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11.10.2010
Folge 241

IT in der Altenpflege

Technik kann auch in ganz normalen Lebensbereichen, wie der Altenpflege oder bei der Betreuung behinderter hilfreich sein. Computer, Roboter und andere automatisierte Hilfsmittel sind zwar kein Ersatz für Pflegekräfte, wie es mit dem Honda Asimo (http://asimo.honda.com) vorgegaukelt wird, aber sie können den Alltag lebensfroher gestalten helfen. In der Sendung haben wir natürlich nur einige Beispiele ansprechen können.

In der Wohnküche der Stiftungsresidenz St. Ilsabeen der Bremer Heimstiftung steht ein Laptop. Auf dem Bildschirm ist das Gesicht einer Frau zu sehen. Gegenüber hat Luise Otte, Bewohnerin des Hauses, Platz genommen. Schnell ist sie mit ihrer Betreuerin am anderen Ende der Leitung im Gespräch und plaudert angeregt. „Es ist schön, den anderen zu sehen – als säßen wir hier zusammen“, sagt Luise Otte. Einige Zimmer weiter dient der Laptop dazu, sich Fotos anzusehen. Der 102-jährige Johann Dohrmann nutzt die Technik, um in seinem virtuellen Familienalbum zu blättern. Enkel, Kinder, die Ehefrau und Familienfeiern wechseln auf dem Bildschirm einander ab. Per Knopfdruck verschwindet das eine und erscheint das andere Motiv. Ein Pflegeschüler schaut vorbei und setzt sich dazu. Man kommt miteinander ins Gespräch und tauscht lieb gewonnene Erinnerungen aus.


Heinz Schmitz über den Einsatz von Robotern und Co., die in der Altenpflege helfen, dass Leben lebenswert zu erhalten.

Hintergrund dieser Szenen ist ein Pilotprojekt mit dem Namen IT-Assist (http://www.cczwei.de/index.php?id=news&newsid=507).  Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern werden für ältere und an Demenz erkrankte Menschen entwickelte Computer und Programme erprobt. Sie weisen eine vereinfachte, vergrößerte Bildschirmdarstellung mit bildhaften Symbolen auf. Ein Klick auf einen breiten, auch von zittrigen Händen zu bedienenden Button ermöglicht es den Benutzern unter anderem, Fotobücher anzuschauen, Spiele zu spielen oder ganz individuell das Gedächtnis zu trainieren. Über eine installierte Kamera ist es möglich, sich via Bildtelefon mit Angehörigen weltweit auszutauschen.

Im Projekt  WiMi-Care (http://www.wimi-care.de/index.html) erforschen Wissenschaftler, welche Hilfestellungen technische Geräte bei der Pflege älterer und hilfebedürftiger Menschen leisten können.

Beispielsweise wurden in einem Stuttgarter Pflegeheim die dritte Generation des Service- Roboters Care-O-bot und das fahrerlosen Transportsystem CASERO getestet. CASERO , der kleine, L-förmige Wagen nahm dem Personal lästige Routinearbeiten ab, wie das Transportieren von Wäsche oder Postkörben. Die eingesparte Zeit, konnte wiederum für die Pflege aufgewandt werden. Dank seiner hervorragenden Navigation und dem gefälligen Design wurde der Roboter nicht als störend empfunden, weder von den Bewohner oder Angestellten noch von Besuchern. CASERO soll demnächst für Rundgänge während der Nachtschichten eingesetzt werden. Dabei fährt er pausenlos durch die Flure und meldet Ungewöhnliches, wie zum Beispiel gestürzte Bewohner, an eine Pflegekraft. Durch die am Roboter installierte Kamera kann sie direkt sehen, was passiert ist, und schnell reagieren.

Care-O-bot 3, ausgestattet mit einem Greifarm und einem ausklappbaren Tablett versorgte testweise Heimbewohner mit Getränken. Der knapp anderthalb Meter hohe Serviceroboter brachte dabei einen Becher mit Wasser sicher zu den Bewohnern und bot diesen auf seinem Tablett an. Durch seine Navigationsart kann sich der Roboter sehr flexibel fortbewegen, und braucht im Gegensatz zu CASERO dafür keine festen Routen. Allerdings zeigte der Test auch Grenzen auf: Zwar nahmen die Bewohner das Wasser vom Tablett des Care-O-bots, aber er konnte sie nicht, wie eine Pflegekraft, zum Trinken animieren. Außerdem konnten seine Bewegungen nicht gut vorhergesehen werden. Dadurch wurde er leicht zum Hindernis. Care-O-bot 3 soll weiterentwickelt werden: So sollen Heimbewohner auf einem Touchpad Gesellschaftspiele direkt am Roboter spielen können oder sich Musik vorspielen lassen.

Nicht nur Roboter können nützliche Helfer sein. Ein Forschungsteam der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) (http://www.epfl.ch) in der Schweiz hat einen elektrischen Rollstuhl entwickelt, der durch Gedanken gesteuert wird und über eine Künstliche Intelligenz (KI) verfügt, die dem Fahrer dabei hilft, Hindernisse zu umfahren. Das Gemisch aus Gedankensteuerung und Künstlicher Intelligenz nennen die Forscher "Shared Control" und erhoffen sich dadurch die verbesserte Nutzbarkeit von Gedankensteuerungen. Die Technologie nutzt einen Helm mit Elektroden, um die Gehirnaktivitäten des Fahrers auszulesen und an einen Computer zu senden. Dieser interpretiert die Daten und leitet daraus ab, wohin sich der Rollstuhlfahrer bewegen möchte. Bevor sich der Rollstuhl so schnell und intuitiv steuern lässt, muss der Fahrer allerdings einige Stunden lang die Gedankensteuerung trainieren. Dies ist notwendig, da sich einerseits sein Gehirn daran gewöhnen muss. Andererseits muss auch das Steuerungssystem lernen, die spezifischen Gehirnaktivitäten des Lenkers zu interpretieren.

Ursprünglich waren so genannte Exosketts für militärische Einsätze gedacht. Sie sollten Soldaten übermenschliche Kräfte verleihen. Allerdings können sie auch in der Pflege nützlich sein. Mit dem robotischen Exoskelett "Rex" zum Beispiel kann ein Rollstuhlfahrer wieder gehen. Das hat der Neuseeländer Hayden Allen ausprobiert. Der durch eine Rückenmarksverletzung gelähmte Mann ist einer der ersten, der am eigenen Leib den Nutzen der Roboterbeine erleben konnte. Mit Rex kann ein Rollstuhlfahrer frei stehen und gehen. Noch dieses Jahr will das Unternehmen Rex Bionics (http://www.rexbionics.com) sein System in Neuseeland auf den Markt bringen. Ab 2011 soll Rex an den Rollstuhl Gefesselten in aller Welt neue Möglichkeiten, wie das Treppensteigen, eröffnen. Die Roboterbeine sind als Ergänzung zum Rollstuhl gedacht. Um sie zu nutzen, hievt sich der User in die Gehhilfe und schnallt sich darin fest. Dann kontrolliert er die Bewegungen von Rex mit einem Joystick und einem Control-Pad.


Schloss Dagstuhl: Kooperative Kommunikation zwischen Fahrzeugen könnte Leben schützen

Wer kennt sie nicht, die vielen Verkehrsmeldungen der verschiedenen Radiosender oder die Verkehrsinformationen im Internet. Leider sind diese Meldungen selten aktuell und es passiert schon mal, dass man sich bereits in dem Stau befindet, der gerade im Radio erwähnt wird. Oder man folgt der vorgeschlagenen alternativen Route und gelangt dann in den nächsten Verkehrsstau. Neuere Navigationssysteme mit Internetanbindung liefern schon hilfreiche Informationen, allerdings sind auch hier Aktualität der Informationen und insbesondere die Handhabung der Daten sehr fragwürdig, da diese zentral gesammelt und nach bestimmten, vom Anbieter intern festgelegten Kriterien verteilt werden. Für sicherheitskritische Anwendungen sind diese Systeme also noch nicht geeignet.

Zur Optimierung der allgemeinen Verkehrssituation und um Autofahrer mit aktuellen Informationen zu versorgen, könnten drahtlose Technologien eingesetzt werden, die eine direkte Kommunikation zwischen Fahrzeugen ermöglichen. Die Handhabung, die Kontrolle und Entwicklung von Methoden und Algorithmen für eine solche Kommunikationsmöglichkeit sind jedoch noch eine sehr große Herausforderung – insbesondere für unfallverhütende Sicherheitsmaßnahmen: Bleibt ein Auto einfach stehen, wenn eine Gefahr erkennbar wird, will der Autofahrer das? Wie bekommt ein Autofahrer in solchen Fällen mehr Autonomie?

Wir sprachen mit


Prof. Falko Dressler, Uni Erlangen

Diese und weitere Fragen wie beispielsweise fundamentale Grenzen für die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation, Kommunikationsprinzipien und –muster, Sicherheit und Privatsphäre, Simulation und Modellierung werden auf der internationalen Tagung auf Schloss Dagstuhl erörtert. Dazu kommen Informatiker mit Verkehrswissenschaftlern und Telematikern aus Forschung und Industrie zusammen, um verschiedene Aspekte im Bereich der kooperativen Kommunikation zwischen Fahrzeugen zu diskutieren und neue Lösungsansätze zu finden.

Mehr Informationen zum Dagstuhl-Seminar „Inter-Vehicular Communication“ mit Teilnehmerliste sind zu finden unter http://www.dagstuhl.de/10402.


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