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06.09.2010
Folge 236

3-D im Wohnzimmer

Heinz Schmitz

Die Unterhaltungselektronik Industrie setzt auf räumliche Darstellung im Fernsehen. Die scheinbar neue Technologie soll den Absatz von TV-Geräten der hohen Preisklasse beschleunigen. Allerdings, schaut man genau hin, so sind räumliche Darstellungen nicht neu (http://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopie). Anfang des vorigen Jahrtausends experimentierte man mit Schaukästen in denen für jedes Auge das entsprechende Bild war. Der Betrachter hatte so einen räumlichen Eindruck.


Heinz Schmitz über den Medienhype und die Technologien zur räumlichen Darstellung von Bildern und Filmen.

Schon in den 50/60 Jahren kannte man die so genannten Anaglyphen (http://de.wikipedia.org/wiki/Anaglyphenbild). Bei diesem Verfahren werden die Bilder für das linke und das rechte Auge verschieden eingefärbt. Bei Monochromen Bildern färbte man rot/grün bei Farbbildern nimmt man bis heute cyan/rot. Eine Brille mit Farbfiltern ordnet dann den Augen das jeweils richtige Bild zu. Es gab sogar Spielfilme die in dieser Technik produziert wurden. Der fehlende natürliche Farbeindruck verhindert, dass dieses Verfahren für die Unterhaltungselektronik tauglich ist.

Ein weiteres Verfahren, das heute noch in Kinos zum Einsatz kommt, ist die Polarisation. Das Bild für ein Auge wird horizontal polarisiert und das andere vertikal polarisiert projiziert. Eine Brille mit Polfiltern ordnet die Bilder den Augen zu. In diesem Verfahren kann man Kinofilme einer großen Zuschauerschaft präsentieren und die Kosten für die Brillen bewegen sich im Cent-Bereich. Für das Heimfernsehgerät ist das Verfahren nicht möglich, da es fast unmöglich ist, die Folien mit wechselnder Polarisierung den Pixeln zuzuordnen. Hinzu kommt, das die heute üblichen TFT Bildschirme schon eigenen Polarisationen vornehmen.

Die TV-Geräte die heute angeboten werden arbeiten mit so genannten Shutterbrillen (http://de.wikipedia.org/wiki/Shutterbrille). Die Gläser bestehen aus LCD Modulen, die synchron zur Bildschirmdarstellung verdunkelt oder durchsichtig geschaltet werden. Auf dem Bildschirm werden nacheinander die Bilder für das rechte und das linke Auge angezeigt. Ein Infrarotsignal des Bildschirms synchronisiert die Umschaltung mit dem Bildwechsel. Der Nachteil dieser Technik ist, dass durch die Bildwechsel  für das rechte und linke Auge die Wiederholfrequenz halbiert wird. Zum anderen sind die Brillen nicht wirklich durchsichtig und es geht ein großer Teil der Helligkeit verloren. Bei sehr hellen Sequenzen kann es auch zu „Geisterbildern“ kommen, weil dann die Umschaltung der Bilder nicht schnell genug ist. Zudem sachlagen die Shutterbrillen noch mit 100-200 Euro zu Buche und sie sind auch von Hersteller zu Hersteller inkompatibel. Es hilft also nicht, seine eigenen Brille mit zum Fernsehabend bei einem Freund zu nehmen, wenn sein 3-D TV von einem anderen Hersteller ist.

Alle Verfahren, die Brillen benötigen sind zudem unbequem. Es gibt und gab allerdings Verfahren, auch ohne Brille räumliche Darstellungen zu erzeugen. Eine Firma, die so ein Verfahren entwickelt hat, ist in Jena ansässig. Die ehemalige 4D-Vision, heute Newsight (http://www.newsight.com/) projiziert 8 Bilder auf parallel ausgerichtete Zylinderlinsen. Sehr vereinfacht handelt es sich um Glasröhren. Auf dem Bildschirm dahinter werden die verschiedenen Bilder gleichzeitig angezeigt. Das Auge nimmt immer zwei Bilder war, und damit den stereoskopischen Eindruck war. Bewegt man den Kopf, sieht man andere Bilder und man hat den Eindruck man würde sich im Raum bewegen.

Schon vor Jahren hatte das US-Unternehmen Provision Entertainment mit Holovison (http://www.provision.tv/) ein vergleichbares Verfahren für den Einsatz in Spielautomaten entwickelt. Die Darstellungen ist beeindruckend. Das System ist jedoch so kompliziert und teuer, dass es für den Massenmarkt ungeeignet ist.

Forscher des Fraunhofer und des HHI haben „Free2C_digital“ entwickelt, über dass wir in den Schlagzeilen berichteten (http://www.cczwei.de/index.php?id=news&newsid=456). Hier wird die Position des Kopfes überwacht und die Bilder für das linke und das rechte Auge werden entsprechende aufbereitet. Vor dem Bildschirm ist eine prismatische Folie als Parallaxenschranke angebracht, wie man sie schon von seit Jahren von den 3-D Postkarten kennt.

Auf das gleich Verfahren, mit einer Folie vor dem Bildschirm, der das Teilbild nuch nach rechts oder links durchlässt, setzt Nintendo mit der 3DS Spielkonsole und Sharp mit dem 3-D Handy, das in diesem Jahr in Japan auf den Markt kommen soll.

Andere Verfahren, wie der rotierende schraubenförmige Spiegel von IBM und der durch Lautsprecher in Schwingung versetzt Spiegel von Vector-General habe am Markt nie wirklich eine Rolle gespielt.

Neben der hinderlichen Technik für das Heim-TV sind noch die Quellen zu beachten. Es gibt zwar eine Grundvereinbarung, wie man 3D-TV zukünftig übertragen will aber es bleichen noch viele Fragen offen. Nicht jeder wird sich sofort ein 3-D TV kaufen, wie baut man die Signale zusammen, damit auch auf einem normalen TV-Gerät ohne Shutterbrille ein Programm gesehen werden kann und nicht ein Doppelbild, wie man es heute in den Vorführräumen der TV-Geschäfte sehen kann. Fraunhofer hat hierfür einen Multiview-Codec (http://www.cczwei.de/index.php?id=news&newsid=472)  vorgestellt, der zum einen das Datenvolumen um 40% reduziert und zum anderen bis zu 16 Ansichten in den Datenstrom integriert. Er ist kompatibel zu dem existierenden H.264/AVC Standard.

Allerdings sind die Sender noch nicht auf 3-D eingestellt. Mühsam schaffen sie gerade den Sprung in die HD-Welt. Räumliches Fernsehen würde wieder hohe Investitionen in die Studio- und die Übertragungstechnik bedeuten. Die einzige Quelle für 3-D Filme sind zurzeit Blue-Ray Filme, wenn man einen entsprechenden Player und ein dazu kompatibles TV-Gerät hat.


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