ComputerClub 2
Sitemap Kontakt
  Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
Suche:   Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
  Aktuelle Sendung
  Nächste Sendung
  Sendungsarchiv
  Downloads


SENDUNGSARCHIV

20.09.2010
Folge 238

Der virtuelle Kassettenrecorder

Heinz Schmitz

Es war einmal in der grauen Vorzeit der elektronischen Unterhaltung, als das Internet noch Zukunft war, digitales Radio oder Fernsehen war nicht mal theoretisch angedacht. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Hörer an die die Zeit als wir Samstagnachmittag vor dem Mittelwellenradio saßen, die RLT-Hitparade mit Camillo Felgen oder später Frank Elster hörten. Auf dem Tonband, später dem Kassettenrecorder wurden die neusten Schlager aufgenommen. So hatte man während der Woche immer die neuste Musik und konnte bei den Spielkameraden angeben. Andere versuchten BFBS zu empfangen um die tolle Countrymusik aus dem Äther zu erwischen.

Na ja, heute hat man das Internet. Tausende von Radioprogrammen stehen zur Verfügung. Will man allerdings etwas aufnehmen, so muss man eben zu dieser zeit am Rechner sitzen und die Festplatte anschmeißen – oder greift auf externe Dienstleistung zurück.


Der Kassettenrecorder ist heute virtuell im Internet (Grafik: Tobit)

Radio.fx  (http://www.radio-fx.de), eine Software von Tobit (http://www.tobit.com) aus dem Münsterland bietet so einen Service. Der Service ist der Nachfolger von ClipInc, das 2003 angetreten war, um Nutzern von Tauschbörsen legale Alternativen für den kostenfreien Musikbezug aufzuzeigen. Das Prinzip war und ist dabei der gute alte Mitschnitt, der für die digitale Welt neu umgesetzt wurde. Dank PCs mit riesigen Speicherkapazitäten, Breitband-Internet, digitaler Übertragung über IP und StreamTag- und Mashup-Technologien haben Anwender heute ganz neue Möglichkeiten, Musik zu beziehen und für sich zu nutzen. Immerhin werden durchschnittlich 1.500 Songs pro Sekunde mit dieser Software an ihre Anwender ausliefert.

Die Anwender von Radio.fx bekommen ihre Lieblingstracks dank permanenter Aufzeichnung direkt aus dem Internet-Radio auf die Festplatte. Mashup-Technologien reichern die Radioaufnahmen automatisch um Texte, Coverbilder, Musikvideos, Künstlerinformationen und vieles mehr an. Mit den integrierten Jukebox- und Mixxtape-Funktionen lässt sich aus einzelnen Songs eine ganz eigene Kompilation kreieren.

Die Rechtmäßigkeit des Mitschnitts für den persönlichen Gebrauch ist bereits seit 1965 über das Urheberrechtsgesetz geregelt. Auch wenn bei der Aufzeichnung für den Nutzer keine zusätzlichen Kosten für die Musik anfallen, so ist sie doch nicht kostenlos: Neben den Rundfunkgebühren und Abgaben der Radiostationen zahlen auch Anwender indirekt beim Kauf von Datenträgern und Speichermedien eine Abgabe, die den Urhebern der Musikstücke zufließt. Man zahlt also bereits an verschiedensten Stellen für den Mitschnitt des Radioprogramms.

Ds Medienvertieb oder –verbreitung ein lukratives Geschäft sein kann, habe auch andere Anbieter erkannt. Vorreiter für bezahlte Inhalte war sicher Apple. Mit iTunes konnten Musikstücke zu einem erschwinglichen Preis erworben werden. Mit Ping sollen jetzt auch Serien angeboten werden.  
Dieser neuere Trend findet immer mehr Freunde unter den Anbietern. Hulu (http://www.hulu.com/) zum Beispiel ist eine Art Videorecorder im Netz. TV-Serien stehen in den USA online  zur Verfügung. Von solchen Diensten versprechen sich auch die herkömmlichen TV-Anstalten zusätzlichen Nutzen. Sei es die Mediathek der öffentlich rechtlichen Sender oder die P7S1/RTL Online Plattform. Google TV soll die Granze zwischen TV und Internet endgültig einreißen. Vor Weihnachten will Amazon noch eine Online Videothek ins Netz stellen und last not least will YouTube seinen Service um Video on Demand Angebote erweitern. Hier riehen sich auch Maxdome von United Internet, RLTNow von RLT und Videoload der Telekom ein.

Die Frage bleibt, ob die vorhandene Infrastruktur des Internet die explodierende Datenflut überhaupt bewältigen kann. Die Gefahr besteht, dass die Basis-Technologie, die ja aus dem vorigen Jahrtausend stammt, überhaupt für solche Datenmengen geeignet ist. Es wird zwar viel vom Internet 2.0 oder Next Generation Internet  geredet aber wie das aussehen soll weiß keiner. Und wie die notwendige Infrastruktur, sei es Kabel, Glasfaser oder Funk zeitnah aufgebaut werden könnte ist eine stolze Herausforderung für die Telekoms dieser Welt.


zurück zum Archiv
Anhören:


Audiodatstream
Download 128 Kbit/s (~27 MB)
Download 32 Kbit/s (~7 MB)
Ogg Vorbis 56 Kbit/s (~12 MB)
RSS Feed (Audiocast, letzte 5 Sendungen)
RSS Feed (Audiocast, alle Sendungen)

Druckversion Impressum Haftungsausschluss