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04.06.2007
Folge 52

Europa soll kein Babylon werden

Für das Europa der 23 Sprachen: Der Computer lernt das Übersetzen
Das neue europäische Projekt EuroMatrix entwickelt automatische Übersetzungssysteme für alle Amtssprachen der EU

Von Jahr zu Jahr wachsen Zahl und Umfang der Übersetzungen in Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Kultur. Hauptauftraggeber sind exportorientierte Wirtschaftszweige, internationale Organisationen einschließlich der Europäischen Union und der Vereinten Nationen sowie multinationale Unternehmen.  Der explodierende Bedarf an Textübersetzungen gehört zu den direkten Folgen von Handelsfreiheit, Globalisierung, europäischer Integration und internationaler Zusammenarbeit.  Das Heer der Übersetzer wächst.  Mit dem allgemeinen Trend zur Spezialisierung wachsen aber auch die Anforderungen an die Fähigkeiten der Fachübersetzer.  So steigen denn auch die Kosten für qualitativ akzeptable Übersetzungen. Technische und juristische Übersetzungen zwischen den Sprachen der Europäischen Union zum Beispiel kann die Europäische Kommission nicht nach Indien, in die Philippinen oder andere Billiglohnländer auslagern.

Eine Lösung erwartet man von der automatischen Übersetzung, welche nach Meinung vieler Expertene langfristig die einzige realistische Lösung zur Bewältigung der Kommunikationsprobleme einer multilingualen Weltgesellschaft darstellt.  Sie wird auch von immer mehr Experten als eine notwendige Voraussetzung für die nachhaltige Bewahrung der mannigfaltigen Sprachen und Kulturen unseres Planeten gesehen.

Während sich aber alle Analysten über den immensen Bedarf an automatischer Übersetzung einig sind, gehen die Meinungen über die Möglichkeiten der automatisierten Übertragung von anspruchsvollen Texten jedoch stark auseinander.  Während viele Experten noch bezweifeln, dass Maschinen brauchbare Übersetzungen liefern können, erzielen einige Unternehmen durch den Einsatz des Computers bereits erhebliche Kosteneinsparungen.

Die Wahrheit liegt zwar nicht ganz in der Mitte und doch haben beide Seiten auf ihre Weise recht.  Selbst die völlig veralteten und qualitativ unzureichenden Übersetzungssysteme, die heute sehr begrenzt in Wirtschaft und Verwaltung eingesetzt werden, ermöglichen bereits erhebliche Kosteneinsparungen.  Der eigentliche Durchbruch der maschinellen Übersetzung steht aber noch bevor.  Einen Grund für Optimismus liefern nach längerem Stillstand in der Forschung die beeindruckenden Fortschritte der statistischen Übersetzungsverfahren.  Diese Verfahren lernen die Übersetzungsmuster aus großen Mengen übersetzter Texte. Sie sind zwar auch noch weit von der benötigten Perfektion entfernt, werden aber von Jahr zu Jahr besser.

Sie machen aber andere Fehler, als die traditionellen Übersetzungsverfahren, welche mit Regeln arbeiten, die von Linguisten programmiert wurden.  Eine Lösung könnte daher in der geschickten Verbindung der Methoden bestehen.  

In einem neuen internationalen Forschungsprojekt, das im 6. Rahmenprogramm der Europäischen Union gefördert wird, sollen technologische Durchbrüche in der automatischen Übersetzung erzielt werden.  Dafür sollen neue Kombinationen der besten bestehenden Verfahren für regelbasierte und für statistische Übersetzung ausprobiert werden.  Außerdem wird untersucht werden, wie sich statistische Übersetzungsverfahren durch linguistische Methoden verbessern lassen. Das ehrgeizige Vorhaben wird Systeme für Übersetzungen zwischen den 23 Amtssprachen der EU-Länder entwickeln und testen.  Ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist ach die Organisation von Wettbewerben zwischen den besten Übersetzungssystemen, zu denen alle Forschungszentren und Firmen aus Europa aber auch aus anderen Teilen der Welt eingeladen sind.  Natürlich wird es nicht möglich sein, alle Sprachpaare gleich gut zu bearbeiten. Aber ein praktisches Ergebnis des Projekts wird auch eine ständig fortgeschriebene Bestandsaufnahme des Technologiestandes für alle Sprachen sein. Dieser Überblick in Form einer großen tabellarischen Matrix hat dem Projekt den Namen gegeben.

Die Führung des Konsortiums liegt bei der Universität des Saarlandes; Koordinator ist Prof. Hans Uszkoreit.  Er wird unterstützt durch Dr. Philipp Koehn von der Universität Edinburgh, dem technisch/wissenschaftlichen Koordinator des Projekts.

Weitere Partner sind Forschungsgruppen an der Prager Karlsuniversität und dem Zentrum CELCT in Trento.  Wichtig ist die Teilnahme der Industrie: die deutsche Firma GroupWare AG bringt ihr LOGOS System ins Projekt ein, eines der großen  und meistgenutzten kommerziellen Übersetzungssysteme, das im vorletzten Jahr in einer Open-Source Version verfügbar gemacht wurde.  Die Firma Morphologic in Budapest hat digitale Wörterbücher für viele europäische Sprachen hergestellt und verfügt über ihre eigene Übersetzungstechnologie.

Das gerade begonnene Vorhaben wird 30 Monate dauern und ca. 2,5 Mio Euro kosten.



Wir sprechen in der Sendung mit Dr. Andreas Eisele von der  Universität des Saarlandes.


Betty - die freundliche Fernbedienung

Zum Glück gibt es immer wieder etwas Neues. Vor einigen Monaten stolperte ich im Media Markt über einen Aufsteller, der eine Fernbedienung anpries. Zunächst dachte ich, dass diese 39.90 € recht happig sind für eine Universalfernbedienung.

Doch dann stellte ich fest, dass es sich hierbei um eine interaktive Fernbedienung handelt, die neuen Fernseh - Spaß bringen soll.  Man kann sich an Wissensspielen beteiligen, einkaufen, Proben bestellen und sonst noch einiges. Am besten bekommt man einen Überblick, wenn man die Fernbedienung online ausprobiert. Unter diesem Link kann man das tun.

Die Fernbedienung eröffnet die Möglichkeit, einen Rückkanal per Telefon zu nutzen. Die Gebühren werden von dem Betreiber übernommen.


Marit Hansen, Datenschützerin in Kiel


Wir interessierten uns nicht besonders für die technische Tauglichkeit, sondern wir wollten wissen, ob das System für Datenschützer genauso harmlos ist, wie es in der Werbung angeprangert wird. Da sieht es nämlich ganz anders aus. Da man bei der Erstinstallation seine persönlichen Daten eingeben muss, ist man ab sofort mit allem, was man tut durchsichtig geworden. All die Lockangebote - Proben bestellen usw. dienen einem Zweck: man will herausbekommen, was für eine Person auf der anderen Seite sitzt.

Das geht sogar soweit, dass man Menschen bezüglich ihrer Bildung genau katalogisieren kann. Wenn die/der Bettyuser alle Wissensfragen falsch beantwortet, so kann man seine Rückschlüsse bilden und dem Kunden entsprechende Angebote anbieten.

Wer mehr über die Fernbedienung wissen will, dem empfehle ich diesen Blog.


Studie Partnersuche im Internet

Man muss heute alles wissenschaftlich begleiten. Was passiert im Internet in punkto Partnervermittlung? Sie wissen das nicht?

Stellen Sie doch einfach einen Antrag auf die wissenschaftliche Beurteilung der Kardinalsfrage: wie findet man einen Partner?

Abgesehen davon, dass Ihnen niemand eine Antwort spendieren wird, werden die Wissenschaftler sich bemühen, die Fragen zu beantworten, die keiner gestellt hat. So geht es mit der Studie an der Universität Bamberg, die Prof. Bloßfeld vervollständigen wird.

Man kann sich jetzt schon ein wenig vorstellen, was dabei herauskommt: Die Partnersuche im Internet ist eine neue Form der Vermittlung von Menschen gleicher Interessen. Durch den Einsatz von Computern werden persönliche Vorlieben besser vermittelt.

Natürlich muss für die eingesetzten 420 Mio Euro an Forschungsgeldern noch ein bisschen mehr ergründet werden. Nur die Frage ist, was könnte das sein? Sind eventuelle evangelische Mädchen im katholischen Franken schwerer zu vermitteln, als mohammedanische Gläubige aus Bayern. Das Ergebnis wäre eine Sensation und die Forschungsgelder wären endlich einmal richtig eingesetzt.


Professor Dr. Hans Petter Bloßfeld, Universität Bamberg


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