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26.02.2012
Warum nicht mal an Georg Simon Ohm denken? (Wolfgang Back)

Letzte Woche war ich zufällig in der Marzellenstrasse in Köln unterwegs und begegnete wieder der Ehrentafel für Georg Simon Ohm an der Wand des Gymnasiums, wo Ohm als Physiklehrer arbeitete. 1825 entdeckte er dort, dass es einen konstanten Faktor zwischen Spannung, Widerstand und Stromstärke in der Elektrizitätslehre gab. Diese Lehre war natürlich zu jener Zeit so etwas wie damals die Computertechnik in den 80er Jahren. Niemand wusste so recht etwas damit anzufangen.
Doch Ohm war überzeugt, dass er ein großes und wichtiges  Naturgesetz gefunden hatte. Für heutige Zustände ist die Findung des Zusammenhangs der Dimensionen keine besondere Leistung mehr. Mit einem einfachen Messgerät, einer Batterie und einem Widerstand können wir sofort die Gültigkeit überprüfen. Es bleibt bei dem konstanten Faktor R = U/I, wobei R der Widerstand darstellt, U die Spannung un I den Strom repräsentiert.

Vor Jahren hatte ich eine Zeitzeichensendung über Georg Simon Ohm produziert, die mir sehr viele periphere Informationen zu diesem Forscher bescherten. Ich will hier nicht so ausführlich berichten, wie damals im WDR Hörfunk.





Ich bekam damals wirkliches Mitleid mit der Lebenserfahrung des umtriebigen Forschers. Er war so überzeugt von seiner Entdeckung, dass er davon ausging, dass gerade dieses Gesetz in die neue Zeit der Aufklärung hineinpasst. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts verfiel in die Anwendung elektrischer Effekte. Ob es Morse mit seinem Telegrammapparat oder Siemens mit seinen Motoren oder Hertz mit seinen elektromechanischen Wellen war; alle setzten auf die Existenz der Elektrizität.

Doch für Georg Simon Ohm war die Umsetzung seiner Idee ein Spießrutenlaufen. Er stellte fest, dass Köln die falsche Stadt war, wo er sein Gesetz postulieren konnte. Niemand wollte etwas von Widerständen und Spannungen und noch weniger von Strömen wissen.

Ohm kündigte seine Lehrerstelle und ging nach Berlin. Dort hatte es ein Bruder von ihm bereits zum Mathematikprofessor geschafft. Er gab seinem Bruder Simon das Gartenhäuschen, um günstig in Berlin bleiben zu können. Doch auch hier herrschte die Ignoranz vor, die elektrotechnische Versuche als Teufelszeug abtat. Ohm hatte wieder Pech. Doch sein Bemühen war unermüdlich. Überall versuchte er die Zusammenhänge zwischen den elektrischen Grundgrößen darzustellen – doch niemand wollte es wissen.

Aktuell war in Berlin gerade eine Strömung, die sich gegen jede Prüfung der Natur stellte. Das Messen von Strömen und dergleichen gehörte zu dieser Prüfung und gehörte zu dem absoluten NoGo.

Angeführt wurde diese Bewegung in Berlin von dem mächtigen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel, einem Naturphilosophen. Hegel lehnte alle Messmethoden ab und verbannte sie, da sie gegen das Gesetz der nicht überprüfbaren Natur verstießen.

Man kann sich vorstellen, wie schwer es war, den Widerstand zu brechen, wenn man sich die Definition der Elektrizität des Herrn Hegel ansieht. Für mich war klar, dass Hegel nicht mehr alle Sinne beisammen hat. Doch lesen Sie selbst.

Die Elektrizität ist der reine Zweck der Gestalt, die sich von ihr befreit; die Gestalt, die ihre Gleichgültigkeit aufzuheben anfängt, denn die Elektrizität ist das unmittelbare Hervortreten oder das noch nicht von der Gestalt herkommende, noch durch sie bedingte Dasein, oder noch nicht die Auflösung der Gestalt selbst, sondern der oberflächliche Prozeß, worin die Differenzen ihre Gestalt verlassen, aber sie zu ihrer Bedingung haben und noch nicht an ihnen selbstständig sind.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel


Zum Ende der Geschichte: Ohm wurde doch noch Professor für Physik in München und das neue Denken der Aufklärung machten ihn zum Star.


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