ComputerClub 2
Sitemap Kontakt
  Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
Suche:   Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
  Startseite
  Neuigkeiten
  Historie
  Pressestimmen
  Redaktion
  Kontakt
  Sitemap
  Haftungsausschluss
  Impressum


NEUIGKEITENals RSS-Feed abonnieren

25.09.2013
Ich dachte an alte Zeiten (Wolfgang Back)

Am vergangenen Sonntag haben wir alle - hoffentlich- gewählt. Ich war wieder als Wahlvorstand in einem Wahllokal in Köln Marienburg eingebunden. Um es vorwegzunehmen: unser Lokal machte wieder nicht die beste Auszählungsarbeit, weil wir einen Schriftführer zugeteilt bekamen, der mit dieser Aufgabe völlig überfordert war. Die Zeit verlief im Fluge 18:00 Uhr, 19:00 Uhr, 20:00 Uhr - noch kein Ergebnis, das man hätte abliefern können, war in Sicht. Im Gegenteil: gegen 21:00 Uhr stellten wir fest, dass unsere gezählten Stimmen völlig falsch in die Endabrechnung eingetragen waren. Hatten wir beispielweise soundsoviele Stimmen der Partei XXX ausgezählt und meldeten dem Schriftführer 374 Wähler Partei XXX, so fanden wir später im Abrechnungsprotokoll 168 Stimmen statt 374. Das kann den stärksten Wahlhelfer umwerfen. Wie kommt man aus einem solchen Dilemma heraus? Alles stoppen, den Schriftführer entmachten, alles neu und alles von vorne. Zum Glück hatten wir mit der jungen Frau als Ersatzperson für den Schriftführer eine fähige Person beauftragt. Jetzt machte alles einen Sinn und die Hoffnung auf ein gutes Ende stieg wieder. Gegen 22:30 Uhr lieferten wir dann das Ergebnis ab, nachdem schon einige Nachfragen vom Wahlamt beantwortet werden mussten.
Wie kann man einen offensichtlich auf die Fähigkeiten ungeprüften Wahlhelfer in die Arena schicken? Natürlich ist eine offensichtliche Schwerhörigkeit eine gesundheitliches Manko; doch darf diese Erkenntnis nicht dazu führen ein, Wahllokal komplett auf eine falsche Fährte zu bringen.

Um zu dem Titel "Ich dachte an alte Zeiten" zu kommen, ist gemeint, dass man solche Wahlausführungen  nicht dulden kann. Die alten Zeiten waren die, in denen wir noch mit Wahlcomputern in Köln zu tun hatten. Hier waren diese völlig unsinnigen Auszählungen der Stimmzettel per Hand nicht nötig. Gegen 18:00 Uhr kam der Vorsitzende und der Stellv. Vorsitze mit ihren Schlüsseln zum Wahlcomputer, steckten sie und drehten sie um. Danach ratterte der kleine Drucker los und lieferte alle relevanten Daten. Jetzt konnte man schon gegen 18:05 Uhr die Ergebnisse telefonisch durchgeben und die Wahlauswertung beflügeln.
Dann holten wir ein versiegelte Speicherbox aus dem Wahlgerät und brachten die Ergebnisse zum Bezirksamt. Fertig! Wir verließen meistens kurz nach 18:20 Uhr das Wahllokal.
Und dann kamen einige Aktionen, vor allem vom Chaos Computer Club, die von den unsicheren Wahlgeräten aus Holland berichteten. Dort hatte man einen Wahlcomputer zu einem Schachcomputer umgebaut und damit sollte die Anfälligkeit der Computerwahl dokumentiert werden.
Die Sache ging bis zum Verfassungsgericht, das letztendlich ein Verbot aussprach für Wahlen mit diesen Wahlcomputern. Doch es wurde ausdrücklich auch erwähnt, dass dies kein Urteil für die Ewigkeit ist. Wenn Manipulationsversuche sicher unterbunden werden können, dann ist auch ein elektronisches Wahlgerät zulassungsfähig.
Auf diesen Tag würde ich gerne warten, wenn ich ein früheres Geburtsdatum hätte. Es werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen, bevor jeder Bürger mit seiner digitalen Identität auch fälschungssicher erkannt wird. Wir hatten ja bereits mehrmals Anläufe, eine solche digitale Unterschrift umzusetzen. Doch hier wurden riesige Fehler in der Planung unternommen. Es war einfach falsch, private Zertifizierungsfirmen mit in den Prozess einzubinden. Der Staat wollte sich aus der Vergabe der digitalen Unterschrift heraushalten. Damit stieg die Telekom z.B. mit einer eigenen Firma telesec in das Geschäft ein und baute in Siegen ein solches Trustcenter aus. Auch Heise wollte an dem Geschäft teilhaben und richtete sich ein. Doch der hochpreisige Einstieg, der zu zahlen war, verpuffte in der Praxis.
Ich erinnere mich noch an eine Sendung, die wir in Siegen bei telesec, bei der Telekom machten. Wir hatten als Gag die Möglichkeit gezeigt, dass man sich in Bremen online mit der digitalen Unterschrift standesamtlich verheiraten kann. Doch das ging weder in Köln. noch in Frankfurt oder noch irgendwo anders.
Es wurden weitere Unstimmigkeiten bekannt. Es gab die Möglichkeit, auch beim Otto Versand die digitale Unterschrift einzusetzen, Doch nicht mit der telesec Karte, Die aber konnte man nutzen, wenn man bei Quelle einkaufen wollte.
All dies führte zur Unbrauchbarkeit einer schönen Idee.
Doch irgendwann wird sich die Gesellschaft darauf besinnen, dass die digitale Unterschrift für das Zusammenleben von elementarer Bedeutung sein wird.



Bei all diesen notwendigen Planungen werden Fehler bekannt, die von unfähigen Mitarbeitern in die Welt gesetzt werden.Ich erinnere an die Gesundheitskarte, die ein ähnliches Desaster hinter sich hat. Da planten Manager und Aufsichtsräte und meinetwegen Vorstandsvorsitzende jahrelang an der Gestaltung und zum Schluss   hatten sie alle einen der wichtigsten Punkte vorab zu lösen.
Erst ganz am Schluß, als man schon begann, Bilder der Beteiligten, die eine Gesundheitskarte nutzen sollten, einzufordern, musste man belehrt werden.
Die Gesundheitskarte ist kein staatliches Projekt, sondern ein Projekt der Krankenkassen, die kein hoheitliches Recht auf ein Bild der Versicherten haben. Damit begann ganz am Schluss der Entwicklung ein Stechen, Blockieren und Verweigern. Eine Gesundheitskarte ohne Bild des Versicherten ist für behandelnde Ärzte nicht brauchbar, da sie keine Identifizierung vornehmen können. Doch das Recht zur Nutzung eines Bildes ist nach wie vor in der Hand eines Bürgers.
Hier fragt man sich in der Tat, ob hier für die Lösung der wichtigen Aufgabe ein Team am Werke war, das die kassierten Beratungshonorare einstecken durfte. Heute ist niemand schult an dieser echten Misere.

2 Kommentare
zurück zum Archiv

Druckversion Impressum Haftungsausschluss