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23.02.2009
Folge 151

Roboter sind eine Spezies für sich.

Die Sendung, die wir zu einem "unmöglichen Sendetermin" ausstrahlten, ist so unmöglich gar nicht, weil die Gewohnheiten der vielen jungen Leute sowieso anders gelagert sind. Deren Zeiten, Fernsehen oder Hörfunk zu konsumieren sind völlig anders geworden. Sie nehmen die "On demand" Angebote an. Dazu gehören wir auch. Uns kann man immer neu hören. Das ist schon ein Riesenfortschritt. Ich habe schon 2 Emails an die HörZu geschickt, dass sie das neue Medienangebot berücksichtigen sollten. Ich bekam sogar eine Antwort: "Für uns ist diese Entwicklung nicht intensiv genug, um darauf zu reagieren. Gute Nacht HörZu.

Doch jetzt zu unserer Sendung, die sich mit Robotik beschäftigt. Wir hatten im Studio einen hochkarätigen Gesprächspartner. Prof. Thomas Christaller war vor der Umgestaltung der GMD der Mann, der sich um die Grundlagenforschuung kümmern konnte. Jetzt gehört er zum Staff der Fraunhofergesellschaft und muss die Grundlagenforschung in eine Anlagenforschung umwandeln, die auch verkaufbare Produkte in die Welt setzen.  

Prof. Thomas Christaller (54) ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Autonome Intelligente Systeme in Sankt Augustin bei Bonn und Professor an der Universität Bielefeld sowie Leiter des GMD-Japan Research Laboratory in Kitakyushu. Unter der Anleitung des führenden Roboter-Experten sind zahlreiche autonome Maschinen entstanden.


Prof. Thomas Christaller

Was sind Roboter, war unsere Frage am Anfang. Die Antwort hat uns sehr gewundert. Roboter sind letztendlich irgendwelche Gebilde, die sich menschenähnlich bewegen können. Sie können aber auch das vorgegebene Muster verlassen und neue Prioritäten setzen.

1923 setzte der tschechische Schriftsteller Karel Čapek einen neuen Begriff in die Welt: Roboter. Seitdem hat die Menschheit einen Traum: künstliche Wesen, die ihnen die Arbeit abnehmen. Bis Roboter für uns kochen und den Rasen mähen, dauert es aber noch Jahrzehnte. Manche Wissenschaftler sind sogar noch skeptischer. Sie glauben: Roboter werden nie den Haushalt erobern.

Christaller glaubt, dass Roboter frühestens in 30 Jahren ähnlich wie Menschen handeln können: "Ich denke, dass die Schwierigkeiten von allen Technikern und Ingenieuren schon fast sträflich unterschätzt werden. Es werden technische Konstruktionen gewagt und als humanoide Roboter verkauft, die sind einfach lächerlich." Diese Roboter können laut Christaller weder selbstständig denken noch mit dem Menschen kommunizieren, auch wenn die Entwickler dies behaupten.

Eine Enzyklopädie ist eine Sammlung von Wissen – aber sie ist nicht intelligent. Ein Roboter, der in diesen Raum kommt, müsste viel Alltagswissen mitbringen: Etwa, dass ein Stuhl vier Beine hat, verrückbar ist und man ihn umfahren kann, einen Schrank aber oft nicht. Wir können Roboter bauen, die dank ihrer Sensoren nirgends anecken. Aber den Stuhl als Stuhl erkennen und wissen, wozu man ihn benutzt? Keine Chance.

Selbst wenn man mit Neuronalen Netzen Intelligenz bisher nicht modellieren kann, so sind sie doch der erfolgversprechendere Weg. Die klassische KI, die mit Symbolen arbeitet, funktioniert bei kodifiziertem Wissen. Wenn man aber menschenähnliches Verhalten erzeugen will, muss man vom Gehirn lernen. Dessen Komplexität entsteht im Wesentlichen durch unzählige Oszillatoren, also positiv rückgekoppelte Neuronenverbünde.

Ich kenne kein einziges überzeugendes Argument dafür, dass Roboter je Rückschlüsse oder Schlussfolgerungen wie Menschen ziehen können. Alle bisherigen Maschinenlösungen, die durchaus dem Menschen überlegen sein können, basieren auf anderen Prinzipien, als wir sie in Gehirnen finden. Wenn wir Intelligenz als die Fähigkeit definieren, Vorhersagen über menschliches Verhalten zu machen, dann stehen die Chancen gut, dass der Mensch besser sein wird als jedes künstliche System. Bei der Verarbeitung formalisierbaren Wissens werden Computer allerdings eine wichtige Rolle spielen. Hier gibt es keine theoretischen Grenzen, jedoch technische und praktische – etwa, dass Wissen nicht statisch ist. Ich sehe daher voraus, dass Wissenssysteme weit mehr als normale Datenbanken gepflegt werden müssen.

Vielleicht gehört es zu einem richtigen Roboter, dass er auch fühlen lernt. Gefühle sind ja nicht ohne Grund entstanden. Sie sorgen dafür, dass wir aus dem unendlich großen Vorrat alternativer Handlungsmöglichkeiten uns auf wenige beschränken und alle anderen ausblenden – auf Grund subjektiver Empfindungen. Sonst würden wir nie fertig mit Nachdenken. Wenn wir Roboter bauen wollen, die nach ähnlichen Prinzipien wie wir funktionieren, dann müssen sie eine Welt haben, in der Gefühle für sie sinnvoll sind. Heutige Serviceroboter dagegen brauchen sicher keine Gefühle.

Rodney Brooks vom MIT sagt, dass die Unterschiede zwischen Mensch und Maschine in 50 Jahren immer mehr verschwinden werden. Marvin Minsky und Hans Movarec schufen sich ein ähnliches Roboterbild. Glauben Sie das auch?

Christaller: Nein. Das sind merkwürdige Vorstellungen.


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