ComputerClub 2
Sitemap Kontakt
  Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
Suche:   Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
  Startseite
  Neuigkeiten
  Historie
  Pressestimmen
  Redaktion
  Kontakt
  Sitemap
  Haftungsausschluss
  Impressum


NEUIGKEITENals RSS-Feed abonnieren

24.03.2010
Das steht uns allen noch bevor (Wolfgang Back)

Die Fahrt nach Garmisch war diesmal anders gestrickt. Meine Frau flog von Köln nach München und ich folgte ihr mit unserem BMW Cabrio. Ich hatte all die Dinge an Bord, die offenbar mit müssen; die nicht in das Bordgepäck zu integrieren sind. Ich war jedenfalls alleine unterwegs und hatte alle Möglichkeiten, die elektronischen Geräte zu nutzen, ohne dass da Anweisungen kamen,  wie: „Du sollst Autofahren und nicht spielen!“

Meine Vorstellungen waren sowieso anders. Ich war der Meinung, dass es möglich ist, einen Flug in das Urlaubsziel zu buchen, ohne etwas mitnehmen zu müssen. Was da fehlt, das kann man heutzutage alles vor Ort kaufen. Vielleicht machen die Medikamente da eine Ausnahme.

Die 0-Gepäck Vorstellung gefiel niemandem. „Man muss immer persönliche Dinge einpacken, die am Urlaubsort gefordert sind.“  Damit war klargestellt, dass ich eine besondere Mission zu erfüllen hatte. Ich hatte dafür zu sorgen, dass die eingepackten Tischdecken für Ostern, die diversen Deko Utensilien und zu allem Überfluss, da ich ja sowieso mit dem Auto fuhr, die Reste aus dem heimischen Kühlschrank. Das restliche Porree, Möhren, Sellerie und gar ein Salatkopf wurde mir in den Kofferraum geladen.

Ich wollte aus dieser Extratour nach Garmisch ein neues Erlebnis generieren. Da ich an diesem Sonntag keine Eile hatte und einfach nur ankommen musste, wollte ich einmal wissen, wie sich so einiges auswirkt, was man während der Fahrt so einstellt.

Mein Ziel war es, eine möglichst Sprit sparende Tour zu absolvieren. Das benutzte Auto war, wie oben schon angesprochen, ein BMW C25 Cabrio mit 194 PS. Den Durchschnittsverbrauch konnte ich im Bordcomputer ablesen. Er lag bei 10,4 l/100km.  Da am Vortag voll getankt wurde, errechnete der Bordcomputer eine Reichweite von 519 km. Doch das Ziel „Garmisch“ ist  670 km weit entfernt. Also unterwegs tanken! So waren bisher alle Fahrten dort hin mit einem Tankaufenthalt abgelaufen.

Sonntagmorgen 8:35 Uhr bewegte ich mich langsam zur Autobahn und stellte den Tempomaten auf die Geschwindigkeit 100 km/h ein. Ich tuckerte sehr bequem über die Autobahn, habe keinen anderen Verkehrsteilnehmer behindert und hatte ein Auge auf die Anzeigen. Das Wort „Anzeigen“ ist angebracht, da neben dem eingebauten Navigationsgerät auch mein iPhone mit der Software „Navigon“ parallel dazu arbeitete. Eine solche Konstruktion wurde mir bisher immer verboten, da bei Versuchen vorher meistens das Schild „Und wer fährt?“ am Straßenrand auftauchte. Und die Beifahrerin fragte dann immer nach: "Hast Du das Schild gesehen?". Also ließ ich meine Versuche.

Doch jetzt war ich alleine und konnte bestimmen, was ich an Daten abrief. Da gab es schon bald eine interessante Entwicklung zu beobachten. Die Zielentfernung nahm natürlich langsam ab; doch die Reichweite stieg entsprechend der eingestellten Geschwindigkeit. „Wann wird es so weit sein, dass sich die beiden Werte kreuzen?“ Schon nach ca. 50 Kilometern von Köln entfernt kam der Schnittpunkt: Die 670 km bis Garmisch waren erreichbar mit der eingefüllten Tankmenge, die vorher nur 519 km Reichweite prognostizierte.

Von jetzt an begann der Gewinn. Von jetzt an wurde erstmals weniger Sprit verbraucht, als es je vorher zustande kam. Ich musste nur aushalten und durfte meinen vorgegebenen Schnitt nicht verlassen. 100 km/h – das war die Zielvorgabe.

Schon bald stellte sich eine neue Durchschnittszahl für den Verbrauch ein: 7,2 Liter auf 100 km. Das ist eine immense Differenz zwischen 10,4 l/100 km. Doch es sollte noch besser kommen. Nach ca. 250 km hatte sich der Verbrauchswert auf 7.0  l / 100km eingependelt.

Jetzt wurde es langweilig, da sich über viele Kilometer hinweg keine Änderung ergab.

Ich hatte jetzt Zeit einmal über das Erreichte -nach vielen Jahren der Entwicklung- nachzudenken. Was hat sich da alles getan?  Mittlerweile hatte ich zwei Navigationssysteme gleichzeitig im Auto. Und die streiten sich sogar. Das iPhone hatte ständig weniger Kilometer nach Garmisch im Display. Es waren sogar beachtliche 40 Kilometer, die mir Rätsel aufgaben. Später stellte sich heraus, dass der BMW in München eine andere –längere, aber evtl. schnellere- Strecke vorgeschlagen hat.

Doch wie war das früher? Wir hatten lange Zeit keine Elektronik im Auto. Sie war teilweise auch verpönt, weil man ihr keine Kontinuität zutraute. Ich erinnere mich noch an meine Studentenzeit, als ich bei Girling Bremsen in Koblenz in der Versuchsabteilung meine Semesterferien verbrachte. Der Chef der Abteilung betonte immer wieder: „Kein Transistor an die Bremsen.“ Dass mit ABS direkt tausende Transistoren erfolgreich werkeln, konnte man damals nicht ahnen.

Heute sind einige Prozessoren für eine ganz normale Fahrt in Aktion. Je nach Auto sind viele Motoren in Aktion, die neben dem eigentlichen Motor für Bequemlichkeit sorgen. (Ich hörte einmal, dass im 7er BMW 180 Zusatzmotoren werkeln).  Selbst bei meinem Smart, der ja als Minimalausgabe eines Autos gilt, ist ständig die Automatik damit beschäftigt, ob ich mit Licht fahre und ob es evtl. regnet, damit die Scheibenwischer betätigt werden, ohne ABS und ESP zu erwähnen..

Wer selbst schon einmal programmiert hat, der weiß wahrscheinlich, wie schwer es ist, alle Zustände  in Formeln zu packen, ohne Fehlfunktionen auszulösen. Gerade beim Auto sind Störquellen vorprogrammiert.

Da ich eigentlich mit der Entwicklung der Verbräuche und der prognostizierten Werte zufrieden war, konnte ich nichts mehr tun. Ich musste weiterhin den Tempomaten bemühen: 100 km/h war angesagt. Das „Zwischentanken“ war längst vergessen. Ich kam offensichtlich am Ziel mit einem Displaywert:: „Reichweite: 200 km“ an. So war es denn auch.

Immerhin habe ich auf 100 km Fahrstrecke ca. 3.3 Liter gegenüber anderen Fahrten gespart. Das macht dann bei  670 km Fahrstrecke  etwa 22 Liter aus. Das sind derzeit etwa 30 Euro. Ich mache die Rechnung noch weiter auf: ich benötigte mit Essenspause von 1 Stunde insgesamt  10 Stunden Fahrt. Das Essen mit Getränk kostete 13 Euro. Alleine durch die Drosselung der Geschwindigkeit war das Mittagessen und das Abendessen bezahlt..

Alles in allem: man gewinnt durch ein verhaltenes Fahren sehr viele  Vorteile. Der Bleifuß ist sowieso „out“. Auch Drängler auf der Autobahn sind unliebsame –seltener werdende- Verkehrsteilnehmer. Sie verstehen noch nicht, dass unsere Welt in der Zukunft anders funktionieren wird.

40 Kommentare
zurück zum Archiv

Druckversion Impressum Haftungsausschluss