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07.02.2012
BILD Dir selbst eine Meinung (Wolfgang Back)

Der Lesestoff BILD-Zeitung ist bekanntlich nicht Jedermann’s Sache.  Deshalb wirft der 60 jährige Geburtstag dieses Blattes schon seinen Schatten und für andere sein Licht voraus. Anlässlich dieses Datums, das am 24. Juni 2012 stattfindet will der Springer Verlag alle Haushalte in Deutschland mit einer Gratisausgabe dieser Zeitung beglücken. Es sind dann 41 Millionen Exemplare in die Briefkästen zu stecken – alles an einem einzigen Tag.

In mehrfacher Hinsicht dürfte die Realisierung des Unternehmens logistische Höchstleistungen voraussetzen. Wer das Projekt letztendlich schultern wird, ist wohl noch nicht bekannt. Sollte die Deutsche Post den Auftrag erhalten (wer sonst? Ist die Frage), dann hat sie noch einige Pobleme aus der Welt zu schaffen.

Die Macher der BILD-Zeitung hingegen schauen positiv in die Zukunft. Sie erwarten einen Riesenerfolg, den ihr Projekt erzeugen wird. Natürlich hat der Springerverlag eine funktionierende Hauslogistik aufgebaut, die den Vertrieb und die Verteilung von täglich etwa 2,7 Millionen Zeitungen inklusive zahlreicher Auslandsexemplare hinbekommt.

Doch am 23. Juni spielt eine andere Liga. 41 Millionen Ausgaben sind an den Mann zu bringen. Und einige der wichtigsten Verteiler werden wahrscheinlich ausfallen. Da man die Zeitungen in die Briefkästen zustellen will, fallen Kioske und Zeitungsautomaten aus.
Alles, was Beine hat, wird an diesem Tag gebraucht, denn niemand möchte abends seine Gratiszeitung aus dem Schlitz holen.

Die Macher sind überzeugt, dass 60 Jahre Bundesrepublik so viel Stoff hergeben wird, dass alle Bundesbürger ihre gratis gelieferte Ausgabe lieben werden. Man setzt voraus, dass alle Beglückten die Zeitung intensiv durchblättern werden. Denn die kostenlosen Exemplare sollen dazu beitragen, auch viel Werbung zu transportieren. Offensichtlich hat man sich im Produktionsteam vorgestellt, dass man mit dieser Ausgabe viel Werbeinhalt transportieren kann und man hat schon frühzeitig seine Preisvorstellungen in einem Media Plan veröffentlicht. Sage und schreibe 4 Millionen Euro kostet eine ganze Seite, 2,2 Millionen sind fällig, wer sich mit einer halben Seite begnügt. Ganz günstig wird es, wenn man nur einen Streifen in der Zeitung bucht: gerade einmal schlappe 1,2 Millionen wandern in den Topf von Springer.

Letztendlich soll dieses Jubiläumsprodukt auch kräftig Gewinne einspielen. Es ist kein richtiger Geburtstag, bei dem ein Geburtstagskind Freunde und Bekannte zu einer Feier einlädt; die Geburtstagsparty soll richtig Kasse machen.  Die Wikipedia weiß ziemlich genau, wer sich über das Geschenk freut un d welche Gruppen sich dagegenstellen werden.

Bild erreicht etwa 17,9 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren, das sind etwa 11,63 Millionen Menschen.[6] Davon sind etwa 4,30 Millionen Frauen und 7,33 Millionen Männer.[7] Somit sind 63 Prozent der Leser Männer, 43 Prozent der Leser haben einen Hauptschulabschluss mit Lehre, 35 Prozent die mittlere Reife und 4 Prozent die Hochschulreife. 7 Prozent der Leser sind Selbstständige, 34 Prozent sind Angestellte oder Beamte und 37 Prozent sind Facharbeiter. Die Zielgruppe ist demnach – auch nach den Leitlinien des Gründers Axel Springer – nicht die Schicht der Führungskräfte oder der Gebildeten und Intellektuellen, sondern die Schicht der Arbeits- und Konsumbevölkerung.[8] Dadurch prägte sich jedoch auch das Klischee eines Bild-Lesers. Laut Springer-Verlag dauert es durchschnittlich 45 Minuten, eine Bild-Ausgabe zu lesen.[7]
Die Aussage der Medien Analyse für dieses Jubiläumsexemplar hatte es in sich. Man machte das Inserieren geradezu zu einer Pflichtübung. Denn wie sollte man an die Werbungsverweigerer kommen. BILD hat es versprochen, weil sie davon ausgingen, dass es keine Gegenbewegung geben wird. „Jeder wird den Einwurf tolerieren – das war die Idee“.
Mittlerweile  haben sich Menschen gefunden, die gar nichts von einem Springer Präsent halten. Sie wollen auch nicht beschenkt werden und kämpfen gegen eine Verschleuderung der Papierressourcen.
Viele Leute haben ihre Briefkästen präpariert. Hier prangt der Text  : „Bitte keine Werbung“
Doch diese Aufforderung wird immer mehr missachtet, da offensichtlich keine rechtlichen Konsequenzen stattfinden. Wahrscheinlich wird es bei der BILD-Zeitung anders verlaufen, da hier einige Zeitgenossen genau aufpassen, was mit ihrem Briefkasten passieren wird.
Es gibt Möglichkeiten, sich zu wehren. Vor allem kann man sich vor dem Einwurf der Zeitung schützen.
Hier werden wir noch weiter die Möglichkeiten berichten. Dazu gehören Musterschreiben an den Springer Verlag und Erweiterungen auf den Briefkästen, die ein Einwerfen der Zeitung verhindern sollen.
-wird fortgesetzt-

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