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01.08.2011
Folge 281

Jeder Datenträger stirbt

Heinz Schmitz

Kein Datenträger ist unendlich haltbar. Schon in der Folge 30 des ComputerClub²-TV (http://www.cczwei.de/index.php?id=tvissuearchive&tvissueid=43) haben wir uns mit den Thema der Haltbarkeit von Datenträgern befasst. Auch wenn  unsere CDs, DVDs, festplattem, USB-Sticks gute Datenträger sind, so sind sich nicht im Ansatz so haltbar wie die in Stein gemeißelten Hieroglyphen aus dem Altertum. Nach tausenden von Jahren erzählen Sie uns immer noch Geschichten aus ihrer Zeit. Aber in der Sendung ging es speziell um Festplatten.


Heinz Schmitz über Festplatten und deren begrenzte Haltbarkeit.

Also, alle Festplatten sterben, die Frage ist nur wann. Im Rechenzentrum, in dem die Laufwerke jeden Tag 24 Stunden lang laufen, werden die Festplatten nach der empfohlenen Zeit, die die Hersteller vorgeben getauscht, auch wenn sie augenscheinlich noch in Ordnung sind. Die Gefahr des Datenverlustes ist einfach zu groß. Die Kosten, die durch einen Ausfall entstehen können übersteigen bei weitem den Anschaffungspreis einer neuen Platte.

Das gilt natürlich auch im privaten Bereich. Gut, werden Sie denken, meine  Festplatte läuft nicht 24 Stunden am Tag. Allerdings sind Serverplatten mechanisch aufwändiger gebaut als Platten für den Privatanwender. Sie kosten allerdings auch deutlich mehr.

Hier einige Anmerkungen zu Mythen um Festplatten

Neue Festplatten werden nicht defekt
Die Betriebsstunden oder das Alter einer Festplatte beeinflussen die Lebensdauer erst nach längerer Zeit. Ausschlaggebend bei neuen Platten sind der Transportweg vom Hersteller bis zum Server, PC oder Laptop sowie die Umgebungsbedingungen im Betrieb. Erschütterungen und Überhitzung reduzieren die Lebenserwartung einer Festplatte massiv.

In der Festplatte ist ein Vakuum
In der Festplatte ist kein Vakuum sondern Luft, allerdings muss diese vollkommen staubfrei sein. Über einen Schneckengang mit Filter können Druckunterschiede ausgeglichen werden. Im Inneren der Festplatte schwebt der Schreib-/Lesekopf sogar auf einem dünnen Luftpolster nur wenige tausendstel Millimeter über der Plattenoberfläche. Ohne Luft würde das nicht funktionieren. Es kann sogar sein, dass in großen Höhen die Schreib-/Leseköpfe aufgrund der dünnen Luft auf die Magnetschicht aufschlagen, was zu Schäden führt. Aufschrauben hätte allerdings fatale Folgen, den schon kleinste Staubpartikel führen zu einem Headcrash.

Festplatte ins Tiefkühlfach legen
Der Ratschlag aus Internet-Foren defekte Festplatten einer Art "Schocktherapie" zu unterziehen, ist gelinde gesagt Nonsens: Damit streikende Festplatten wieder funktionieren reiche es, diese ins Tiefkühlfach zu legen. Durch den Schock können sogar intakte Festplatten sterben. Wir haben allerdings in früheren Zeiten Serverplatten, die nach dem Abschalten und Abkühlen nicht mehr anliefen, mit einem Fön erhitzt. Mit viel Glück waren die Laufwerke so freundlich nochmal anzulaufen und die Daten konnten gerettet werden.

Elektronik selbst tauschen
Eine defekte Elektronik verhindert, dass auf die gespeicherten Daten zugegriffen werden kann, obwohl sie ja vollkommen intakt auf der Speicherscheibe vorhanden sind. Der Versuche die Elektronik einer baugleichen Platte zu montieren kann gut gehen – oder nicht. Denn sowohl Firmware-Informationen als auch adaptive Parameter werden teilweise auf den Magnetscheiben als auch im EPROM oder Flash der Elektronik gespeichert. Diese Parameter sind pro einzelner Festplatte eindeutig, sie enthalten beispielsweise die Korrekturwerte der Schreib-/Leseköpfe. Ohne diese Parameter kann die Festplatte jedoch nicht initialisiert werden, weshalb sie nach dem Tausch genauso wenig funktioniert wie zuvor. Durch den Elektroniktausch kann die Festplatte eine Fabriksinitialisierung durchführen, dann sind alle Parameter verloren und auch die Platte, von der die Elektronik stammt ist plötzlich unbrauchbar.

SSD-Festplatten sind ausfallsicher
SSD-Festplatten sind ausfallsicherer gegen mechanische Schäden, da keine mechanischen Teile verbaut sind. Allerdings, wie jede Elektronik sterben die verbauten Chips irgendwann, allerdings nach langer Zeit. In vielen Fällen kann eine Datenrettung nur durch Entnahme der einzelnen Speicherbausteine erfolgen, die allerdings von Fachlauten vorgenommen werden sollte.

Das RAID-Märchen
Raid-Arrays speichern die Daten redundant. Bei einem Raid 1sind es zwei Platten, bei einem Raid 5 sind es mindestens drei Plattenlaufwerke. Dadurch ist man gegen Ausfälle von einem Laufwerk, bzw. zwei Laufwerken bei einem Raid 6 Verbund, gesichert. Allerdings gegen logische Fehler  wie einem Dateisystemfehler oder gelöschte Dateien  hilft keine redundante Hardware. Bei Raid-Systemen gibt ein paar Aspekte sie man beachten sollte. Fällt eine Platte aus, so sollte man (nacheinander) alle Platten tauschen. Da die Arrays zu einem Zeitpunkt aufgesetzt werden, sind die Platten gleich alt und haben die gleichen Betriebsstunden auf dem Buckel. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass bald auch die andern Laufwerke das gleiche Schicksal erleiden.

Zudem sollte man seine Daten immer noch zusätzlich auf einem anderen (externen) Laufwerk speichern, die heute schon zu sehr günstigen Preisen erworben werden können. Festplatten sind nicht unsterblich, aber mit einer guten Datensicherung gehen keine digitalen Schätze verloren.



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