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22.09.2008
Folge 127

Je kleiner die Teilchen - desto teurer die Suche danach - ein Bericht aus CERN

Man kann es fast nicht mehr glauben, dass eine Staatengemeinschaft noch so viele Geldmittel aufbringt, um ein ungewisses Experiment zu finanzieren. Auf der Suche nach einem Higg'schen Boson wurden mehrere Milliarden Euro ausgegeben. Im CERN in Genf hat man es geschafft, unterirdisch quasi eine UBahn zu bauen, die jedoch recht wenig mit Fahrgästen zu tun hat. Auf 27 km Tunnelstrecke hat man unglaubliche Messgeräte installiert, die mit Spezialtransportmitteln nur eingebracht werden konnten.


Dr. Michael Hauschild, CERN Forschungszentrum

Mit unserem Gesprächspartner hatten wir ein gutes Los gezogen. Er ist schon lange in die aktuellen Versuche eingebunden und er kennt sämtliche Details. So sind seine Erzählungen hochinteressant. Wir haben sehr schnell erkannt, dass dieser Bericht aus CERN mehr als 10 Minuten hergibt und wir haben blitzschnell entschieden, dass daraus eine ganze Sendung von 30 Minuten werden soll. Ich hoffe, dass wir da richtig entschieden haben.

Sicherlich werden wir eine oder mehrere Sendungen hinterher schieben, wenn die Experimente, die ja noch mindestens 2 Jahre laufen, es hergeben. Bei diesen Themen, so geht es mir, werden geistige Träume geweckt, die mit dem Bestand unserer Welt zu tun haben. Es ist fantastisch, wenn man einen kleinen Einblick in die ungelösten Probleme der Materie erhält.

Eine Rückbesinnung auf unsere Existenz und die wunderbare Welt der Kräfte, die genial zusammenwirken, ist angemessen. Wer sich mit den Essenzen des Lebens beschäftigt, der wird im Strudel der Erkenntnisse viel erkennen - doch er wird nie hinter die Geheimnisse des Lebens stoßen.

Wie weit weg, die normale akademische Welt ist, wurde mir bewusst, als ich unseren Gesprächspartner befragte, mit welchem Titel ich ihn auf dieser Seite einstellen sollte. Ich fragte vorsichtig nach einem Doktortitel. "Lassen Sie den ruhig weg, hier ist jeder Doktor!".

CERN ist eine Einrichtung, die uns als Menschen gut tut. Hier werden Dinge erforscht, die nicht unbedingt nützlich sein müssen. Grundsatzforschung ist leider immer weniger realisierbar in unserer Welt. Meistens müssen die Forscher an Problemen arbeiten, die der Alltag vorgibt. "Wie kann ich einen Verkehr optimieren?", "Wie kann ich als Versicherung ein Malus Bonus System durchsetzen?"
Doch Grundlagenforschung ist auch Philosophie. Auf der Suche nach den kleinsten Teilchen kommt man auch am Makrokosmos vorbei und man versucht eine Einheit zu entdecken. Wer so weit gekommen ist, der ist verloren an die Lösung der Rätsel der Materie. Doch hier gibt es keine Allerweltslösung. Jeder muss mit seinen philosophischen Fähigkeiten das Problem für sich selbst lösen.



Ich frage mich in der Tat, wie man es schaffte, rund um CERN diesen 27 km Tunnel zu bauen und ihn mit den milliardenteuren Instrumenten auzurüsten. Ob das in Köln auch gegangen wäre, oder ob man hier nicht einen Protest nach dem anderen hätte ausräumen müssen. Es gab ja genügend Gegenmunition gegen die angekündigten Experimente. Da ließen sich sogar promovierte Menschen einspannen gegen eine Kampagne, dass diese Versuche die Welt in ein schwarzes Loch transportierten könnten. Die Wissenschaftler mussten sich gegen solche "Spinner" wappnen.
Wer vor einem schwarzen Loch Angst hat, der sollte wissen, dass gar die Sonne nicht ausreicht, um ein schwares Loch zu erzeugen. Die Hoffnung und der Optimismus ist also voll auf unserer Seite.

CERN ist ein tolles Projekt, das Internationalität versprüht, das aber genauso anfällig für Scharlatanerie ist. Ich entsinne mich noch eine Aktion, die mich nach CERN brachte. Eine wissenschaftliche Sensation ging damals um die Welt. Ein Forscher namens Fleischmann hatte Experimente durchgeführt, die eine wissenschaftliche Sensation versprachen. Fleischmann betrieb einfache Experimente, die eine "kalte" Fusion versprachen. Würde man nur genügend Kapazitäten zur Verfügung stellen, wären Problemlösungen der Energiefragen auf Erden gelöst.Das war eine wahre Nummer. Wenn so etwas wie eine Bombe einschlägt, dann hecheln die Journalisten nach der Auflösung.
"Fleischmann in CERN zu einem Vortrag eingeladen" - diese Info stachelte an. Sofort einen Flug nach Genf buchen; Rückflug uninteressant. In der Tat schaffte ich es, einen Flug nach Genf zu ergattern und war wirklich einer der ersten Journalisten, die mit Fleischmann zusammenkamen. Ich hütete meinen "Schatz" wie einen wertvollen Edelstein. Vor allem das ZDF sollte nicht an Fleischmann ran kommen. Doch die suchten ihn schon überall.
Ich konnte dann einen Blick in den Aktenkoffer von Prof. Fleischmann werfen. Darin befanden sich zwei Rollen Toilettenpapier. Eine recht rustikale Erfahrung. Nicht die kalte Fusion fand in dem geheimen Koffer statt, sondern das allzu menschliche Bedürfnis.
Bald schon wurde Prof. Fleischmann für seinen Vortrag gesucht und mitgenommen. In der Zwischenzeit hatte ich direkt neben dem Vortragsraum ein Büro bekommen, in das ich in der Tat direkt nach dem Vortrag Prof. Fleischmann für ein Interview führen konnte. Schon wieder hatten wir das ZDF abgehängt. Wir mussten noch eine Weile unseren Stargast verstecken, denn mittlerweile wussten wir, wann die ZDF Kollegen zurückfliegen müssen. Wir schafften es tatsächlich, die Zeit hinauszuzögern.
Fakt ist, dass wir genial das ZDF verschaukelten und selbst auf eine Wissenschaftsnullnummer hereingefallen sind. Schon bald war die "Kalte Fusion" von den meisten Wissenschaftlern für den Mülleimer klein geredet worden.

Wir wollen nicht hoffen, dass man uns das Higg'sche Boson auf die oben beschriebene Weise beibringen will. Der Mister Higgs hat da ein Ei gelegt, das bisher nicht bewiesen werden konnte und vielleicht auch gar nicht bewiesen werden kann. Sollte der Beweis ausbleiben, dann sind einige Wissenschaftler sogar froh. Ihnen ist dieses Higgs Boson eh ein Dorn im Auge. Vielleicht ist der Name Higgs ja auch mit Fleischmann austauschbar.


 







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