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18.08.2010
Wie war das mit dem Internet? (Wolfgang Back)

Die Entwicklung des Internets hat uns Redakteure voll und ganz erreicht. Wir waren schon gut vorbereitet, denn den Bildschirmtext haben wir aktiv begleitet. Hier konnte man sich ja von der Seitenstruktur und von dem elektronischen Benachrichtigungstext einarbeiten. Zugegeben: es war alles viel komplizierter und teurer, als dies später im Internet passierte.

1993 begann für uns in der Redaktion der Einstieg in die ersten Gehversuche in das aufsteigende Netz. Noch war die Entwicklung mit Schaum gebremst. Die Geschwindigkeit war ähnlich wie die im Btx-Netz – klar es war die Technik von 1993.

Akustikkoppler waren noch angesagt und wenn man Glück hatte, dann erwischte man einen Koppler, der mit 1200/75 Baud funktionierte. Ich erinnere mich noch daran, wie wir uns aufregten, dass diese Geschwindigkeiten so stark auseinander lagen. Die 1200 Baud waren für den Download gedacht, die 75 Baud dienten dem Upload. Wir beschwerten uns, dass unsere Meinung so langsam dem System zufloss.

Diese Ungleichbehandlung hat sich dann aber bis heute fortgesetzt. Meine Downloadgeschwindigkeit ist derzeit 32 MBit/s und meine Uploadgeschwindigkeit wird auf maximal 2 MBit/s gedrosselt. Natürlich trennen uns heute Exponenten von der Geschwindigkeit vergangener Tage.

Wenn man heute Bilanz zieht und die Anbindung des WDR’s im Jahre 1993 bis 1995 betrachtet, dann wird dies kaum jemand glauben. Gerade einmal eine halbe ISDN – Leitung opferte man für den ganzen WDR mit allen Landesstudios. Ein halbes ISDN entsprach 65 KBit/s. Und darüber sämtlicher Austausch des gesamten WDR? Ja – so war es – und seltsam: die Leitung war meistens frei. Niemand sprach von Unterdimensionierung.

Doch nach 1995 wollte oder musste man mehr anbieten. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich von der Diskussion in der Technischen Direktion erfuhr, dass man jetzt einen Quantensprung vollbringen wollte: die Geschwindigkeit sollte auf 1 MBit/s erhöht werden. Kopfgerechnet entspricht dies dem Faktor 16. 16 mal schneller beim Surfen. Doch die genannten Preise, die für diese Anbindung an das Deutsche Forschungsnetz gezahlt werden sollten, gingen in die Millionen. Kaum zu glauben, wenn man die heutigen Verhältnisse vergleicht.

Ich spürte in meiner Redaktion den gewaltigen Ansturm auf das Internet. Alle Kollegen von mir wollten darüber berichten – doch meistens fehlte die Hardware und das Wissen. Ich war plötzlich ein beliebter Ansprechpartner, wenn es um das Thema Erotik im Netz ging. Oder besser: wenn es um Porno im Netz ging. Immer wieder sind die Schmuddelseiten mit erotischem Inhalt der Motor für Trafic. Das war damals schon im Btx System ein prosperierender Bereich.

Jetzt besuchten mich plötzlich Kollegen, die ich persönlich überhaupt nicht kannte.. „Können wir für eine Kindersendung ein paar Dinge filmen, die es im Netz gibt? Vielleicht können Sie uns ein bisschen helfen, solche Seiten zu finden!“  Mit dieser Frage war erfahrungsgemäß mein Büro und mein Schreibtisch mindestens für einen halben Tag nicht mehr zu gebrauchen. Wenn der Kameramann und der Beleuchter sich positioniert hatten, dann war Sense mit dem eigenen Büro.

Doch dann begann eigentlich erst der Job. Es stellte sich heraus, dass der Realisator keinerlei Ahnung hatte, was er eigentlich zeigen wollte. Zu Hause konnte er nie etwas ausprobieren. Das, was er wusste, hatte er vom Hörensagen gelernt: das Internet ist ein Schmuddelpool. Doch wo schmuddelt es? Wer noch mit dem Internet in Berührung kam, der weiß auch nichts von Suchmaschinen. Google war sowieso noch unbekannt. Aktuell war AltaVista oder auch schon YAHOO.  Doch wenn man nicht weiß, was man sucht, dann hilft keine Suchmaschine. Meine Frage „Was wollen Sie denn zeigen?“ führte zur unbeholfenen Antwort: „Na eben die Schmuddelei im Netz“ „Wollen Sie nackte Brüste sehen?“

Mein Vorschlag kam bestens an und ich musste jetzt zeigen, was ich kann. Der Suchauftrag „Frau & nackte Brust“ brachte damals gerade einmal 3 Treffer. Doch jeder Treffer wurde von dem Realisator begrüßt. Damit war auch schon sein Schmuddelbeweis erfüllt.

Es dauerte nicht lange, als sich eine Frauenredaktion bei mir meldete. Sie kamen in etwa mit dem selben Problem. Doch der Anspruch war ganz anders. Es sollte gezeigt werden, dass Frauen gleich gesinnte Frauen im Internet finden können.  Dies war ein Thema, bei dem ich wirklich nichts dazu beitragen konnte. Doch weit gefehlt. Auch hier musste ich an die Suchmaschine. „Es gibt doch so Wohngemeinschaften für Frauen, die wir gerne zeigen möchten.“

Ich fühlte mich überfordert und bat darum, dass man mein Büro freimachen sollte. Doch es war nicht das letzte Mal, dass ich mich als Pornokönig outen sollte. Wenn man bedenkt, wie man heute den Internetverkehr innerhalb eines Intranets kontrolliert, so wäre ich damals wahrscheinlich vor den Kadi gezerrt worden – als größtes Pornoschwein.

Das Internet hat dann große Schritte gemacht. Aus den Unwissenden wurden zwar keine Wissenden – doch jeder glaubte so viel davon zu verstehen, dass er eigenständig etwas auf die Bühne bringen kann. Damit sind wir eigentlich bei dem „Heute“ angekommen. Es gibt so viele Leute, die vorgeben, dass sie alles wissen – doch prüft man das Wissen ab, dann stellen sich Abgründe dar. Es gehört einfach dazu, dass man sein Halbwissen zum Standard machen will.

Ich will für heute diesen Standard von 1998/99 verlassen und kündige ein zweiten Teil über Entwicklungen nach 2000 an. Ich möchte den Blog beenden, indem ich sensationelle Angebote aufzeigen. Daran hätte nun niemand  aus der VorJahrtausendwelt geglaubt.




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