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10.05.2010
Eines macht mich nach wie vor stutzig (Wolfgang Back)

Gestern verlief die Wahl in unserem Lokal ohne großartige Vorkommnisse. Doch einen Sachbestand konnte ich nach wie vor nicht verstehen. Das Wahllokal und seine Wahlhelfer werden im Vorfelde bereits mit Funktion bestellt. So gibt es einen Wahlvorstand, einen Schriftführer und Beisitzer. Der Vertreter des Wahlvorstands und der Vertreter des Schriftführers werden später am Wahltag bestimmt. So weit so gut.
Der Schriftführer hat eine zusätzliche Aufgabe. Er oder Sie muss den am Vortage den Koffer mit den Wahlunterlagen im Bezirksamt abholen und diesen wichtigen Koffer am nächsten Morgen ins Wahllokal mitbringen. Dafür gibt es dann auch 10 € extra, da an die Funktion des Schriftführers auch der Rücktransport des Koffers inklusive aller Unterlagen gebunden ist.

Das, was mich seit Jahren stört, ist die Tatsache, dass der Aluminiumkoffer keinerlei Versiegelung  besitzt. Nun ist der Inhalt nicht so brisant, dass man hier Wertgegenstände herausholen könnte. Doch Vorsicht!!

In dem Koffer ist das Wählerverzeichnis des Wahlbezirkes in einem Ringordner abgelegt. Hier sind alle Wahlberechtigten aufgeführt, die während des Tages das Lokal betreten könnten, geordnet nach Straßen, Namen, Titel, Hausnummern und Geburtsdatum.

Meiner Ansicht nach handelt es sich dabei durchaus um sensible persönliche Daten, die besonders geschützt sein sollten. Doch das Verzeichnis ist für den Schriftführer von Samstag bis Sonntagmorgen ohne Einschränkung nutzbar.

Ich unterstelle hier keinem einzigen Schriftführer eine böse Absicht. Doch wer es darauf abgesehen hat, Daten automatisch zusammen  zu stellen, der hat lange Zeit, um die Seiten des Wählerverzeichnisses einzuscannen und automatisch auszulesen.

Da das Wahlprozedere schon einige Jahrzehnte alt ist, hat sich bisher wahrscheinlich noch niemand darüber Gedanken gemacht, dass wir aus der Karteikartenzeit heraus sind und man nicht mehr mühsam Daten abschreiben muss. Was bringt ein Datensatz mit Ort, Straße, PLZ, Hausnummer, Geburtsdatum?

Oder eine andere Episode. Bei einer der letzten Wahlen hatten wir einen Schriftführer, der sich sehr gut vorbereitet hatte. Er hatte einen Zettel dabei, auf dem 4 oder 5 Namen mit Daten herausgeschrieben waren. Er achtete peinlichst darauf, dass er die Funktion des Schriftführers auch wirklich innehatte. Eine Pause lehnte er ab. Wie ich später feststellte, hatte er die Namen von Frauen herausgeschrieben, die so in sein Altersspektrum passten.
Schneller kann man die Nachfahren unseres ersten Bundeskanzlers Adenauer nicht kennenlernen. Eine Vielzahl dieser Enkel und Nachfahren wählen nämlich in unserem Bezirk.

Dafür ist die Wählerliste bestimmt nicht vorgesehen. Schon nach diesem Vorfall schrieb ich an den Wahlleiter der Stadt Köln, Herrn Rütten, den wir schon im Studio hatten, eine Mail, in der ich forderte, dass das Wählerverzeichnis nicht offen ausgegeben werden darf. Entweder schließt man den Koffer ab und versiegelt ihn oder macht dies mit dem Verzeichnis.

Doch auf meine Mail gab es keine Reaktion und auch keine Änderung im Procedere. Ich werde auch diesmal eine Mail losschicken, werde aber später anrufen, ob die Mail angekommen ist.
Ich erinnere noch einmal an das Gezedere, das stattfand, als es um die Wahlcomputer ging. Man hat mich da kräftig beschimpft, dass ich nichts Bosartiges in einer solchen Wahl entdecken konnte.

Deshalb hier noch einmal die Unterstreichung, wie man auch eine "Nichtcomputerwahl" durcheinanderbringen kann. Ich habe nicht gesagt: fälschen kann. Der Schriftführer hat in seinem Aluminiumkoffer auch die Wahlscheine, die am nächsten Tag ausgegeben werden. Erfahrungsgemäß sind dort mehr Wahlscheine abgelegt, als benötigt werden. Nach dem Motto: "Am Wahlschein soll's nicht liegen".

Sollte der Schriftführer (doch diese Schriftführer gibt es nicht) 20 Scheine herausnehmen und gibt sie im Vorfelde einigen Kumpels, so können diese dann, zwei, drei oder vier ausgefüllte Scheine unbemerkt vom Personal des Wahllokals in die Urne werfen. Da man schon zum zweiten Mal bei einer Wahl auf Umschläge verzichtete, fällt dieses Manöver zunächst einmal nicht auf. Natürlich kommt beim Auszählen die Ungereimtheit zutage. Doch wie entscheidet man dann? 20 Stimmen zu viel - das weiß man - doch für welche Partei wurde gemogelt?
Da sage noch einer, das menschenüberwachte Auszählen ist in jedem Fall sicherer, als eine Automatenwahl. Ein bisschen Rache darf auch sein.

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