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27.10.2008
Folge 132

Karneval mitten im Herbst - Veranstaltungsort: Nationalbibliothek

Wir können stolz sein auf unsere Politiker und Juristen, die für uns Leben echt erträglich machen. Wer dies Webseite besucht, der bekommt schon einen Einblick in die Denkungsweise der dort beschäftigten Mitarbeiter. Dass man sehr sparsam mit dem Geld umgeht, sieht man alleine an dem aufregenden Logo, das sicherlich selbst gemacht ist.

http://www.nationalgalerie.de


Logo der Nationalbibliothek

In der Folge 14 vom 30.10.2006 unseres Audiocasts hatten wir das Thema schon einmal behandelt. Damals war das Gesetz noch nicht gültig; doch es wurde bereits verabschiedet. Es lohnt sich, noch einmal hineinzuhören.

Doch in der vergangenen Woche wurde das Gesetz nun endgültig zum geltenden Gesetz. Was hat man da nur verabschiedet? Nicht nur wir glauben, dass das Ganze zu einem Rohrkrepierer verkommen wird.

Richtig und wichtig ist natürlich, dass man mittlerweile auch das Internet zum Kulturgut zählt. Und da muss die Nationalgalerie tätig werden, um zu dokumentieren, wie es 2008 auf dem Sektor ausgesehen hat. Natürlich können nachfolgende Generationen eine Menge daraus entnehmen, wenn sie sich ein Bild machen wollen.
http://www.cczwei.de/index.php?id=issuearchive&issueid=20
Unter obigem Link kann man das Gesetz einsehen.

Doch das Verfahren, wie man das tun will, ist irgendwelchen Gehirnen entsprossen, die wenig mit der Praxis zu tun haben. Es wird jeder Webseiteninhaber angehalten (bis zu 10.000 Euro Strafe bei Nichtbefolgen), seine geänderte Webseite der Nationalbibliothek zur Verfügung zu stellen. Und natürlich ist das Procedere genau beswchrieben, wie dies zu geschehen hat.

Technische Voraussetzungen beim Ablieferer
Die Teilnahme am Abgabeverfahren erfordert beim Ablieferer
* ein internetfähiges Endgerät (PC mit Windows/LINUX/UNIX, Mac)
* eine E-Mail-Adresse für die Kommunikation mit der Deutschen Nationalbibliothek
* einen Web-Browser zur Bedienung der Formulare
* ein Packprogramm (z. B. WinZip) zum Herstellen der Lieferung
* einen File-Transfer-Client (z. T. können Web-Browser diese Funktion übernehmen) zum Übermitteln der Lieferung
Sonderzeichen
Die Zeichencodierung sollte als Meta-Tag im Header der HTML-Seiten angegeben werden.


Normalerweise würde ein mit Internetsachverstand versehener Fachmann die Aufgabe mit googleähnlichen Techniken bewältigen. Man schickt einfach Crawler los, die alle .de Seiten untersuchen und die per Gesetz Kopien der Seiten machen dürfen. Das könnte weitgehend automatisch generiert werden.
So hat man aber genau das Gegenteil produziert. Ein Verwaltungsmarathon wird entstehen, für den es nicht genügend Personal geben wird, um dies zu bewältigen.


Ein Blick in die Bibliothek

Da Gesetze immer etwas mit Juristen zu haben, befragten wir den Rechtsanwalt Tobias Strömer aus Düsseldorf zu seiner Meinung. Offenbar hat Herr Strömer zu viel Sachverstand, um an der Umsetzung des Gestzes keine Kritik zu äußern. Köln und Düsseldorf sind die rheinischen Hochburgen des Karnevals. Hier hätte ein solches Gesetz gut von Karnevalisten entwickelt werden können. Aber nur für eine Session.



Wir baten Herrn Stömer zu dem Gespräch, weil wir ihn im WDR Computerclub oft um seine Meinung baten. Damals im letzten Jahrhundert und Jahrtausend (ab Mitte der 90 er Jahre) war das Netz noch ein völlig unbeackertes Terrain, was die rechtlichen Aspekte anging. Auch entsprechende Rechtsanwälte, die eine Diskette nicht mit einem Tonband verwechselten, fand man sehr schwer.

Jedenfalls kamen bei dem Gespräch 15 Minuten unterhaltende und informierende Tatsachen und Meinungen zutage.
Mehr dazu:
http://www.stroemer.de/


Virtuelle Betriebssysteme für virtuelle Rechner


von Heinz Schmitz

Virtuelle Server in den Rechenzentren könnten mit neuartigen Betriebssystemen effektiver laufen. Pläne für ein so genanntes virtuelles Betriebssystem oder auch „Virtual Datacenter-OS“ haben zum Ziel, Administratoren und Anwendern eine homogene Basis zu bieten, auch über Rechenzentren hinaus.

Die Anforderung an eine möglichst einfach zu verwaltende Systemlandschaft steigt mit dem Grad der Virtualiserung. Wirklich nahtlose Konzepte sind bei den Anbietern oder Providern nur in Bruchstücken realisiert oder in Konzeptpapieren zu finden. So denkt vmWare über ein so genanntes „Virtual Datacenter OS“ nach. Ein interessanter Ansatz bei dem es darum geht, nicht auf jedem Hardware-Server einen so genannter Hypervisor, also das Basisbetriebssystem für virtuelle Maschinen, zu installieren, sondern das es einen „Hypervisor“ im gesamten Rechenzentrum gibt. Er erkennt dann automatisch welche Hardware, also welche Server er zur Verfügung hat und verteilt die virtuellen Maschinen dann mehr oder weniger automatisch auf die vorhandenen Ressourcen.



Administratoren können dann einfach die Rechenkapazität ausbauen, indem Sie einfach weitere Hardware installieren und in den Verbund einfügen. Die Virtuellen Computer sollen dann mehr oder weniger automatisch auf die Rechner wandern, die Ressourcen frei haben. Voraussetzung ist allerdings, dass die Dateien, die die virtuellen Computer repräsentieren, auf Netzwerkspeichern, genannt NAS oder SAN liegen, auf die alle Hardware-Rechner zugreifen können. Diese müssen wiederum gesichert werden. Auch muss Sorge dafür getragen werden, dass die Daten mit der virtuellen Maschine wandern, sollte Sie in ein anderes Rechenzentrum verlegt werden.

Dabei sind dann allerdings noch Probleme mit der Netzwerk Infrastruktur zu lösen. Um den Datentransfer zu optimieren, werden die Bitströme über Switches und Router geregelt. Nicht jeder Rechner muss den gesamten Datenverkehr sehen, dass würde nur die Leitungen digital zumüllen. Optimal ist es, wenn ein Datenstrom nur zwischen Absender und Empfänger pendelt. Das ist im Netzwerk die Aufgabe der Switches und Router, der „Verkehrspolizei“ im Netz. Wenn jetzt eine virtuelle Maschine von einer Hardware zur nächsten wandert, sind plötzlich andere Polizisten involviert, die von den alten Datentrassen nichts wissen. Die Lösung sieht Netzwerkprimus Cisco in so genannten „Virtual Distributed Switches“. Diese sollen die virtuellen Maschinen kennen und beim Umzug auf eine andere Hardware, die Netzwerkkonfiguration automatisch mit umziehen. Ein erstes Softwareprodukt dazu wurde  als Vorabversion gezeigt.

Ander Herausforderungen sich die Sicherheitskonzepte. Was ist mit Firewalls und Zugriffssteuerungen? Unter Umständen müssen auch diese Parameter mit den virtuellen Maschinen wandern. Vielleicht sogar in andere Rechenzentren. Die Sicherung gegen Vieren kann man heute schon zentral regeln. Über spezielle Programmierschnittstellen können Virenscanner direkt auf Hypervisor-Ebene eingebunden werden. Hier stellt sich die Frage, wie angreifbar ist ein Hypervisor und damit die auf ihm basierenden virtuelle Maschinen? Bei IBM läuft derzeit ein Forschungsprojekt, die genau dieses Problem untersuchen soll.

Neuste IT-Trends, wie zum Beispiel das Cloud-Computing werden erst zu einem flächendeckenden Erfolg, wenn Basisbetriebssysteme, die das komplette Rechenzentrum zu einer logischen Einheit machen, zur Verfügung stehen.

Mit Cloud-Computing wird die die Notwenigkeit beschrieben, die Rechnerwelten den wechselnden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen. Server, Notebook und Arbeitsplatzrechner sind das Basiswerkzeug vieler Berufe. Der angestammte Büroarbeitsplatz gehört aber oft der Vergangenheit an. Heimarbeitstage der Verwaltungsangestellten, Außendienstmitarbeiter im Vertrieb, Versicherungsagenten, Schadensgutachter oder Servicemitarbeiter alles Berufsgruppen die bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nicht immer auf ihren Arbeitsplatzrechner zugreifen können. Hier setzt das Cloud-Computing an. Warum lässt man den Computer nicht einfach im Netz? Mit virtuellen Maschinen, die auf Servern in gesicherten Rechenzentren laufen ist das problemlos möglich. Dann reicht irgendein Computer mit Internetzugang um per Fernbedienung an seinen angestammten virtuellen Arbeitsplatzrechner zu gelangen. Das senkt zudem die Kosten für Investition und Pflege der Hardware.

Neu ist diese Idee nicht. Schon in den 60-er Jahren, als die Mainframes in den Rechenzentren thronten, liefen die Anwendungen dort und der Anwender musste sich mit einem dummen Terminal zufrieden geben. Mit den Personalcomputern kam die Rechenleistung auf den Arbeitsplatz und die zentrale EDV verlor an Bedeutung. Die kam allerdings zurück, als die Netzwerke die Firmen durchzogen. „Stanford University Network“ besser bekannt als SUN Microsystems, war einer der Vorreiter. Deren Mitgründer und ehemaliger CEO Scott McNealy erhob den Spruch „Das Netzwerk ist der Computer“ zum Leitmotto des Silicon Valley Unternehmens.

Das Ziel der völligen Virtualisierung der Rechnerwelt ist noch lange nicht erreicht. Bis zur Verfügbarkeit eine virtuellen Datacanter-OS ist viel Entwicklerarbeit notwendig. Auch müssen die Anwender lernen, das Ihre Daten nicht auf dem USB-Stick oder der Festplatte gespeichert werden, sondern zentral vorgehalten und gesichert werden.


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