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08.04.2013
Folge 363

Verkehstelematik

Verkehrstelematik, die Vernetzung und Auswertung aller Daten über Verkehrsflüsse, flächendeckend eingesetzt, wäre volkswirtschaftlich sinnvoll. Die Modernisierung des Verkehrssystems kann nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Bitkom-Verbandes einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen von insgesamt zehn Milliarden Euro jährlich bringen. Der Löwenanteil von rund 4,4 Milliarden Euro ergibt sich demnach aus der Vermeidung von Staus und entsprechenden Zeitverlusten sowie Umweltschäden. Neue Logistiksysteme sparen weitere 3,5 Milliarden Euro jährlich. Dazu kommen Wachstumsimpulse in Höhe von 2 Milliarden Euro mit neuen Apps und Services, die die unterschiedlichen Verkehrsnetze miteinander verbinden.

Wie stark Verbraucher von einem intelligenten Verkehrsmanagement profitieren können, zeigt das Beispiel Stockholm: Dort werden pro Sekunde insgesamt 250.000 anonymisierte GPS-Daten von Handybesitzern, Stau- und Unfallmeldungen sowie Daten von Sensoren und dem Mautsystem analysiert und so der Verkehr gesteuert. Die individuellen Fahrzeiten konnten um 50 Prozent verringert werden, das Verkehrsaufkommen und die Emissionen um 20 Prozent.

Das bisherige LKW-Mautsystem kann ein Hebel sein, um eine intelligente Verkehrssteuerung flächendeckend aufzubauen. Der aktuelle Vertrag steht Ende 2015 zur Verlängerung an. Derzeit zahlen LKWs für die Nutzung der Autobahn und einiger Bundesstraßen, eine Verkehrssteuerung findet aber de facto nicht statt. Zudem werden zwar viele Daten gemessen, sie stehen jedoch nicht als Basis für neue Dienste zur Verfügung. Die Politik sollte mit dem Nachfolgesystem ab 2015 eine aktive Verkehrssteuerung betreiben und die anfallenden Daten anonymisiert für neue Dienste zur Verfügung zu stellen.

Verkehrsflüsse können intelligent gesteuert werden, und zwar auf der Basis von automatisch erhobenen Daten zu Verkehrsdichte, Wetter oder Umweltbelastung. Die Daten stammen aus den Fahrzeugen selbst oder von Sensoren am Verkehrsrand oder im Asphalt, etwa Induktionsschleifen. Die Daten werden jeweils an eine Leitwarte weitergeleitet und dort aggregiert. So können Verkehrsströme umgeleitet, Ampelphasen oder Spurregelungen angepasst werden. Der intelligente Verkehr umfasst zusätzlich zum Personenverkehr auch den Güterverkehr: Mautgebühren können je nach Tageszeit oder Verkehrslage verändert werden.

Laut Deutschem Mobilitätspanel steigt die Nachfrage nach Mobilität. Im Jahr 2011 legte jeder Deutsche im Schnitt täglich insgesamt fast 41 Kilometer zurück, so viel wie nie zuvor. Dafür braucht er 83 Minuten, auch das war ein Rekord. Die wachsende Bevölkerung und das zunehmende Bedürfnis nach Mobilität lähmen den Verkehr vor allem in den großen Ballungszentren. Entsprechend groß sind die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch Verkehrsprobleme entstehen: 266 Milliarden Dollar pro Jahr allein in den 30 größten Metropolregionen der Welt. Das ergab eine aktuelle Studie von Roland Berger Strategy Consultants. Diese Regionen können stark von einem intelligenten Verkehrsnetz profitieren.

Im zukünftigen Mobilitäts-Ökosystem spielen ITK-Unternehmen eine wesentliche Rolle. Durch eine intelligente Vernetzung von Verkehrsdaten, Fahrzeugen und anderen Transportmitteln können Menschen bei Bedarf schnell und problemlos verschiedene Mobilitätsmodelle nutzen. Dabei spielen integrierte Angebote eine wesentliche Rolle: Sie bieten Mobilitätsdienstleistungen aus einer Hand, bis hin zur gebündelten Abrechnung.

Gegenstand der Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sind die gesamtwirtschaftlichen Effekte, die sich durch intelligente Netze erzielen lassen. Die Berechnungen basieren erstens auf einer Metastudie, in der verfügbare einschlägige Untersuchungen ausgewertet wurden. Zudem wurden Fraunhofer-Experten zur Dynamik in den einzelnen Bereichen befragt. Außerdem sind Bewertungen von Experten eingeflossen, die im Rahmen von Workshops mit dem Münchner Kreis die Voraussetzungen und Effekte intelligenter Netze analysiert haben. Bei den ermittelten Zahlen handelt es sich um fundierte Abschätzungen.

Die Studie kann heruntergeladen werden unter:
www.bitkom.org/de/publikationen/38338_74495.aspx.




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