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20.05.2013
Folge 369

Vater und Sohn Zuse sind aus gleichem Holz geschnitzt


Text von Wolfgang Back
Ich kannte recht gut den Erfinder des Computers, der lange Jahre benötigte, um zu beweisen, dass er schon 1941 einen Computer nach heutiger Definition erbaute. Es waren alle Elemente, die einen Computer ausmachen, realisiert. Zum einen gab es ein Rechenwerk, es existierte ein Programmspeicher, es war möglich, gespeicherte Programme auf einem gelochten Film zu speichern und sie immer wieder einzulesen. Es gab eine, nach heutigen Maßstäben primitive Ausgabemöglichkeit in Form von ein paar Lämpchen. Auch die Eingabe konnte vor Ort vorgenommen werden, indem man in einen frischen Kleinbildfilm Löcher an bestimmte Stellen stanzte.
Dieses Ungetüm, das nichts mit heutigen Kleincomputern zu tun hatte nannte sich Z3 oder V3, was so viel hieß wie Zuse Modell 3 oder im zweiten Falle als V3 = Versuchsmaschine 3 gedeutet wurde. 1941, das war mitten im Zweiten Weltkrieg war Zuses Rechner schon längst aus der Öffentlichkeit genommen. Die Militärregierung der Nazis stellte die Arbeit von Zuse unter eine strenge Geheimhaltungsstufe. Nichts durfte nach außen dringen. Dennoch sind einige Szenen einer Vorführung der Z3 im Jahre 1941 vor erlesenenm Publikum bekannt geworden.
Die Z3 ratterte vor sich hin und konnte die Aufgaben, die Zuse vorher beschrieb, zügig lösen. Das Wort "zügig" ist natürlich relativ, denn eine einfache Addition dauerte immerhin fast 1 Sekunde.Eine Multiplikation oder Division dauerte ein Vielfaches davon.
Zuse wurde bei dieser Vorführung nicht nur als Glückspilz gefeiert. Es gab einige kritische Zuschauer mit hoher wissenschaftlicher Reputation. So kamen Zweifel auf, dass die Z3 jemals die Variationen eines Schachspiels nachvollziehen könne. Dieses war die Aussage der Kritiker, die damit einen Computer-Schachweltmeister ad absurdum führen wollten. Es seinen Milliarden Möglichkeiten der Taktik zu beachten - und dies würde niemals ein Computer absolvieren können.
Mir hat die Antwort von Konrad Zuse immer gefallen, der zu bedenken gab, dass man auch eine Entwicklung von 50 Jahren auf dem Computersektor bedenken müsse. Dann, so Zuses Prognose wird der Schachweltmeister "Computer" heißen.
Ich konnte noch in mehreren Interviews auch auf diese Schachproblematik mit ihm reden. Er wusste ganz genau, dass seine 50 Jahre Vorhersage vielleicht etwas zu optimistisch war. Doch mit 60 Jahren Vorhersage wäre es perfekt gewesen.

Horst Konrad Zuse, der Sohn von Konrad Zuse, wurde 1945 geboren. Er erblickte in einer Zeit das Erdenlicht, als der Computer gerade anfing laufen zu lernen. Das Binärsystem oder das Dualsystem war von Zuse realisiert. 1945 stellte das Kriegsende dar und Vater Zuse hatte gerade noch rechtzeitig die Flucht von Berlin nach Hinterstein im Allgäu geschafft, Hier war zunächst einmal Schluss, denn es gab keine Straße, die aus dem Tal herausgeführt hätte.

Horst Konrad Zuse hat hier im Allgäu die allerersten Jahre verbracht und hatte natürlich durch seinen Vater einen engen Kontakt zu einer komplizierten Materie, die ihn später selbst nicht mehr loslassen sollte.


So steht die Nachbau Z3 aus, die im Berliner Verkehrsmuseum steht und dort besichtigt werden kann.
Einmal im Monat ist Prof. Dr. Horst Zuse selbst im Museum und erklärt die Maschine.

Ich überspringe hier einige Jahre, da dieser Artikel schnell den Umfang eines Buches ausmachen würde.
Horst Zuse schlug die wissenschaftliche Bahn an der Universität Berlin ein, machte seinen Doktor und bekam eine Professur, wo er die Leistungen seines Vaters würdigen konnte.
2008, Horst Zuse war 63 Jahre alt, als er einen abenteuerlichen Plan ausheckte. Er wollte den allerersten Computer, die Z3, mit moderneren Mitteln nachbauen. Modernere Mittel hieß allerdings nicht, dass man den kompletten Rechner jetzt in einen einzigen Chip hätte gießen wollen.
Er wollte schon die alte Technik nachempfinden - doch setzte er auf modernere Bauteile. Auch Relais haben eine technologische Entwicklung erfahren. Sie sind heute kleiner und benötigen bedeutend weniger Strom, um zu funktionieren.
Immerhin ging es bei dem Nachbau um ca. 2500 Relais, die sinnvoll verdrahtet werden mussten. Horst Zuse erledigte den Nachbau komplett in seiner Berliner Altbauwohnung, die im 5. Stock eines Altbauhauses kiegt, wo es keinen Fahrstuhl gibt.
Alle Hardwareteile mussten nach oben gebracht werden und im Brennpunkt stand das Gegenteil: der fertige Computer musste natürlich über das Treppenhaus nach unten gebracht werden können.
2010 war es dann so weit, dass man den 100. Geburtstag von Konrad Zuse posthum mit einem tollen Nachbau seiner Leistung demonstriert werden konnte. Die Nachbaumaschine kam in das Museum für Technik und wird dort den Besuchern nahe gebracht.

In unserer Sendung berichten wir in einem ausführlichen Interview mit Prof. Dr. Horst Konrad Zuse von dem Abenteuer, die Leistungen des Vaters zu reproduzieren.
In der Sendung kommt auch die Kuratorin des Museums, Hardwig Dorsch, zu Wort, die dafür gesorgt hat, dass die "neue" Z3 einen repräsentativen Ausstellungsbereich belegen kann.


Hardwig Dorsch


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