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SENDUNGSARCHIV

25.12.2006
Folge 23

Alte Zeiten leben wieder auf

Der Computer ist ein Kind des vergangenen Jahrtausends. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass der erste Computer seine Fähigkeiten zeigen konnte. 1941 nimmt man als das Jahr an, in dem der erste programmgesteuerte Computer  - mit allen Elementen eines elektronischen Rechners - seinen Dienst aufnahm. Der Erfinder dieser digitalen Maschine war Konrad Zuse. Lange Zeit standen seine Entwicklungen unter den Geheimprojekten des Nazireichs, so dass die Welt erst nach dem Ende des Krieges von den Forschungen erfuhr.



Zuse, den ich vielleicht 15 Mal in meinem Leben persönlich treffen durfte, erlitt mit seiner großartigen Idee einen totalen Reinfall. In den Patentverhandlungen über die Erfindung eines digitalen Rechengerätes ist er 1956 den Anwälten der amerikanischen Firmen wie IBM und Honeywell u.m. unterlegen. Ein Treppenwitz der Geschichte: Zuse erhielt kein Patent auf den ersten Computer - und zwar wegen fehlender Erfindungshöhe.

1980 war für viele in der Bundesrepublik so ein Startjahr für den eigenen Computer, so wie das Jahr 1994 das Startjahr für den Internetanschluss war. Damals gab es zwar schon vereinzelt Heimcomputer, wie Apple und dessen Nachbauten. Dann aber ging es richtig los mit einer Flut an neuen Geräten. Monatlich kam etwas Neues auf den Markt und man konnte schon den Überblick verlieren. 1980 machte ich meinen ersten Film über Konrad Zuse. Er wurde 70 Jahre alt und er konnte noch 15 Jahre die Entwicklungen auf dem Gebiete der Informationstechnik miterleben.

Anfang der 80er gab es auch die ersten Zeitschriften für diesen explodierenden Markt. Mit der Chip begann ein Blatt mit Informationen zur Benutzung der neuen und fremden Geräte.  Schon bald gesellte sich die mc hinzu und auch die c't liess nicht lange auf sich warten. Es gab noch jede Menge Neuansätze für Computerzeitschriften wie Computer persönlich und vieles mehr.

Anfang der 80er Jahre brodelte es so richtig in der Computerküche. Die  Leute, die sich für das neue Hobby ernsthaft interessierten, waren noch keine Tausende; doch nach und nach wurden schon erkleckliche Stückzahlen von den Maschinchen verkauft.

Auch die Medien ließen nicht lange auf sich warten. Man entdeckte, dass sich hier etwas Neues auftat, was vielleicht einmal Relevanz aufzeigen könnte. Der Wissensdurst war ungebrochen. Die Leute wollten wissen, wie so ein Computer funktioniert. Und schließlich gab es auch schon Spezialisten, die sich ihren Computer selbst zusammenbauten.

Als wir 1983 so richtig mit dem Computerclub begannen, da war die Erde schon leicht für Saat vorbereitet. Das Geld für einen Apple hatte nicht jedermann, denn über 4000 DM wollte man dafür haben. Doch nach und nach kamen dann die billigeren Nachbauten, die genausogut arbeiteten - aber für 1000 Euro zu haben waren.

Eine Sensation stellte auch der Papiercomputer von mir und Ulrich Rohde dar, der 1983 zum meist verbreiteten Computer gehörte, da er als Papiercomputer 300.000 mal verschenkt wurde. Hier wurde den Hobbyisten die Möglichkeit geboten, in Maschinensprache Probleme zu lösen.


Ulrich Rohde - Der theoretische Praktiker

Ulrich Rohde, der vierte im Bunde, ist ebenfalls von Anfang an in der Szene verwurzelt. Er gab der Deutschen Computerszene viele Impulse, die sehr nachhaltig waren. Als Redakteur und später Chefredakteur der Zeitschrift mc setzte er viele Ideen um, die damals vielen Lesern Spaß machten. Auch bei dem Projekt von Rolf Dieter Klein wqar er begleitend von Anfang an dabei. Ebenso begleitete er den Computerclub von Anfang an.



Ulrich Rohde hat Mathematik studiert und so waren seine Ideen immer sehr tiefgründig und zum Teil auch sehr theoretisch. Mit ihm entwickelte ich den legendären Knowhow Papiercomputer, der 300.000 Mal Anfang der 80er Jahre an unsere Zuschauer verschenkt wurde.

Meine Suche bei Google nach dem Begriff Rohde fiel ziemlich mager aus. Ich wollte nämlich mal schnell ein Bild von ihm kopieren. Doch Fehlanzeige. Nun habe ich ihn auf einer Geburtstasfeier von mir gefunden.Damit sind auch die Rechte besser abgeklärt.

Ich weiß nicht, auf welche Entwicklungen wir in der Sendung stoßen werden. Vielleicht ist ja auch der Scanvorgang dabei, der mir damals sehr imponierte. Es gab eine Zeit ohne Internet, in dem man nicht so einfach Computerprogramme verteilen konnte. Entweder musste man eine Diskette haben oder gar eine Audiokassette auf der die Programme gespeichert waren.

Der Computerclub machte sich ja auch früh Gedanken, wie er dies transportiert bekommt. Das Ausstrahlen des Tonsignals einer Audiokassette führte später dazu, dass dies als Hardbitrock bezeichnet wurde. Es war ein fürchterlich lautes Gekreische, was da mit voller Lautstärke über den Sender ging.

Später kam ja das Videodatverfahren, das sehr viel eleganter war und keinen Krach mehr verursachte.

Uli war immer damit beschäftigt, wie er in seinem Medium Zeitschrift auch so etwas hinbekommen könnte. Nun hat eine Zeitschrift ja bekanntlich weder einen Audio- noch einen Videokanal. Und doch fand er eine raffinierte Lösung.

Die Methode wurde sogar patentiert. Un d noch ein paar Worte zur damaligen Zeit: Viele Hobbyprogrammierer saßen z.B. vor dem Btx Terminal oder aber auch vor der Zeitschrift und tippten per Hand die Basiczeilen ab. Das war schon sehr anstrengend,  denn man durfte keinen Fehler machen, denn sonst lief das Programm nicht.

Damals kamen die Handscanner so langsam in den Computerhaushalt. Uli druckte in seinem Heft sehr komprimierte Texte in einem besonderen Code ab, die man mit dem  bloßen Auge gar nicht erkennen konnte. Und dann der User zu Hause?

Er fuhr mit dem Handscanner den Zeitschriftenteil ab, übergab das Ergebnis einem speziellen Programm - und wenn er Glück hatte, dann hatte er ein laufendes Computerprogramm. All dies waren Versuche, die Verbreitung von Computerprogrammen zu automatisieren.

Vielleicht kommen wir auch dazu, etwas über unsere Mailboxen zu erzählen. Sowohl der TEDAS Dienst von Franzis wie auch der KOMCOM, der Kommunikationscomputer, des WDR gehörten zu den ganz frühen privaten Mailboxen in Deutschland. In der Szene waren beide Boxen sehr bekannt.

Jetzt will ich gar nicht so viel erzählen, sonst wird die Spannung zerstört. Auf jeden Fall wird es eine "hörenswerte" Sendung werden. Da sie eine Stunde lang ist, fällt auch das doppelte an Datenaufkommen an. Der Download wird dann bei 128 kbit/s um die 60 MB liegen. Die Lowversion wird 15 MB ausmachen. Aber in Zeiten von DSL ist das doch Peanut.


Rolf Dieter Klein - Ein Könner der 1. Stunde

Rolf Dieter Klein aus München war für mich eigentlich immer wie ein Phantom. Ich erfuhr immer von anderen, was er wieder entwickelt hat. Und ich war voller Ehrfurcht über seine Leistungen. Einen eigenen modularen Computer mit zeitgemäßen Elementen aufzubauen - dazu gehörte schon so ein bißchen Steve Jobs Mentalität. Wir hatten eigentlich nie länger miteinander gesprochen, obwohl wir beide so lange in der selben "Suppe" herumrührten. Es ergab sich einfach nicht.

Jetzt ist also Premiere und ich glaube dadurch wird das gemeinsame Gespräch noch besser. Das, was mir natürlich als größte Leistung von ihm hängengeblieben ist, ist seine Computerentwicklung für die NDR Sendung. Ich traute mir damals nicht zu, einen solches Selbstbauprojekt erfolgreich durch zuziehen. Ich hatte größte Achtung vor den Leuten, die dies konnten - und dann auch vor dem Programmieren nicht zurückschreckten.


1984 wurde dann der NDR Klein Computer vorgestellt, der ein modulares Prinzip verfolgte. Der Computer hat es bis in die Wikipedia geschafft.



Der NKC, auch NDR-Klein-Computer genannt, war ein Selbstbauprojekt aus den frühen 1980er-Jahren, welches seit 1984 durch die Fernsehsendung ComputerTreff des Bayerischen Fernsehens begleitet wurde (ComputerTreff wird und wurde oft mit dem WDR Computerclub verwechselt).

Im Jahre 1984 brachte das NDR-Schulfernsehen unter der Leitung von Joachim Arendt eine 26teilige Fernsehserie mit dem Titel “NDR-Klein-Computer” heraus, die je 15 Minuten dauerte. In dieser Sendung ging es nicht nur darum, dem Zuschauer die Funktionsweise eines Computers nahe zu bringen, sondern es wurde ein modulares System vorgestellt, mit dem der technisch interessierte Laie in der Lage war, von den einfachsten Beispielen aus der Sendung bis hin zum hochwertigen Heimcomputer seine praktischen Übungen zu absolvieren. Die Idee zu diesem modularen System stammt von Rolf-Dieter Klein, der damals Autor bei der Computerzeitung mc war.

Mit einer Artikelserie begleitete er die von ihm auch moderierte Fernsehserie. Außerdem brachte er ein Buch zum gleichen Thema heraus (“Mikrocomputer selbst gebaut und programmiert” von Rolf-Dieter Klein, Franzis Verlag). Der Franzis Verlag brachte die Fernsehserie als Videokassetten heraus und von der mc erschienen mehrere Sonderhefte zu speziellen Themen zu diesem Computer-System. Das System wurde von den Firmen Graf-Elektroniksysteme, Kempten und dem Elektronikladen-Detmold vertrieben. Die Firma fischertechnik lieferte einen Roboterbausatz, der eine der anschaulichsten Anwendungen des NDR-Computers darstellte. Das größte Bildungsprojekt-Mikrocomputer seiner Zeit war angelaufen.

Die Modularität des NDR-Computers war seine größte Stärke. Vom einfachen 8Bit-Einplatinen-Computer, auf Z80A Basis, mit dem einfache Steuerungsaufgaben erledigt werden konnten, bis zum 32Bit-System mit einer 68020 CPU reichte sein Hardwarespektrum. Das Software-Spektrum dieses Systems reichte von Bits und Bytes in EPROMs bis zum Betriebssystem CP/M und den darauf lauffähigen Programmen und Programmiersprachen. Sogar MS-DOS fand mit Hilfe einer 8088CPU-Karte seinen Weg zum NDR-Computer. Einige NKC-Systeme sind immer noch in Betrieb, allerdings mit PS/2-Tastaturen und 3.5"-Floppy. Mittlerweile auch mit IDE Festplatte und modernen Speichern.




Ich bin selbst gespannt, was uns Rolf Dieter Klein zu erzählen hat. Sicherlich wird mit unserer Sendung ein einmaliges Zeitdokument entstehen, indem die deutschen Medienpioniere zusammen sich die Erinnerungsbälle zuwerfen können.


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