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17.01.2011
Folge 255

Wikipedia ist 10

Heinz Schmitz

Am Montag, den 15. Januar 2001 begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte: Wikipedia.org (http://www.wikipedia.org/)wurde online geschaltet. Heute umfasst diese Mitmach-Enzyklopädie weltweit 14 Millionen Beiträge in 270 Sprachen. Insgesamt haben etwa 240.000 Autoren an dem Werk mitgearbeitet, alle freiwillig und ohne jede Bezahlung.  Allein in deutscher Sprache stehen 1,2 Millionen Einträge online, jederzeit kostenlos einsehbar.

Begonnen hat alles ganz anders. Jimmy Wales und Larry Sanger sind die Väter der Plattform. Jimmy Wales, eigentlich Finanzfachmann und Börsenmakler betrieb im Silicon Valley die Plattform Bomis.com, die so genannte Herrenunterhaltung bot. Er traf den Philosophen Larry Sanger. Zusammen gründeten sie eine elektronische Enzyklopädie, die damals noch Nupedia.com hieß. Hier sollte von anerkannten Autoren wissen Online gestellt werden. Jeder Beitrag wurde dann noch von mindestens sieben Fachleuten redigiert. Ein Erfolg war das Konzept nicht. Nach einem Jahr waren gerade mal 20 Texte Online.


Wikipedia , die Erfolgsgeschichte eines echten Community Projekts..

An dem besagten 15. Januar 2001 wurde alles umgekrempelt. Auf betreiben von Jimmy Wales ging Wikipedia Online. Dank der einfach zu bedienenden Software sollte jeder in der Lage sein, sein Wissen mit der Allgemeinheit zu teilen. Jeder konnte plötzlich Artikel anlegen oder auch korrigieren. Die Idee wurde zum Selbstläufer. Nach einem Monat gab es 600 Artikel, nach einem Jahr schon 20.000.

Die seit Beginn geführte Diskussion über die Qualität der Inhalte und deren mögliche Kontrolle, tobte auch zwischen den Initiatoren Wales und Sanger. Larry Sanger legte 2002 sein Amt als Chefredakteur nieder und verließ Wikipedia. Jimmy Wales überführte Wikipedia 2003 in eine Stiftung die darauf verzichtet, den Inhalt wirtschaftlich zu nutzen oder durch Werbung Einnahmen zu erzielen. Das Projekt mit seiner technischen Infrastruktur und seinen insgesamt 50 Mitarbeitern wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Bei der letzten Sammelaktion, Ende 2010 konnte die Stiftung 16 Mio. Dollar (12 Mio. Euro) Spenden einsammeln. Nach eigenen Angaben habe sie Geld von mehr als 500.000 Spenden erhalten, durchschnittlich gab jeder Spender 22 Dollar. Wikimedia Deutschland erhielt mit rund 614 000 Euro nahezu doppelt so viel Geld wie im Vorjahr (342 000 Euro). Selbst Internetriesen lassen sich nicht lumpen, wenn es um Wikipedia geht. Google hat der Online-Enzyklopädie eine Spende von zwei Millionen Dollar zukommen lassen. Es ist eine der größten Spenden, die die Organisation bislang erhalten hat. Ebay-Gründer Pierre Omidyar hatte Wikimedia vor sechs Monaten ebenfalls zwei Millionen Dollar zukommen lassen.

Trotz aller Kritik, die an einem Projekt in der Größenordnung geäußert wird, ist es bewundernswert, was die Internet-Gemeinschaft erschaffen hat. Eine Wissensbasis, größer als jedes bekannte Lexikon. Natürlich ist bei Einträgen, die Interessengruppen, Firmen oder Parteien betreffen Vorsicht geboten, denn sie sind oft stark von den Interessen gefärbt. Reine Sachverhalte oder Wissensbeiträge haben hingegen oft eine Qualität, die jedes professionelle Lexikon oder Fachbuch in den Schatten stellt. Oft schreiben Wissenschaftler ja auch direkt über Themen ihres eigenen Forschungsgebiets.

Mittlerweile hört man aus dem Wikipedia Umfeld klagen, dass der Autorennachwuchs stark zurück geht. Die Legende vom egalitären Mitmach-Lexikon nicht mehr stimmt. Mittlerweile hat sie eine, wie es boshaft heißt „Herrschaft der Administratoren“ etabliert, einem Kreis von Mitarbeitern, die sich durch Engagement bewährt und von der Community besondere Rechte bekommen haben. Gerade mal ein paar Tausend dieser Privilegierten halten in Deutschland zum Beispiel Wikipedia am Laufen. Dieser Zirkel hat strenge Regeln für Mitarbeiter formuliert. Die Liste mit so genannten Relevanzkriterien ist umgerechnet rund 30 DIN-A4-Seiten lang und formuliert zum Beispiel Regeln für Hunderassen, Pornostars und Brauereien. Viele Neulinge blicken nicht mehr durch - und steigen aus.

Wikipedia ist also nicht perfekt. Was aber hier online gestellt wurde, ist ein Projekt das eine enorme Wissensbasis darstellt, die jedermann jederzeit überall zur Verfügung steht. Es zeigt, dass auch ohne finanzielle Anreize die Community in der Lage ist, für Andere zu Arbeiten. Ähnliches treibt ja auch die Macher von freier Open Source Software, oder von Projekte wie Open Street Map (http://www.openstreetmap.de/).


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