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21.01.2008
Folge 86

Das Jahr 2007 aus unserer Sicht

-ba- Uns ist ein Thema weggefallen und wir haben nicht lange überlegt. Dass man im Januar einen Rückblick auf das vergangene Jahr machen kann, ist wohl noch legitim. Wir brauchten nicht lange darüber nachzudenken und es fielen uns einige Entwicklungen spontan ein.

DRM ist futsch

Lange Zeit haben wir darauf gewartet, dass DRM verschwindet. Die Musikindustrie hatte sich damit keinen Gefallen getan. Es gab so viele Irritationen bei den Usern, dass es nicht mehr als recht ist, dass diese Knebelung wieder verschwindet. Man musste mit Restriktionen leben, die einen einfachen Gebrauch einfach nicht zuließ. War es der richtige Player, auf dem das Produkt laufen sollte? War es die richtige Kopie? Wurde sie zu oft gespielt? Konntge ich das Produkt auf einem anderern Player benutzen?

Und dann führte wohl die Erkenntnis, dass man DRM ja schon geknackt hatte, dazu, darauf zu verzichten. Nachdem Apple für sein iTunes auf den Schutz verzichtete (aber die DRM freien Titel unsinnigerweise teurer machte), bröckelte ein Mitglied nach dem anderen aus dem Geldverdienclub ab. Heute ist die Musikwelt wieder DRM - frei.

Vista als leidtragendes OS

In der Euphorie der Schutzwütigen ließ sich auch Bill Gates bequatschen, den DRM Schutz in ein Betriebssystem zu packen. Aber nicht aus Liebe zu der Musikbranche, sondern weil er selbst mit DRM Geld verdienen wollte. Das ging schon vor Jahren los, als Gates weltweit Bilderrechte einkaufte und sich auch in Musik hinein hängte. Irgendwann einmal "wird man kassieren können, wenn z.B. DRM richtig im Einsatz ist." Völlig verkalkuliert, Herr Gates.

Mittlerweile sitzen wir auf einem Betriebssystem, das völlig vergurkt wurde. Durch die Implementierung von DRM Algorithmen wurde das OS langsamer als nötig. Da die Weitergabe von einem Chip zum anderen (aucch intern) nur über Verschlüsselung hin und zurück läuft, wurde aus Vista eine lahme Ente. Und heute gibt es nichts mehr zu "DRMen" und Vista verschlüsselt und verschlüsselt.
2007 kam Vista auf den Markt und es war von Anfang an unbeliebt. Der Einsatz bei Firmen ist bis heute noch auf Einzellösungen beschränkt. Ich selbt, der sich als Vistamasochist bezeichnet, litt Qualen unter diesem Stück Software, das Wolfgang Rudolph einmal als den größten Virus bezeichnete. Die Treiber fehlten allenthalben, die Installation sockte. Und immer wieder die bekloppten Sicherheitsabfragen. Das einfache Löschen einer Datei mit 0 Bytes Inhalt wurde zu Hochsicherheitsakt mit mehreren Klicks. Völlig daneben.
In der Schule wäre diese Arbeit mit einer glatten 5 benotet worden und mit der Bemerkung "Ziel verfehlt" zurückgegeben worden.

Galileo - irgendwie komisch

Das Thema Satellitennavigation haben wir in allen Phasen miterlebt. Als GPS sich in den siebziger Jahren bemerkbar machte, waren wir noch voller Spannung, wie das denn wohl aussehen würde. Ehrlich gesagt: Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen, dass man einmal so genau seine Position auf der Erde bestimmen kann. Dann begann es mit dem Hochschießen des ersten Satelliten, des zweiten usw.
An einen eigenen GPS Empfänger konnte noch keiner denken. Die gab es einfach noch nicht. Zum ersten Mal wurde ich mit GPS konfrontiert, als ich auf einem Schiff der US Navy mitfahren konnte, um Tauchgänge zu beobachten. Damals wurde das Unternehmen von Robert D. Ballard betrieben. Als er mir das GPS auf dem Schiff erklären wollte, fragte er mich, welche Position ich denn gerne wüsste. "Vorne oder hinten vom Schiff?"
Aufgrund der nunmehr genauen Navigation war er dann auch in der Lage, kurze Zeit nach meinem Besuch, die Lage der Titanic genau auszumachen.

Da GPS ein System darstellt, das von den Amerikanern erfunden wurde und komplett vom Miltär betrieben wird, sind die Amerikaner auch in der Lage, damit zu machen, was sie wollen. Die Zusage, dass wir am GPS auch zivil partizipieren können, kann jederzeit wieder ad absurdum geführt werden. Dann nämlich, wenn ein neuer Krieg ausbricht, werden sie wieder eine künstliche Ungenauigkeit einstellen.

Um die Abhängigkeit aus der Willkür zu führen, setzten sich die Europäer zusammen, um ein eigenes System namens Galileo zu entwickeln. Nach dem Motto "höher, schneller, genauer ..." soll dieses System das amerkanische in seiner Benutzung ablösen. Europa wittert einen hohen Marktbedarf.
Doch zunächst einmal muss man investieren, damit das System in den Himmel kommt. Irgendjemand hatte sich wohl völlig verrechnet, als er auf 2,5 Milliarden € kam.
Man hat jetzt nachgerechnet und siehe da: zwischen 6 und 10 Milliarden € soll es mittlerweile kosten. Doch wie man weiß: es wird auf jeden Fall noch teurer werden, denn das ist das eiserne Gesetz der Planung.

Jedenfalls gibt es in der Entwicklung des Galileo Systems eine Menge Ungereimtheiten, die 2007 zu Tage kamen. Sowohl die Frequenzverteilung wie auch der Zeitplan sind ins Wanken geraten.

ePass mit RFID

Sicherheit ist ein Zauberwort unseres Innenministers. So wurde auch das Passwesen im Jahre 2007 angepasst. Neben der Speicherung des Fingerabdrucks wurde auch eine neue Technologie eingeführt, die das Passlesen auch berührungslos ermöglicht. Auf einem RFID Chip werden die Daten und ein Bild gespeichert. Doch leider war bei Einführung des Passes das RFID Protokoll schon geknackt. Macht aber scheinbar nichts.
Jetzt können sich die anderen Länder freuen. Jeder, der die Grenze passiert, liefert vollautomatisch an ein Lesegerät die Daten und das Bild. Somit entsteht im fremden Land eine Datenbank, die vielleicht bald besser ist, als das deutsche Pendant. Schöne neue und sichere Welt. Man sollte den Politikern einen Nachhilfekurs verordnen.

SPAM - Wer hilft uns?

SPAM ist ein ekelhaftes Thema. Wenn die Nachricht stimmt, dass 90 Prozent des Emailverkehrs auf SPAM basiert, dann ist dies eine ungeheure Zahl. Alleine kann man nichts gegen diese Unart unternehmen. Die Provider versuchen zwar mit Spamfiltern dagegenzuwirken. Doch immer häufiger werden diese umgangen und es landet wieder jede Menge ekelhafter Nachrichten im Briefkasten. Ich würde normalerweise keinen dieser Spamlieferanten in mein Haus lassen. Auch meinen Briefkasten kann ich einigermassen schützen, indem ich ihn mit "keine Werbung" verziere. Jedenfalls kann ich dann vorgehen, wenn ich weiß, wer mir da was reingeschmissen hat. Beim Computer ist Tür und Angel offen.
Kein Innenminister verliert ein Wort darüber, dass solche Aktionen beleidigend sind. Wofür haben wir eigentlich unseren Staat? Dafür, dass er uns nur reglementiert? Nein, er soll uns auch helfen, anstehende Probleme zu lösen. Abhören ist easy, Abstellen ist heavy.



Keine Urhebervergütung für Drucker

Es stand lange Zeit auf der Kippe. Die Verwertungsgesellschaft Wort verlangte eine Abgabe auf jeden verkauften Drucker. Es ging dabei um gestaffelte Abgaben zwischen 10 und 300 €, je nach Geschwindigkeit des Druckers.
Dieses ist zunächst erst einmal abgewiesen.

Telefoninterview mit Bereichsleiterin Urheberrecht beim Bitkom
Judith Lammers



Die Abzocke nimmt groteske Züge an

-ba- Was Musik und Internet angeht, bin ich ja ungeschriebenes Blatt. Meine Sammelwut ist ja mittlerweile bekannt. Schon mehrmals habe ich mich gefragt, ob das eigentlich rechtens ist. Doch immer wieder sage ich mir selbst, dass es mein Recht ist, dies zu tun. Ich höre eine Webradio und mache mir eine private Kopie. Das steckt zwar in den Köpfen der Musikindustrie ziemlich quer; doch die Rechtsprechung ist nun mal gegen sie.

Doch da, wo die Musikindustrie durch ihre Lobby es geschafft hat, die Gesetze zu beeinflussen, da sieht es ganz anders aus. Auch das Jahr 2008 bringt wieder neue Knebelparagrafen. Nunmehr ist es sogar nicht mehr gestattet, ein urheberrechtlich geschütztes Werk herunterzuladen; geschweige denn zu besitzen.
Schon in den wenigen Tagen des Jahres 2008 sollen schon 30.000 Abmahnungen unterwegs sein. Die Anzeigen erreichen die Staatsanwälte; diese befinden, dass es sich um Bagatellstraftaten handelt und gegen die Anzeige an die Anwälte zurück. Diese schlagen jetzt gnadenlos zu und schicken Abmahnungen mit erhöhten Streitwerten, so dass in der Regel 3.300 Euro zusammenkommen.
Oftmals erwischt es unkundige Kinder, die etwas getan haben, was andere ihnen gezeigt haben. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Doch da es um Geld geht, wird die Abzocke gnadenlos durchgezogen.

Dass sich hier noch kein Familienministerium oder das Justizministerium sich um eine solche familienfeindliche Juristenabzocke gekümmert hat, ist unverständlich.
Da reden wir seit Jahren über dieses Thema und fordern die Abschaffung der Abmahnunsitte - oder die Eindämmung der Forderungen - und es wird diskutiert und diskutiert. Mittlerweile steht wieder seit Monaten eine Zahl im Raum: die erste Abmahnung der Anwälte darf die 50 Euro nicht überschreiten. Doch es ist noch lange kein Gesetz.
Man könnte einen Trick sich ausdenken. Wenn das Gesetz angenommen wird, dann erhöhen sich auch die Diäten der Abgeordneten. Ruckzuck - morgen wäre es durch.

Wir spüren in der letzten Zeit, dass wir eine Freiheit nach der anderen abgeben müssen; doch neu Rechte kommen wenige hinzu. Zum Beispiel ist diese Abmahnzocke schon längst überfällig.
Oder dass ich mit ungewolltem Spam in meinem Emailkasten von Leuten überschüttet werden kann, zu denen ich nie im Leben einen Kontakt pflegen würde. Hier werden auch die Provider völlig alleine gelassen. "Die können doch sehen, wie sie zurechtkommen."
Bevor man mir evtl. unrechtmäßig einen Bundestrojaner auf den Computer kopiert, sollte man sich einmal mit diesen Spamschweinereien auseinandersetzen und Mechanismen entwickeln, so dass wir nicht täglich Beleidigungen in den Mails entgegennehmen müssen.
Ich kann mir aber andersherum vorstellen, dass auf unsere Mails geschaut wird und der größte Spamempfänger ist in den Augen der Überwacher automatisch auch das größte Schwein.


Horst Brandl berichtet über Ausschweifungen des Abmahnwesens. Vorsicht ist geboten, wenn man sich zu freizügig an MP3 Files bedient.



Oftmals treffen wir Kollegen aus alter Zeit wieder. Wir hatten mit Horst Brandl schon einmal zu tun, als er noch Chefredakteur der Atarizeitung ST-Magazin war. Es leben die 80er Jahre.


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