ComputerClub 2
Sitemap Kontakt
  Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
Suche:   Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
  Aktuelle Sendung
  Nächste Sendung
  Sendungsarchiv
  Downloads


SENDUNGSARCHIV

20.07.2009
Folge 177

Gefahrenpunkt Hotspot


Heinz Schmitz

Netbooks und öffentliche Hotspots, eine Gefahrenquelle, die sich mit etwas Vorsicht eindämmen lässt. Die rapide wachsende Beliebtheit mobiler Computer, getrieben vor allem von den handlichen und preisgünstigen Netbooks und die stetig zunehmende Anzahl öffentlicher Hotspots bilden eine Kombination, die eine Gefahr für private Daten darstellt. So warnt der Sicherheitsspezialist G Data http://gdata.de vor der leichtfertigen Nutzung freier WLAN-Hotspots im Urlaub. Immer mehr User nehmen mittlerweile die so vielerorts hergestellte Konnektivität mit mobilen Endgeräten wie Netbooks in Anspruch, verzichten jedoch nach wie vor auf entsprechende Sicherheitsmaßnahmen. Cyberbanditen machen sich diesen Umstand zunutze und funktionieren kostenlos zur Verfügung stehende WLAN-Netze auf Flughäfen, in Internetcafés und Hotels zu Datenfallen um.

Das kostenlose surfen im Cafe kann so leicht sehr teuer werden, wenn kriminelle Elemente sich Zugriff auf das Bankkonto verschaffen, die Kreditkatendaten ausspähen oder wichtige Firmendaten klauen. Kostenlose Hotspots sind nicht gesichert. Damit bieten sich Datendiebe mehrere Angriffsmethoden. Zum einen kann ein Hacker mittels so genannter Sniffer-Programme, die in diese Kreisen verbreitet ist, den Funkverkehr zwischen Rechner und Hotspot abhören und so den Datenverkehr mitlesen. Zum anderen kann jeder, der etwas Verständnis für Computer und Netzwerktechnik hat, sich direkt mit dem Rechner verbinden, denn technisch hängen beide an gleichen Anschluss. Allein der Rechnername oder besser noch die IP-Adresse, öffnet das Tor zum Inhalt der Festplatte. Eine aktive IP-Adresse lässt sich leicht mit so genannten Scann-Programmen ermitteln. Freie  WLAN-Netze stellen im Vergleich mit teuren UMTS-Anschlüssen die weit riskantere Zugangstechnologie dar. Entsprechend sicher wäre nur eine Verschlüsselung der Daten vor dem Versand. Dies verhindere zwar das Auslesen nicht, mache aber die Informationen für Kriminelle nutzlos.

Dabei ist der Schutz von Konten und Daten auch relativ einfach zu erreichen, selbstverständlich vorausgesetzt, ein aktueller Virenscanner und eine Firewall ist installiert und aktiv. Der Verzicht auf Onlinebanking und Internetshopping sowie auf heiklen Datenverkehr wie Geschäftskorrespondenzen ist im Falle offener WLAN-Verbindungen jedenfalls anzuraten. Ohne vernünftige Security-Lösung bzw. entsprechende Verschlüsselung der zu versendenden Nutzdaten droht eine sorglose Eingabe beispielsweise von heiklen TAN- und PIN-Codes zum Spielverderber im Urlaub zu werden.

Auch das Löschen von temporären Dateien, Cookies und Browserhistorie nach Benutzung in öffentlichen Terminals oder Internetcafés sowie eine korrekte Abmeldung, wenn Webdienste als registrierte Nutzer in Anspruch genommen werden, verringerten die Wahrscheinlichkeit potenzieller Schäden, ebenso wie ein eigener temporärer E-Mail-Account für Urlaubskorrespondenzen.



Die USA und Europa streiten sich heftig um die Zukunft von ICANN

Ende September läuft der Vertrag zwischen der amerikanischen Regierung und der Internetverwaltung ICANN aus. Zwischen den USA und vor allem Europa hat sich derweil ein Grundsatzstreit um die künftige Verwaltung des Internets entwickelt. Auch eine Anhörung zum Thema, die das amerikanische Handelsministerium in dieser Woche veranstaltet hat, brachte keine Annäherung.

Daher ist es immer noch unklar, wie der Streit beigelegt werden wird. ICANN-Chef Paul Twomey hat die amerikanische Regierung regelrecht beschworen, dem Modell einer völligen privaten Selbstverwaltung des Internets den Segen zu geben. Doch die Regierung Obama schweigt sich zu diesem Punkt aus. Statt dessen verlangen viele Kongressangehörige, zahlreiche US-Manager und sogar einige der eher als linksliberal geltenden US-Politiker, dass die USA keinesfalls die Aufsicht über die Internetverwaltung aufgeben dürfe. Unisono war von Republikanern wie Demokraten im Unterausschuss für Kommunikationstechnologie zu hören, dass das Internet doch bitte eine rein amerikanische Angelegenheit sei und bleiben müsse. Die USA hätten das Internet geschaffen, die USA hätten das Internet groß gemacht, die USA hätten jedes Recht, die weitere Entwicklungsrichtung des Internets vorzugeben. Momentan wird sogar ein Gesetz vorbereitet, mit dem das US-Handelsministerium gezwungen werden soll, den "Joint Project Agreement" genannten Vertrag über die Internetverwaltung mit der ICANN zu verlängern.


Peter Welchering

Die andere Welt, die Nichtamerikaner, geben sich teils amüsiert - das ist aber der kleinere Teil - und sagen, das war ja auch nicht anders zu erwarten. Diese Haltung ist vor allen Dingen in Australien verbreitet, also dem Herkunftsland des ICANN-Präsidenten. EU-Kommissarin Viviane Reding plädiert für eine vollkommen privatisierte ICANN, die durch ein internationales Gremium beaufsichtigt werden könne, aber eben nicht mehr von der US-Regierung.

Und die deutsche Regierung will zwar auch einen größeren Einfluss der Regierungen generell auf die ICANN. Aber gleichzeitig wird gesagt, es muß auch die Wirtschaft und die Internet-Anwenderorganisationen in die Netzverwaltung mit einbezogen werden. Konkrete Vorschläge sind da allerdings bisher aus Deutschland weitgehend  ausgeblieben. In Frankreich dagegen kann man sich durchaus vorstellen, in einen Wettbewerb zu diesem amerikanisch dominierten Internet zu gehen. Dahinter steckt die Idee, Namenszonen über eigene Server und Provider rooten zu lassen. Sogar ein eigenes französisches Domain Name System wird da sehr ernsthaft diskutiert.

Zunächst einmal sieht es im Moment so aus, als würde sich der Streit zwischen Amerikanern und Europäern zuspitzen. EU-Kommissarin Viviane Reding gießt da gerade sehr schön Öl ins Feuer. Sie will beispielsweise eine G12-Gruppe für Internet Governance einrichten. Das soll ein multilaterales Forum sein, das über die Struktur von Namens und Adressräume diskutiert. Dieses Forum soll der ICANN ganz konkrete Empfehlungen geben mit quasi Gesetzescharakter. Reding zufolge soll dann Nordamerika zwei Vertreter in dieses Internet-G12 entsenden, und je zwei Vertreter sollen aus Südamerika, Europa und aus Afrika kommen, dann noch drei Vertreter aus Asien. Der ICANN-Vorsitzende soll G12-Mitglied ohne Stimmrecht werden. Die ITU könnte dann eine Art Beobachterstatus erhalten, aber das lehnen die USA wiederum vollkommen ab. Den gesamten Vorschlag halten sie für unausgegoren. Da wird sich wohl bald die UNO in diesen Streit einmischen, so dass dann nach 2003 und 2005 wohl bald der dritte Weltinformationsgipfel angesagt ist.

Im Moment ist auch Obama nicht in der Lage, das Problem zu lösen. Sein Wahlspruch "Yes Ican" passt hier nicht so recht zum Thema.




zurück zum Archiv
Anhören:


Audiodatstream
Download 128 Kbit/s (~27 MB)
Download 32 Kbit/s (~7 MB)
Ogg Vorbis 56 Kbit/s (~12 MB)
RSS Feed (Audiocast, letzte 5 Sendungen)
RSS Feed (Audiocast, alle Sendungen)

Druckversion Impressum Haftungsausschluss