine Nummer wählen und nach dem Kontakt eine weitere Nummer nachwählen. Zum Beispiel gab es ja den Cityruf, mit dem man einzelne Personen erreichen konnte. Zwar konnte man keine detaillierte Nachricht versenden. Es war nur möglich, der Person ein Signal zu geben, dass sein Anschluss  verlangt wurde. Dann musste der Angerufene wissen, welche Telefonnummer er anzurufen hat, um zu erfahren, warum er angerufen wurde.

Alleine die Möglichkeit der Erreichbarkeit einer Person durch Nachwählen einer Nummer im analogen System brachte mich dazu, einmal bei der Telekom nachzufragen, wie so etwas funktioniert. Denn das war genau der Wunsch: Nummer wählen, nachwählen von 1, oder 2, oder 3..

Anstatt eine vernünftige Antwort von der dem damaligen Postministerium zu erhalten, wurde mir ein Besuch der Staatssicherheit angekündigt.
Schon am nächsten Tag waren zwei Herren aus Bonn bei mir in der Redaktion.
Sie wollten wissen, warum ich so seltsame Fragen an die Bundespost gestellt habe. Sie wollten wissen, was ich denn eigentlich vorhätte. Aus meiner einfachen Anfrage war ein „Dicker Hund“ geworden.  Von den Beamten erfuhr ich dann, was mir hätte einfallen können. Sie dachten nämlich, dass ich dieses System stören wollte. Jetzt wurde mir einiges klar. Das war natürlich ein Pulverfass. Hinter einer Nummer, die über UKW übertragen wurde, war ein Arzt oder ein Feuerwehrmann, der über diesen Dienst seine Anfragen erhielt.

Wer sich nun auf diese UKW Frequenz setzt und  oft genug die gehörte und dekodierte Nummer anruft, der kann sicher sein, dass der Arzt oder der Feuerwehrmann bald sein Gerät wegwirft. Damit wäre dann ja eine neue Nummer verfügbar.
Es gab damals sogar Mikroprozessorlösungen, um das UKW Gepiepse zu dekodieren und die gesendeten Nummern im Klartext anzuzeigen.

Jedenfalls hatten die Staatsschützer mich im Visier, illegal agieren zu wollen. Letztendlich aber wurden wir von der Überwachung wieder befreit. Offensichtlich waren die Argumente harmlos genug.  Doch das angestrebte Wahlverfahren per analoger Nachwahl klappte  auch niemals.


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