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13.03.2011
So etwas habe ich noch nie erlebt (Wolfgang Back)

Viele Unglücke habe ich in meinem Leben erlebt; zum Glück gehörte ich nie zu den direkt Leidtragenden. Aber diesmal habe ich das Erdbeben und seine Folgen mit offenem Mund gesehen.

Was ein Tsunami anrichten kann, wurde uns noch nie so plastisch vor Augen geführt. Ich konnte es nicht fassen, wie große Schiffe und Autos zu Streichholzobjekten mutierten. Was da vor den Augen der Welt ablief, war einfach unglaublich.

Was dort passierte kann bis dato wirklich niemand überschauen. Wahrscheinlich kommt es wieder zu einem traurigen Rekord. Ich hörte da eine fürchterliche Zahl: eine kleine Stadt mit 17.000 Einwohnern vermisst heute noch 10.000 Einwohner. Wenn man dies hoch rechnet, so möchte ich die Zahl eigentlich gar nicht erfahren.

Wir werden weltweit Konsequenzen ziehen müssen, denn dieses Erdbeben wird nicht das letzte sein. Obwohl man alle gefährdeten Orte kennt, so gibt es nirgendwo so umfangreiche Maßnahmen gegen Auswirkungen der Beben wie in Japan. Selbst Kleinkinder werden bereits mit den Bedrohungen bekanntgemacht. Aber was nützen all diese Verhaltensregeln, wenn es ans Eingemachte geht.
Die aufflammende Atomkatastrophe ist viel gefährlicher, als der Ersatz aller verlorenen Güter.

Mittlerweile sind es mehrere AKW's, die Probleme aufzeigen. Niemand weiß, wie weit eine Kernschmelze im Gang ist. Vieles spricht dafür.

Ich denke da an meine eigene Jugend zurück. Als 14- oder 15 - jähriger Teenager verschlang ich alle Zeitschriften und Bücher, die sich mit der bevorstehenden Euphorie der Atomkraft befassten.
Ich erinnere mich noch an Artikel, die Autos mit Atomreaktoren und Fluggeräte mit einem Atommotor allgegenwärtig waren.

Ein bisschen glaubte ich an diese bevorstehenden Entwicklungen und ließ mich auch beeinflussen, was mein Berufswunsch ausmachte. Ich wollte mehr über diese Dinge erfahren und schrieb mich in Aachen in die Fakultät "Hochspannungstechnik" ein. Ich war der Meinung, dass Hochspannungsnetze und Starkstrom mich besonders interessieren könnten.

Die Praktika gaben schon einen guten Einblick in die neuen Themen. Vier Wochen verbrachte ich im Schluchseewerk Häusern, wo mir viele interessante Aspekte gezeigt wurden. Doch die meiste Aufmerksamkeit zeigte ich an der Telefonie über Hochspannungsleitungen. Dass man die europäische Stromzentrale in Brauweiler vom Kraftwerk aus anrufen konnte, imponierte mir sehr.
Ich hatte wunderbare Wochen im Schwarzwald verbracht - bis auf die letzte Woche. Man hatte entdeckt, dass ich mich bisher immer vor irgendwelchen Arbeiten gedrückt hatte.
Jetzt erfuhr ich in der letzten Woche, was es heißt, körperlich zu arbeiten. Ein Pumpenaggregat wurde zusammengesetzt. Zum Schluss wurden die Dichtungsmuttern geschraubt.
Den letzten Schliff bekamen sie, indem man mit einem Riesengabelschlüssel die letzte Umdrehung mit einem Riesenhammer vornahm. Der Schlüssel war wohl so ein Zentner schwer und hatte ein Maul von 20 Zentimetern. Zwei Mann wurden gebraucht, um die Dichtigkeit zu garantieren. Einer davon war ich. Ich hielt den Gabelschlüssel über Kopf, damit der zweite Mann zuschlagen konnte. Nach drei oder vier Schlägen gab man die Schraube frei. Ab zur nächsten. Wieder halten. Ich wunderte mich schon, dass jetzt ein anderer Arbeiter zuschlug. Bei der nächsten Schraube war es genauso. Als die vierte Verbindung dran kam, gab ich auf. Ich konnte das Gewicht des Schlüssels nicht mehr halten. Einfach ausgepowert! Dann erfuhr ich, dass keiner der Arbeiter mehr als eine Schraubverbindung aushält. "Den Studenten kriegen wir schon klein!"
Während des Studiums kamen ganz andere Herausforderungen auf uns zu. Eine Veränderung kam nach dem Vordiplom: Hochspannungstechnik konnte man gar nicht mehr studieren - das Fach ging auf in dem Begriff "Energietechnik".
Es änderten sich auch die Vorlesungen. Plötzlich wurden wir mir Zahlen konfrontiert, die wir nicht glauben wollten. Zum Beispiel geisterte im Kopf des Professors eine Zahl herum:
"Wir werden eine jährliche Energieerhöhung von 7 % haben". Diese Zahl stimmte kurze Zeit, dann musste man sie reduzieren.
Auch die zweite Prognose ging völlig in die Hose: "Wir werden eine Insel evakuieren, dort Kraftwerke großen Stils erbauen und die Energie über Supraleitung den Verbrauchern zuführen. Dieses sollte viele Probleme lösen.
Doch bis heute hat sich noch niemand für die Ideen erwärmt. Mag sein, dass man eine neue Supraleitung bei normalen Temperaturen entwickelt, die dann den Solarstrom aus der Sahara zu uns bringen kann.


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