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06.11.2006
Folge 16

Stromausfall in Europa

Manchmal ist es ratsam abends früh ins Bett zu gehen. Damit habe ich gestern Abend keinerlei Probleme bezüglich eines Stromausfalls gehabt. Wenn er denn eingetreten wäre, so hätte ich davon nur Nutzen gehabt. Denn dann wäre das Fernsehgerät vor der Timereinstellung ausgeschaltet worden.

Aber das ist schon ein Ding, was da gestern Abend wohl passiert ist. Dass plötzlich halb Europa und gar Marokko betroffen ist, das übersteigt die Vorstellungskraft. So etwas hätte es eigentlich nie geben können, weil alle Verantwortlichen eine solche Blackoutsituation für unmöglich erklärten. Nun haben diese Leute schon öfter Mist geredet. Auch der 2005er Stromausfall in Norditalien war schon unmöglich, obwohl er passierte.  

Die Entwicklungen der europäischen Stromversorgungen sind in den letzten Jahren neue Wege gelaufen. Alleine, dass der Strom rein zum marktwirschaftlichen Gut verkommen ist, hat viele Sicherheitsstandards wanken lassen. Dass man Strom für 3 Cent kaufen kann und anderen Strom gar für .58 € einkaufen muss, führt zu seltsamen buchhalterischen Situationen.

Man sieht den Profit und vergisst die Sicherheit. Ich habe in Aachen an der TH mein Studium als Hochspannungstechniker angefangen und das Fach wurde später in Energietechnik umgetauft. Bei der Ausbildung konnte ich auch eine Kraftwerke besichtigen und sogar für Wochen ein Praktikum an den Schluchseewerken einrichten.

Es war sehr interessant, was ich dort erleben konnte. Vor allem imponierte mir der vorherrschende Sicherheitsgedanke, der damals den Verbraucher in den Mittelpunkt stellte. Natürlich gab es noch keine Computer, die alles übernahmen. Selbst die gelieferten KW/h wurden per Hand gezählt und in einem Büchlein eingetragen. Da es keine Computer gab, konnten die auch keinen Unsinn fabrizieren. Man hatte fantastische Benutzerprofile über die Jahre gespeichert und man wusste genau, wann wo und wie Strom benötigt wurde. Natürlich ging es auch mal drunter und drüber, wenn da irgendwie ein Ereignis war, das keiner bedachte.

Doch einen Stromausfall zu produzieren - das wäre undenkbar gewesen. Man war damals stolz auf das, was man geleistet hatte: ein störungsfreier Energieverbund zwischen vielen Partnern. Man konnte auch stolz sein. Denn über Jahrzehnte hinweg kann ich mich an keinen Ausfall erinnern.

Auch in den siebziger Jahren war die Stromversorgung als konstant und störungsfrei anzusehen. Damals konnte ich noch beim elektor, der Zeitschrift für Elektronikfreaks, einen Artikel veröffentlichen mit dem Titel: "Wie genau können netzgesteuerte Digitaluhren gehen?"

Dabei ging es darum, dass man das Stromnetz quasi als Referenz benutzte, um einen konstanten Impuls für die Uhr zu gewinnen. 50 Hertz wurde in den Kraftwerken und vor allem im ganzen Netz gefahren. Damit konnte man per Elektronik die Nulldurchgänge des Wechselstroms detektieren und jedesmal einen Impuls setzen. So kamen eben 50 Impulse pro Sekunde zustande. Jetzt setzte man mehrere Zähler dahinter und teilte die Impule soweit runter, dass jeweils eine Minute einen neuen Impuls bekam.

Damals war das eine spannende Sache. Und ich bekam aus Brauweiler zu hören (Brauweiler ist nach wie vor die Zentrale des Europäischen Verbundsystems), dass man die Kraftwerke so fahre, dass eine Abweichung vom 50 Hertz Rhythmus quasi wieder ausgeglichen wird, weil man auf die Impulse achtet.  In der Tat, man konnte Digitaluhren nach dieser Methode betreiben, ohne dass man Zeitkorrekturen hätte einfügen müssen.

Heute wäre das nicht mehr so perfekt zu betreiben. Wenn gestern Abend der Stromausfall über 30 Minuten hinweg meine Digitaluhr nicht mit Impulsen beliefert hätte, dann würde sie heute 30 Minuten nachgehen und ich hätte keine Hoffnung, dass man in Brauweiler die Synchronisierung vielleicht ein bisschen anheben würde. Diese 30 Minuten wären ganz einfach viel zu weit weg.

Wir sollten den Stromausfall dieses Ausmasses nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn nach und nach probiert man offensichtlich die Belastbarkeiten  aus. Wir sollten ein professionelles Strommanagement verlangen, bei dem auch die Vorstände in der Pflicht stehen. Denn schließlich sind diese Leute verantwortlich für evtl. Probleme in Krankenhäusern und in der Abwicklung von sicherheitsrelevanten Applikationen.

Offenbar hat man ja jetzt den Blackoutteufel gefunden. Ein Kreuzfahrtschiff soll schuld daran sein. Man hat eine Leitung lahm gelegt, unter der das Schiff fahren sollte, und gerade diese Leitung hat den Europäischen Blackout erzeugt.

Kamen die Grimm's Märchen nicht auch aus dem Norden?


Microsoft und Novell kooperieren

Scheinbar ist die Zeit jetzt endgültig vorbei, in der man Microsoft Mitarbeiter mit einem T-Shirt bewundern konnte, auf dem ein Pinguin namens TUX abgebildet war und ein frecher Text "Stoppt Tierversuche" den Bezug zu Linux herstellen sollte. Natürlich hat die Geschäftsleitung dann bald das Tragen dieser Hemden im Dienst verboten.

Aber macht es Sinn, dass die beiden harten Konkurrenten jetzt eine strategische Vereinbarung getroffen haben? Die Konkurrenzsituation bestand schon lange.  Novell beherrschte lange Jahre den Netzwerkmarkt quasi als Monopolist. Wer etwas auf sich hielt, der hatte ein Novell Netzwerk installiert. Der Kampf begann dann mit der Einführung von Wondows 3.11. Dieses war das erste Betriebssystem, das netzwerkfähig daherkam.

Und dann konnte man es gar selbst einrichten. Ein paar richtige Klicks und zwei Computer waren verbunden.  Das war ein Schock für Novell, denn so nach und nach bröckelten die Marktanteile ganz gehörig. Warum sollte man ein extra Netzwerk aufbauen, für tausend Mark und mehr, wenn das Betriebssystem dies alles schon mitbringt?

Die Fronten verhärteten sich immer mehr. Auch als 2003 Novell sich plötzlich den deutschen Linux Distributor Suse für 210 Millionen einverleibte. Linux wird seit Anfang der 90er Jahre nach dem Open-Source-Modell von Freiwilligen, aber auch Mitarbeitern verschiedener Computerkonzerne im Internet entwickelt. Der Quelltext ist frei zugänglich und kann beliebig verändert und weitergegeben werden. Marktführer bei Linux ist Red Hat.

Dies könnte sich jetzt mit dieser starken Kooperation ändern, denn für Linux bedeutet dies, dass einige Patentstreitigkeiten wohl als beigelegt gelten können. Dass Microsoft sich nun von einem proprietären Betriebssystem zu einer frei verfügbaren  Software hinbewegte macht sicherlich auch Sinn.

Sicherlich weiß man auch bei Microsoft, dass die Tage der proprietären Systeme gezählt sind. Vielleicht ist VISTA schon das Ende der Fahnenstange. Es kann durchaus sein, dass das nächste OS rein im Netz stattfindet. Da hier der Kuchen noch nicht verteilt ist, muss man eben alle Register ziehen.

Weiterhin hat sich Microsoft mit diesem Schritt sicherlich ein anderes Bild in Brüssel verschafft. Ob man jetzt noch Monopolklagen anstrengen wird, ist zweifelhaft. Wenn der Wolf sich schon mit Schafen umgibt, dann ist doch Friede, Freude, Eierkuchen.


Wahlcomputer von Nedap in der Kritik

Alle Welt regt sich im Moment auf, dass die Wahlcomputer so unsicher sein sollen. Man impliziert, dass eine Wahl mit Wahlcomputern ähnlich ist, wie eine Wahl in Südamerika. Ich habe da meine eigenen Erfahrungen machen können. Seit langer,langer Zeit gehöre ich zu den Wahlhelfern in Köln und habe auch mindestens schon 5 Wahlen mit Wahlcomputern durchgeführt. Ich habe mir schon meine Gedanken gemacht, ob das alles rechtens ist, was da abläuft. Die Wahlcomputer von Nedap machen in der Tat den Eindruck, als habe ein Freak einen C64 auseinandergenommen und ihn zu einem Wahlcomputer zusammengeschraubt. Das sah alles sehr primitiv aus und vermittelte wenig Vertrauen.

Mein Vertrauen wurde auch sehr gestört, als ich in dem niederlänischen Artikel erfuhr, dass man dort 100 Schlüssel bestellt hat, die auf alle Wahlcomputer passten. Ich muss das erklären:

Ein Wahllokal ist dann funktionsfähig, wenn mindestens 3 Wahlhelfer im Lokal zugegen sind. Bei den Wahlmaschinen sind zwei Schlüssel zu vergeben, ein roter und ein weißer. In der Regel ist das der Vorsitzende und der 2. Vorsitzende oder der Schriftführer, die die Schlüsselgewalt bekommen. Aber wenn der Schlüssel wirklich so "allerwelt" ist, dass man 100 passende Schlüssel nachbestellen kann, dann ist das schon ein Skandal. Es scheint aber so zu sein.

Es ist klar, dass man jede Wahl manipulieren kann, wenn die richtigen Kräfte zusammenkommen. Wenn die drei notwendigen Personen im Wahllokal zusammenhalten, dann ist die Wahl der Manipulation überlassen.

Das Wählerverzeichnis hat man ja vorliegen und man sieht, wer wählt oder bisher nicht gewählt hat.

Wie gesagt, wenn drei Leute sich zusammentun, dann können sie das Wahlergebnis manipulieren. Man kann unbemerkt -gegen Ende der Wahl - für jemanden wählen, von dem man weiss, dass sie/er nie in das Wahllokal kommt. So ein Zettel ist schnell eingesteckt.

Um den Wahlcomputer zu manipulieren gehört mehr dazu. Wenn man alles richtig einhält, dann ist da zwar eine uralte technische Maschine am Werk, die wahrscheinlich auch angreifbar ist, wo die Manipulationen aber bedeutend schwerer sind.

Das heisst nicht, dass ich auch Bedenken an der Wahlmaschine habe. Doch in absehbarer Zeit werden wir unsere Wahlen sowieso online absolvieren. Es liegt in der Luft. Wenn ein wichtiger Punkt auf der Leiter erfüllt wird, dann steht da nichts mehr im Wege.

Es fehlt die Digitale Unterschrift, die so richtig vermasselt wurde von Lobbyisten, die aber in ihrer Dummheit wirklich alles durcheindergebracht haben.

> Wäre die digitale Unterschrift ein Teil unserer Persönlichkeit und würde sie im Einwohnermeldeamt registriert, dort, wo mein Personalausweis und Führerschein ausgegeben wird, dann hätten wir schon klare Verhältnisse. Aber warum soll ich meine digitale Identität bei Telekom oder bei HEISE ablegen? Ich möchte den Status gewahrt wissen, den mir ein Amt wie das Einwohnermeldeamt einräumt.

Wäre die digitale Unterschrift nicht so verpönt, weil sie hier gilt und dort nicht, weil sie einfach schlecht verkauft wurde, könnten wir viele Dienste installieren, die sich darauf beziehen. Mit der fehlenden digitalen Unterschrift ist auch das Thema Gesundheitskarte gegessen. Denn hier sollte eigentlich die digitale Unterschrift dazu beitragen, dass wir moderne Datentechnik nutzen können.

In der Sendung ist Gerd Rütten vom Wahlamt der Stadt Köln zu Gast. Köln wählt ja flächendeckend mit diesen Nedap Wahlcomputern. Mal sehen, wie er die Sicherheitslücken bewertet. Da wir eine lange wahlfreie Zeit vor uns haben, kann man ja viel an Änderungen stricken. Die nächste Wahl ist übrigens erst im Jahre 2009.

All die Jahre muss ich jetzt auf die Nebeneinnahme von 30€ als Wahlhelfer verzichten. Mal sehen, ob ich das überstehe. Dabei zahlt Köln über Tarif. Nur 16 Euro sind wohl in den Statuten vorgesehen.


Wireless HD

Mit großem Tempo erleben wir gerade jetzt die Vorbereitung auf eine neue Video- / Fernsehzeit. Das HDTV wird so langsam greifbar. Die Anzeigegeräte gibt es bereits als Großbildschirm, die ersten HD DVD Recorder kommen in den Markt, die nötigen Medien wie Blueray kündigen sich an und die nötigen Bandbreiten werden nach und nach von dem VDSL zur Verfügung gestellt werden. Es fehlen nur noch die entsprechenden Produktionsstätten, die HDTV aufarbeiten können. Und auch die Möglichkeiten, die Signale drahtlos innerhalb der Wohnung zu verteilen wird schon angegangen.  

Pressemitteilung von www.hartware.de

WirelessHD mit 5 Gbit/sec
Drahtloser Standard in den Startlöchern

Die Übertragung von hochauflösenden Inhalten könnte in Zukunft auch drahtlos erfolgen. Entsprechende Bemühungen diverser Firmen scheinen inzwischen Früchte zu tragen, ein Standard soll bis zum Frühjahr 2007 spezifiziert sein. Für dieses Ziel haben sich LG Electronics, Matsushita Electric Industrial, Panasonic, NEC, Samsung, SiBEAM, Sony und Toshiba zusammengeschlossen.
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Die im 60-GHz-Band arbeitende Technlogie soll Übetragungsraten von bis zu 5 Gbit/sec und damit die Übertragung unkomprimierter HD-Inhalte ermöglichen. Theoretisch sollen bis zu 20 Gbit/sec möglich sein. Wie für einen High-Definition-Standard nicht anders zu erwarten soll auch die drahtlose Übertragung der Inhalte verschlüsselt von statten gehen.


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