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24.09.2012
Folge 335

Hochfrequenzhandel an der Börse

von Heinz Schmitz

Die Kollegen der Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de) haben sich intensiv mit einem Trend an den Börsen auseinandergesetzt, die für alle, die nicht aktiv an der Börse handeln, fast unverständlich ist: dem Hochfrequenzhandel. Hierbei geht es nicht um Frequenzen und deren Handel, sondern um Aktienhandel per Computer. Die Geschäfte werden aber nicht mehr auf dem Parkett von Börsenmaklern abgeschlossen, sondern im Bruchteil von Sekunden von Computern.

Es treten keine Händler gegeneinander an, um an Kursschwankungen zui verdienen, sondern speziell Entwickelte Algorithmen, die in Software umgesetzt wurden. So findet man unter den Brokern nicht nur Banker sondern auch Mathematiker und Physiker. Diese Naturwissenschaftler tüfteln Verfahren und Programme aus, die dann versuchen innerhalb von Millisekunden aus kleinsten Kurschwankungen Profit zu ziehen. Sie reagieren auf Nachrichten aus Feeds von Agenturen öder der Börse, sie versuchen durch große Orders, die dann sofort wieder storniert werden, Kurse zu manipulieren und denken sich immer neue Tricks aus, um an Kursdifferenzen in kürzester Zeit Geld zu verdienen.

Zeitverzögerungen von Millisekunden können bei dem Geschäft Millionen bedeuten. Deswegen haben einige Broker ihre Server direkt im Rechenzentrum der Börse untergebracht, genannt Co-Location. Diese Broker-Supercomputer haben dann auch die kürzesten Reaktionszeiten. Um 5 Millisekunden Zeit zwischen den größten Handelsplätzen der Welt, London und der Wallstreet in New York, zu sparen, verlegt Hibernia Atlantic Glasfaserkabel zwischen Brean in Somerset in Großbritannien und Halifax in Kanada. Die 300 Millionen Investition soll durch viel höhere Gebühren eingespielt werden. Nutzen werden diese Leitungen vor allem die Hochfrequenzhändler.

Dass diese Spielart den Aktienhandels nicht problemlos ist, zeigt der große Crash an der Wall-Street im Mai 2010. Innerhalb von 20 Minuten verlor der Dow-Jones Index fast 1000 Punkte. Ein Fond hatte große Aktienmengen auf den Markt geworfen. Sofort schlugen die Programme der Blitz-Trader zu und verursachten so den Kurssturz. In extremen Fällen stoppen deswegen heut die Börse den Handel. So hat nach Informationen der Wirtschaftswoche die Deutsche Börse in Frankfurt am 8. August den Handel insgesamt 313-mal angehalten.

Trotz der zunehmenden Kritik greifen die superschnellen Computer immer weiter um sich. In den USA soll ihr Anteil am Aktienhandel Schätzungen zufolge bereits bei 70 Prozent liegen. In Deutschland beträgt die Quote nach Schätzungen der Bundesbank etwa 40 Prozent. Die Börse in Frankfurt hat schon einige der Maßnahmen zur Bändigung des Hochfrequenzhandels umgesetzt. So können zum Beispiel pro Leitung maximal 150 Aufträge pro Sekunde abgesetzt werden. Und wer zu viele Orders aufgibt, bei denen es nicht zu Handelsabschlüssen kommt, zahlt ein höhere Gebühren. Die Bedenken sind so groß, dass Finanzminister Schäuble Ende Juli einen Gesetzentwurf zum Thema vorlegte. Allerdings sitzen die Händler nicht unbedingt in Deutschland, wen sie an der Deutschen Börse handeln. Vielleicht steht der Server in Frankfurt, die Handelsfirma aber in London, New York oder sonst wo auf der Welt wo die Gesetze lascher sind.

Weitere Informationen:
http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/hochfrequenzrechner-supercomputer-sollen-an-die-leine/7087058.html
http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/bundesbank-hochfrequenzhandel-gefaehrdet-gesamtwirtschaft/7053746.html
http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/wer-beherrscht-die-boersen-mensch-gegen-maschine/6973058.html



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