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SENDUNGSARCHIV

01.01.2007
Folge 24

Btx - eine freudige Leidensgeschichte

Wenn etwas Neues in der Welt der Technik sich anmachte, zu einem Dienst zu werden, da waren wir immer sehr schnell dabei. Wenn wir so ein bisschen kapiert hatten, wie die Entwicklung zu nutzen war, so machten wir uns Gedanken, wie wir das unseren Zuschauern nutzbar machen könnten. So war dies Ende der 70er Jahre der Videotext, der so langsam in die Fernsehgeräte wanderte. Immer mit einem kräftigen Aufpreis versehen.



Doch jetzt konnte man etwas unabhängig vom normalen Fernsehprogramm senden. Auch wenn es lange dauerte, bis ein paar Seiten eingelesen waren. Doch damals waren wir noch nicht so verwöhnt. Rückblickend muß ich gestehen, dass wir wohl mehr Geduld und Zeit hatten. Wenn eine Seite 30 Sekunden braucht, um im Videotextzyklus angezeigt zu werden, dann waren es eben 30 Sekunden. Das war allemal schneller, als wenn man dies von Hand hätte tippen müssen. So ändern sich die Zeiten.

Doch der Videotext kam in den 70er Jahren schon mit Farbe daher, als noch lange nicht jeder einen Farbfernseher sein eigen nannte. Die Farben waren sehr begrenzt (16 Farben), doch es war neu und damit zuerst einmal sensationell. Der Standard war einfach gestrickt; doch er gilt heute noch. 25 Zeilen mit 40 Zeichen pro Zeile - macht 1000 Byte pro Seite. Nicht sehr viel, doch die damalige Technik war damit schon recht ausgereizt. Es war damals nicht an einen Seitenspeicher zu denken, wie er heute immer öfter in den neuen Geräten zu finden ist.

Nehmen wir einmal an, es wären 300 Videotextseiten (heute sind es viel mehr) gespeichert gewesen, dann wäre dies von einem 300 KByte Speicher zu leisten gewesen. Doch der war damals noch unbezahlbar für solche 'Spielereien'. Unsere Heimcomputer der ersten Stunde hatten gerade einmal 4 Kbyte Speicher - oder der ZX81 gerade einmal 1 KByte.

Ende der 70er Jahre kam dann eine vielversprechende Technik ins Gerede: Der Bildschirmtext. Dies sollte nun plötzlich quasi ein Videotext für jedermann werden. Während der Videotext ja fest an einen Fernsehsender gebunden war und lediglich eine Einbahnstraße darstellt, sollte die neue Technik nun bidirektional sein und sie war mit persönlichen Daten versehbar. Plötzlich sprach man von dem elektronischen Brief oder besser von der elektronischen Postkarte. Keine Wartezeit mehr, kein Briefträger wurde benötigt. Wir spinnten schon von verrosteten Briefkästen, weil niemand mehr die Klappe über Jahre öffnete.

Doch es sollte ganz anders kommen. Der Bildschirmtext war für die damalige Zeit ein äußerst schwer zu begreifender Dienst. Wie sollte man das alles verstehen. Digitaltechnik und Datenübertragung und Passwort und Tastatur und Bildschirm und und... Die meisten Menschen damals hatten von keiner der angesprochenen Techniken eine Ahnung und so hatte es der Bildschirmtext von Anfang an schwer, sich durchzusetzen.

Und dann kam noch etwas ganz gravierendes hinzu: Es war teuer zunächst einmal Bildschirmtextteilnehmer zu werden. Wer 2000 Mark hinblätterte, der bekam dafür eine recht kärgliche Btxstation. Dann kam die Anmeldung. Mit 8 Mark pro Monat war man dabei. Wer sich frühzeitig anmeldete, der hatte wenigstens das Vergnügen, dass er einige Testjahre ohne zusätzliche Gebühren verbringen konnte.

Da waren zum einen die Gebühren für den Mitteilungsdienst, so hiess der heutige Emaildienst. 10 Pfennige für eine kümmerliche Nachricht von 20*40 Zeichen. Die nächste Seite dann wieder 10 Pfennige. Eventuell landete man auch auf einer Seite, die bis zu 9.99 DM gebührenpflichtig gemacht werden konnte. Da überlegte man sich zweimal, ob einem das wert ist.

Jedenfalls führte das dazu, dass am Anfang - und auch die nächsten Jahre - der Bildschirmtext ein Fremdwort blieb und die Zuwachszahlen einfach marginal wuchsen. Und damit entstand das nächste Problem. Warum soll ich so viel investieren, wenn nichts interessantes im System steht. Das hätte man ja ändern können, indem mehr Anbieter da gewesen wären. Doch warum sollten die Anbieter etwas anbieten, wenn es keine Leute im System gibt, die dies anklickten. Eine Teufelschlange - das typische Henne-Ei Problem.

Für Anbieter wurde es noch teurer. Sie mussten sich zunächst einmal eine Leitseite besorgen (Homepage). Wer nur gebietsweise (NRW) anbieten wollte, der zahlte 50 Mark pro Monat und wer bundesweit anbieten wollte, der war mit 350 Mark pro Monat dabei. Bei den geringen Teilnehmerzahlen war das gebietsweise anbieten quasi unsinnig, weil man gar keine Chance hatte, dass da mal jemand vorbeikam.

Gedacht war es, dass der Händler von nebenan den Eingang einer Ladung Bananen avisieren könnte und die Kunden von nebenan kommen scharenweise angelaufen, um die Bananen zu kaufen. Puste Kuchen!

Das System war so techniklastig und damit so schwer zu bedienen, dass der Bananenverkäufer selbst so gut wie nicht in der Lage war, den Posten 'Bananen' in den Bildschirmtext selbst einzustellen. Die Nutzung des sogenannten Editors war so kompliziert gestaltet, dass man sicher sein konnte, dass kein normaler Mensch dies schaffte. Und dann kostete es natürlich wieder Geld, diesen Editor zu benutzen.


Ulrich Rohde - Der theoretische Praktiker

Ulrich Rohde, der vierte im Bunde, ist ebenfalls von Anfang an in der Szene verwurzelt. Er gab der Deutschen Computerszene viele Impulse, die sehr nachhaltig waren. Als Redakteur und später Chefredakteur der Zeitschrift mc setzte er viele Ideen um, die damals vielen Lesern Spaß machten. Auch bei dem Projekt von Rolf Dieter Klein wqar er begleitend von Anfang an dabei. Ebenso begleitete er den Computerclub von Anfang an.



Ulrich Rohde hat Mathematik studiert und so waren seine Ideen immer sehr tiefgründig und zum Teil auch sehr theoretisch. Mit ihm entwickelte ich den legendären Knowhow Papiercomputer, der 300.000 Mal Anfang der 80er Jahre an unsere Zuschauer verschenkt wurde.

Meine Suche bei Google nach dem Begriff Rohde fiel ziemlich mager aus. Ich wollte nämlich mal schnell ein Bild von ihm kopieren. Doch Fehlanzeige. Nun habe ich ihn auf einer Geburtstasfeier von mir gefunden.Damit sind auch die Rechte besser abgeklärt.

Ich weiß nicht, auf welche Entwicklungen wir in der Sendung stoßen werden. Vielleicht ist ja auch der Scanvorgang dabei, der mir damals sehr imponierte. Es gab eine Zeit ohne Internet, in dem man nicht so einfach Computerprogramme verteilen konnte. Entweder musste man eine Diskette haben oder gar eine Audiokassette auf der die Programme gespeichert waren.

Der Computerclub machte sich ja auch früh Gedanken, wie er dies transportiert bekommt. Das Ausstrahlen des Tonsignals einer Audiokassette führte später dazu, dass dies als Hardbitrock bezeichnet wurde. Es war ein fürchterlich lautes Gekreische, was da mit voller Lautstärke über den Sender ging.

Später kam ja das Videodatverfahren, das sehr viel eleganter war und keinen Krach mehr verursachte.

Uli war immer damit beschäftigt, wie er in seinem Medium Zeitschrift auch so etwas hinbekommen könnte. Nun hat eine Zeitschrift ja bekanntlich weder einen Audio- noch einen Videokanal. Und doch fand er eine raffinierte Lösung.

Die Methode wurde sogar patentiert. Un d noch ein paar Worte zur damaligen Zeit: Viele Hobbyprogrammierer saßen z.B. vor dem Btx Terminal oder aber auch vor der Zeitschrift und tippten per Hand die Basiczeilen ab. Das war schon sehr anstrengend,  denn man durfte keinen Fehler machen, denn sonst lief das Programm nicht.

Damals kamen die Handscanner so langsam in den Computerhaushalt. Uli druckte in seinem Heft sehr komprimierte Texte in einem besonderen Code ab, die man mit dem  bloßen Auge gar nicht erkennen konnte. Und dann der User zu Hause?

Er fuhr mit dem Handscanner den Zeitschriftenteil ab, übergab das Ergebnis einem speziellen Programm - und wenn er Glück hatte, dann hatte er ein laufendes Computerprogramm. All dies waren Versuche, die Verbreitung von Computerprogrammen zu automatisieren.

Vielleicht kommen wir auch dazu, etwas über unsere Mailboxen zu erzählen. Sowohl der TEDAS Dienst von Franzis wie auch der KOMCOM, der Kommunikationscomputer, des WDR gehörten zu den ganz frühen privaten Mailboxen in Deutschland. In der Szene waren beide Boxen sehr bekannt.

Jetzt will ich gar nicht so viel erzählen, sonst wird die Spannung zerstört. Auf jeden Fall wird es eine "hörenswerte" Sendung werden. Da sie eine Stunde lang ist, fällt auch das doppelte an Datenaufkommen an. Der Download wird dann bei 128 kbit/s um die 60 MB liegen. Die Lowversion wird 15 MB ausmachen. Aber in Zeiten von DSL ist das doch Peanut.


Rainer Wojtenek - ein Mann der ersten Stunde

Wer ganz früh bei Btx dabeiwar, der lernte früher oder später Rainer Wojtenek mit seinem Btx Programm Rainbow kennen. Auch heute noch hat er das Btx'en noch nicht ganz abgelegt, denn die Seite http://www.morgenblitz.de gibt es heute noch im Internet und das Programm verbreitet noch so ein bisschen den Duft des großen weiten Bildschirmtextes.


Rainer Wojtenek

Rainer ist Berliner und dort gab es auch die erste und wohl größte Btx Community. Hier wurde vieles probiert und getüftelt. Man war ständig auf der Suche nach einem besseren Btx. Man giftete die damalige Bundespost an, wenn man hier wieder eine falsche Entscheidung getroffen hat.

Ganz besonders das Abrechnungsverfahren, in dem die Anbieter ihre Anbietervergütungen bekommen sollten, stand im Mittelpunkt der Kritik. Man konnte zwar sowieso nicht viel damit verdienen, doch die Post drehte gerne den Spieß um und machte aus dem "Wenig" ein "Nichts". Da wurden plötzlich Grenzen eingezogen, bei dem es sich erst lohnen sollte, eine Zahlung zu tätigen, da wurden plötzlich Gebühren aufgezählt, die den kleinen Gewinn für den Anbieter wieder aufgefressen haben. Und dann waren da die vielen vielen Verweigerer. Sie haben zwar gebührenpflichtige Seiten aufgerufen; dabei haben sie aber darauf geachtet, dass nicht zu viele Seiten bei einem Anbieter zusammenkamen, so dass die monatliche Summe nicht zu hoch wurde.

Btx Gebühren wurden mit der Telefonrechnung eingezogen. Das heißt: dieser Passus war recht theoretisch. Da die Btx Gebühren auf der Telefonrechnung gesondert ausgewiesen waren, machten sich viele Btx'ler einen Spaß daraus, die Telefonrechnung zwar zu bezahlen; die Btx - Gebühren rechneten sie von der Gesamtsumme ab.

Dann bekam der Anbieter eine Mitteilung, dass der Kunde xyz 1.98 DM Btx- Gebühren verweigert hat zu zahlen. Für die Post war die Sache damit erledigt. Ein Rechtsstreit war nun auf dem Zivilrechtswege auszustehen. Es war quasi unmöglich für diese Summe, den Streitwert, einen Rechtsanwalt zu finden, der das Verfahren gegen xyz eröffnet hätte. Peanuts - hieß es immer wieder. Und wenn der gleiche xyz im nächsten Monat 3,87 DM Gebühren verursachte - es blieb dabei: der Anbieter hatte das Nachsehen.

Das war alles sehr unerfreulich und so blieb die Btx - Gemeinde lange Zeit unter sich. Da  man mit seiner Arbeit kein Geld verdienen konnte, blieben auch die interessanten Angebote aus.

Auch über die Bedienung des Systems muss man ein paar Worte verlieren. Als der Versuchsbetrieb eingestellt wurde und das Ganze ging in den Regelbetrieb über, sprossen auf einmal aus allen Ecken neue Belastungen hervor. Da kostete das etwas und das etwas, was vorher noch frei war. Wer zum Beispiel sein Programm selbst aktualisierte, der musste einen Editor bemühen, um einen neuen Inhalt zu generieren. Dieser Editor kostete Geld. Jede Minute ca. 10 Pfennige. Wer sich zu lange darin aufhielt, der hatte eine dicke Rechnung am Monatsende. Dieser Editor war eigentlich die Ausgeburt einer schrecklichen Programmierung. Die ersten Heimcomputer hätten es nicht gewagt, mit so einer Sofortware am Markt zu erscheinen. So weit ich mich erinnere, so war es nicht möglich, etwas zu insertieren, sondern es musste alles neu getippt werden.

Und dann die Erstellung von sogenannten Grafikseiten im CEPT - Modus war eine Arbeit für Leute, die eigentlich mit dem Leben schon abgeschlossen hatten. Harakiri war ein Ausdruck der Milde für diesen Murks. Man musste sich Wirkung einzelner Bildpunkte in einer Gesamtgrafik vorstellen können und dann musste man die entsprechende Taste finden. Meistens ging das nicht gut. Und wenn man dann doch etwas Besonderes zustande gebracht hatte, dann wurde man von den Usern auch noch beschimpft. Diese grafischen Seiten hatten es nämlich in sich. Die Ladezeit für die Seite erhöhte sich erheblich, so dass der User beim Aufruf immer wieder frustriert wurde und als Dank für die viele Arbeit wurde diese aufwändige Seite eben nicht mehr besucht.

Aber hören Sie selbst in die Sendung hinein. Nicht jeder der heutigen Zuhörer wird die besprochenen Themen komplett verstehen - denn Btx das war mal irgendwann eine große deutsche Erfindung, die falsch angepackt wurde. Leider.

Das mitgeschickte Bild vom Studio, in dem das Gespräch stattfand, finde ich so nett, so dass es hier auch Platz finden soll. Von dort machten wir auch unsere Funkausstellungssendung aus Berlin . Am Regiepult ist Wofgang Nölke.



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