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25.04.2011
Folge 273

Sondersendung Ostermontag mit Lorenz Hanewinkel


Lorenz Hanewinkel, Entwickler, Physiker und Patentanwalt

Es ergab sich einfach so, dass ich anlässlich einer Veranstaltung im Heinz Nixdorf MuseumsForum auch auf Lorenz Hanewinkel stieß. Ich hatte schon öfter über ihn gehört, dass er als Entwicklungsleiter bei der Firma Nixdorf in Paderborn Großartiges geleistet hat.

Doch Herr Hanewinkel hat mehrere Stationen der Computertechnik durchlaufen, die ihn heute zu einem wirklichen Pionier werden lassen.

In dem Gespräch erzählt er über seine Jugend, sein Studium und wie er als junger Mann bei der Fa. Zuse KG landete. Dort war er neben den älteren Mitarbeitern, die sich noch weitgehend um Relaisschaltungen kümmerten der junge Visionär, der die Mechanik durch Röhrentechnologie ersetzen wollte.

Zuse wusste, dass das Zeitalter rotierender Achsen und klappernder Relais so langsam vorbei war und man sich neuen Lösungen zuwenden musste. Da Zuse aber nie richtig mit der Elektronik in Berührung kam (er war studierte Bauingenieur), musste er sich Hilfe von außen holen.
Hanewinkel hatte ziemlich freie Hand bei seinen Entwicklungen. Die erste röhrenbestückte Rechenmaschine wurde von Hanewinkel alleine konstruiert und sie wurde gleich ein Knüller in neuen Elektroniklandschaft. Die Z22 wurde ab 1956 in einigen Stückzahlen verkauft (siehe unten),

Die Z22 hat auch meine Lebenswelt mit geprägt. Ich will daher eine kleine Geschichte erzählen. Als ich in Aachen studierte, traf ich erstmals mit einem Zuse-Rechner zusammen. Im Keller der Fakultät Elektrotechnik an der TH in Aachen stand ein stillgelegter Computer. Es war eine Z22. Das Innenleben war verlockend. Eine Vielzahl an Röhren versteckten sich hinter einer Blechwand.



Jede Röhre hatte einen Bügel der geradezu eingeladen hat, den Finger krumm zu machen und dann daran zu ziehen. Mit einem dünnen Faden ins Fenster gehängt und fertig war das perfekte Mobile. Ich hatte mehrere Jahre lang mein Zimmer damit geschmückt. Leider ist sie dann beim Umzug weggekommen.


Die Baureihe der Computeranlage Z 22 wurde ab 1957 von der Konrad Zuse AG gebaut und 50mal ins Inland und 5mal ins Ausland ausgeliefert. Nach der Z1, Z2, Z3, Z4, Z5 und Z11 war die Z22 das siebte Modell, das Zuse baute. Die mit 415 Elektronenröhren ausgestattete Baureihe Z 22 war der erste serienmäßig ausgelieferte Röhrenrechner in Deutschland und einer der ersten, mit dem Aufgaben in der gerade erst entwickelten Programmiersprache ALGOL60 gelöst werden konnten. Z 22 wurde insbesondere in der Betriebswirtschaft, Bautechnik, Elektrotechnik, Ballistik, Aerodynamik, Optik, Vermessungstechnik, im Maschinen- und Kernreaktorbau sowie im Bergbau eingesetzt.

Technik: Röhrenrechner
Taktfrequenz: 140.000 Hertz - elektronisch - mechanisch stabilisiert
Rechenwerk: Gleitkommarechenwerk, 38 Bit Wortlänge
Mittlere Rechengeschwindigkeit: Addition 0,6 ms; Multiplikation 10 ms; Division 60 ms; Wurzel 200 ms
Eingabe: Lochstreifen (Fernschreibcode) Streifenleser bis 200 Zeichen pro Sekunde
Ausgabe: Schreibmaschine oder Lochstreifen
Wortlänge: 38 Bit, Gleitkomma
Anzahl Bauelemente: 415 Röhren, 2400 Dioden
Anzahl Schrittschalter: keine
Speicheraufbau: Magnettrommel 6000 U/min, 8192 Speicherplätze, 25 Speicherplätze, Ferritkern. Z22R mit erweitertem Ferritkern-Speicher
Leistungsaufnahme: Ca. 3500 Watt
Gewicht: Ca. 1000 kg

Das waren noch Zeiten, als der Speicher gefädelt wurde.  In Handarbeit wurde dies vollbracht und war schrecklich teuer. Wollte man heute noch Computer unserer Leistung mit Kernspeichern realisieren, dann müssten wir in eine große Halle umziehen und müssten mehrmals im Lotto gewinnen.


Kernspeicher

Da ist mir heute ein Flash Speicher lieber, als der voluminöse Trommelspeicher der Z 22.


Trommelspeicher der Z 22




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