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28.01.2008
Folge 87

spickmich.de läßt Lehrer zittern

Mehr als 100.000 Lehrer sind bundesweit seit dem Start der Internetseite "Spickmich.de" vor vier Monaten von ihren Schülern bewertet worden. Dabei erhielten sie die Durchschnittsnote 2,7. Das teilten die Macher der Seite, vier Studenten im Alter zwischen 23 und 26 Jahren, mit.

Viele Schüler hätten nur darauf gewartet, zu Wort zu kommen, sagte Spickmich-Initiator Tino Keller. "Mit der Benotungsfunktion machen wir das möglich." Unter www.spickmich.de können Lehrer unter anderem in den Kategorien "sexy", "cool und witzig" sowie "menschlich" mit Schulnoten eingeschätzt werden.


Gesprächspartner Bernd Dicks von spickmich.de bei uns im Studio

Vor Beginn der Sommerferien in den verschiedenen Bundesländern machten viele Nutzer von Spickmich von der Möglichkeit Gebrauch, ihren Lehrern Zeugnisse auszustellen. Die meisten Schüler seien dabei durchaus zufrieden mit den Lehrern, sagte Spickmich-Sprecher Bernd- Dicks. Schätzungsweise jede zehnte Bewertung falle schlecht für Lehrer aus. Laut Dicks trug das nach eigenen Angaben nichtkommerzielle Angebot bereits zur Verbesserung des Unterrichts bei. So hätten Schüler berichtet, wie Lehrer auf Grund von Kritik bei Spickmich ihr Lehrkonzept überarbeiteten.
Lehrer hatten zuletzt scharfe Kritik an Spickmich geäußert. So verhandelt das Kölner Landgericht derzeit über die Klage einer Lehrerin, die sich von Bewertungen auf der Internetseite in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sieht. Das Gericht will seinen Beschluss am Mittwoch, 30. Januar, verkünden.  In einer ersten Bewertung hatten die Richter die Benotung von Lehrern als rechtens bezeichnet.

http://www.spickmich.de


Wie die Künstliche Intelligenz vom menschlichen Gehirn lernt

Wenn Roboter sich selbstständig auf unbekanntem Terrain bewegen sollen, müssen sie lernen und Rückschlüsse ziehen können. Dabei helfen so genannte rückkoppelnde neuronale Netzwerke (RNN), die auch bei vielen Anwendungen in der Medizin und Biologie sowie der Bildverarbeitung und Internetsuche eine Rolle spielen. Informatiker diskutierten auf Schloß Dagstuhl, wie Erkenntnisse aus der Hirnforschung und der Künstlichen Intelligenz kombiniert werden können.

Künstliche neuronale Netzwerke orientieren sich an der Denkweise des menschlichen Gehirns. Sie werden schon seit einigen Jahren von Forschung und Industrie eingesetzt, um in großen Datenmengen nach Mustern zu suchen. Das kommt zum Beispiel bei der automatischen Gesichtserkennung, bei Tornado-Frühwarnsystemen oder in der Genforschung vor. Der Computer lernt dabei selbstständig dazu und optimiert die Ergebnisse. Was ein Computer jedoch bisher noch nicht so perfekt nachahmen kann, sind die ständigen Rückkopplungen, die sich im menschlichen Gehirn abspielen. Sie sind notwendig, um auf vorhandenes Wissen zurückzugreifen und sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Hier sollen die rückkoppelnden neuronalen Netzwerke eine Methodik liefern, die zu besseren Ergebnissen führt.

Ihre Mechanismen zur Rückkopplung sind vor allem dann gefragt, wenn sich im zeitlichen Ablauf oder im Raum etwas verändert. Ein Haushalts-Roboter sollte sich auch dann noch in einer Wohnung zurecht finden, wenn Möbel verschoben wurden. Das Wetter oder Aktienkurse versucht man über mehrere Tage vorherzusagen, auch wenn sich viele Faktoren laufend verändern. Hierfür müssen die Wissenschaftler in Dagstuhl jedoch noch viele theoretische Probleme lösen und Fragen beantworten wie zum Beispiel: Wie  kann man zeitliche Zusammenhänge intern so darstellen, dass ein effizienter und fehlertoleranter Zugriff zu jedem Zeitpunkt möglich ist? Wie  können zeitliche Abhängigkeiten über viele Zeitschritte hinweg erkannt werden? Wie kann garantiert werden, dass sich über die Zeit kleine Rechenfehler nicht aufaddieren? Wie kann das Zusammenspiel von komprimierten Informationen, etwa in Form von Regeln oder aktuellen Sensordaten, aussehen? Die Wissenschaftler in Dagstuhl erhoffen sich, dass Mechanismen der rückkoppelnden Verarbeitung von Information im menschlichen Gehirn neue Ansätze auch für technische Lösungen bieten.

An der internationalen Tagung in Dagstuhl nahmen Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsrichtungen wie der Künstlichen Intelligenz, Logik und Theoretischen Informatik teil. Einige der Informatiker arbeiten mit Biologen und Medizinern in der Hirnforschung zusammen. Die meisten Teilnehmer werden aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und den USA anreisen. Organisiert wurde die Tagung von den Wissenschaftlern Luc De Raedt, Katholieke Universiteit Leuven (Belgien), Barbara Hammer, Technische Universität Clausthal, Pascal Hitzler, Universität Karlsruhe, und Wolfgang Maass, Technische Universität Graz (Österreich).


Prof. Barbara Hammer, TU Clausthal Zellerfeld

Nähere Informationen zu dem Dagstuhl-Seminar "Recurrent Neural Networks- Models, Capacities, and Applications" und den Teilnehmern unter http://www.dagstuhl.de/08041


Adieu 100 Dollar Laptop?

Bei der Aktion OLPC (One Laptop per Child) scheint ein bisschen der Wurm drin zu sein. Zum einen hat der Preis schon längst das vorgegebene Ziel von 100 Dollar fast um das doppelte überschritten. Man diskutiert derzeit über 175 Dollar.

Zum anderern gibt es wohl auch in der Spitzengruppe Entwickler einen gewaltigen Streit.

Intel Chef Craig Barrett sagte im Dezember 2005, dass der Laptop nicht alle Möglichkeiten eines vollwertigen Computers biete und daher ein Gadget (engl. etwa technische Spielerei) sei. Er zweifele am Erfolg des Projekts. Die Presse machte für seine Haltung unter anderem den Umstand verantwortlich, dass die CPU des Laptops von Intels Konkurrenten AMD hergestellt wird.


Nicholas Negroponte, MIT

Prof. Nicholas Negroponte vom MIT, die Galionsfigur der Entwicklung, wies die geäußerte Kritik zurück (“And in fact, it's not a crippled machine at all.”). Zudem wies er darauf hin, dass es sich „nicht um ein Laptop-Projekt, sondern um ein Bildungsprojekt handelt“. Negroponte warf Craig Barrett außerdem vor, den Erfolg des 100-Dollar-Laptops gezielt zu unterminieren, indem er Partner für Intels eigenen low-budged-laptop abwerbe.

Microsoft-Gründer Bill Gates bemängelte im März 2006 die Größe des Bildschirms, das Fehlen der Festplatte und die Handkurbel zur Stromgenerierung („Himmel, nehmt einen vernünftigen Computer.“). Stattdessen stellte er die gemeinsam mit Intel entwickelte 1000-Dollar-Alternative Origami vor. Dieser hat ebenfalls einen Sieben-Zoll-Bildschirm, aber keine Tastatur. Stattdessen erfolgt bei dem vorgestellten „Lifestyle-Gerät“ die Eingabe mit den Fingern bzw. mit einem speziellen Induktiv-Stift über den sieben Zoll kleinen Touchscreen. Die Presse mutmaßte, dass die Konzeption des 100-Dollar-Laptops als Linux-System Anlass seiner ablehnenden Haltung war.

Tony Roberts von Computer Aid International, äußerte im Juni 2006 Zweifel am Konzept des $100-Laptops. „Sie [One Laptop per Child] wollen eine nicht standardisierte und ungetestete Plattform einführen, die nur an Regierungen verkauft wird.“ Weiterhin beanstandete er, dass der 100-Dollar-Laptop von anderen Projekten mit ähnlichen Zielen ablenke. Computer Aid International ist ein in London ansässiges Projekt, das gebrauchte, aber von Firmen gespendete Desktop-Computer repariert und an Entwicklungsländer weitergibt. Pro PC wird eine Kostenerstattung von 39 Pfund (ca. 60 Euro) zuzüglich Kosten für den Versand erhoben. Auf diese Weise konnten seit 1998 bereits 80.000 Desktop-Computer in Entwicklungsländer verschifft werden.

Die indische Regierung lehnte nach anfänglicher Zustimmung im Juli 2006 die Teilnahme am Projekt ab. Staatssekretär Sudeep Banerjee zweifelte am pädagogischen Nutzen des Projekts. Wenn jedes Kind für den Schulgebrauch einen Laptop erhielte, wäre dies der Entwicklung von Kreativität und analytischen Fähigkeiten abträglich. Eine Investition des Geldes in traditionelle Schulmittel wie Schulgebäude und Lehrer wäre sinnvoller.

Im März 2007 kritisierte die Onlinezeitschrift Telepolis die Höhe der Kosten für die Entwicklungsländer. Selbst bei einem Laptop-Preis von 100 US-Dollar wurde dies die finanzielle Leistungsfähigkeit der Entwicklungsländer überfordern. Zudem würden durch die XO-Laptops massenweise Elektronikschrott anfallen, der trotz eines Recyclingprogramms schwerwiegende ökologische Folgen nach sich ziehen könnte.

Im Juli 2007 wurde bekannt, dass die Schüler-Laptops dazu benutzt wurden um pornografisches Material im Internet herunterzuladen. Entsprechend reagierte das Projekt OLPC und integrierte einen Softwarefilter, der einen solchen Download unterbinde. (Wikipedia)



Mary Lou Jepsen

Jetzt wurde auch noch bekannt, dass Mary Lou Jepsen aus dem Konsortium ausgestiegen ist. Sie war mit der Entwicklung des Bildschirms betraut. Sie gründete eine eigene Firma und will nunmehr einen Computer für 75 Dollar entwickeln. Ob das was wird, oder ob sich das Projekt damit weiter atomisiert, bleibt abzuwarten.


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