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30.07.2007
Folge 60

Wie war das damals noch?

In der vorletzten Sendung haben Wolfgang Rudolph und ich so ein bisschen aus dem Nähkästchen der Kommunikationsentwicklung geplaudert. Dabei hatten wir vergessen, dass wir im Bekanntenkreis einen Mann der erste Stunde haben, zumindest was das mobile Telefonieren angeht. Wolfgang Noelke aus Berlin hatte schon sehr früh ein Autotelefon im Standard B-Netz. Sein Vater war sogar einer der ganz wenigen, die bereits im A-Netz telefonierten.


Wolfgang Noelke
Damals musste man noch nachweisen, dass man überhaupt ein Autotelefon benötigt. Sein Grund war sein Job. Als Reporter einer Tageszeitung konnte er nachweisen, dass er unterwegs oft telefonieren muss. Es war ein Abenteuer. Wenn man telefonierte, so musste man das Auto weiterlaufen lassen, weil sonst die Batterie ruckzuck leer war.Aber hören Sie selbst, was er so alles zu berichten hat.

P.S. Übrigens erzählte er uns nach der Sendung, dass er wohl noch das A-Netz Telefon seines Vaters im Keller hat. Aber er such verzweifelt die Bedienungsanleitung. Er weiss, dass er sie hat - doch wo ist sie?


Schäuble und der Bundestrojaner

Er will es immer, unser Bundesinnenminster. Auch wenn sein Vorhaben der Bundesgrichtshof vor Wochen schon verboten hat. "Dann muss man eben das Grundgesetz ändern!". Es geht um den Bundestrojaner, der unsere Festplatten ausschnüffeln soll. Die Onlinedurchsuchung - eine Hausdurchsuchung, ohne Hausdurchsuchungsbefehl.
Zur technischen Durchführung darf man sich sicherlich ein paar Gedanken machen. Klappt das überhaupt, dass man geheim einen Trojaner einschmuggeln kann, ohne dass eingesetzte Virenschutzsoftware Alarm schlägt?
Man müsste im Vorfelde mit allen Herstellern ein stillschweigendes Abkommen treffen, dass sie die Signatur des Bundestrojaners nicht als Schadsoftware erkennen. Das wäre ziemlich aufwändig und es gibt im Vorfelde ja auch schon Stimmen dagegen. So soll Kaspersky sich weigern, diese Gefälligkeit einzubauen. Ist damit dann der Bundestrojaner gestorben?
Leider nicht, denn es gibt eine hochgefährliche, kaum bekannte Methode, einen Rechner mit Malware zu infizieren. Das Zauberwort heisst: Rootkit.

Die aktuelle PC-Bedrohung: Mit gravierenden Eingriffen in das Betriebssystem machen Rootkits gefährliche Programme, Registry-Einträge oder Prozesse unsichtbar. Selbst Virenscanner und andere Security-Tools sind größtenteils machtlos.
Rootkits werden zum Problem der Zukunft

Skandale haben manchmal auch etwas Gutes. So hat der umstrittene CD-Kopierschutz XCP von Sony BMG das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren von Rootkits weitaus stärker geschärft als viele Fachartikel der Jahre zuvor. Sony hatte nämlich dieses zeitweilig eingesetzt, um Kopiersündern das Handwerk zu legen. Sie mussten aufgrund der Proteste damit aufhören.

Kein Schüler, keine kriminelle Vereinigung, sondern ein großes Plattenlabel versteckt in diesem Fall mit Hilfe dubioser Hackertechniken unbemerkt Dateien auf der Festplatte des ehrlichen Käufers. Dabei nimmt XCP (Extended Copy Protection) tiefgreifende Änderungen im System vor. Unter anderem installiert es einen Autostart-Treiber, der sogar bei einem Start im abgesicherten Modus geladen wird. So sollen unerlaubte Kopien der CD verhindert werden gleichzeitig belastet es Systemressourcen wie Prozessorzeit und destabilisiert den betroffenen Rechner.

Aber auch die Autoren von Malware setzen auf Rootkit-Technologie, um sich unerkannt im System einzunisten. So etwa die Spyware Elite Toolbar, die Formulardaten wie E-Mail-Adressen und Kreditkarteninformationen an verschiedene IP-Adressen verschickt. Auch Trojaner wie Berbew und die Netzwerk-Würmer Myfip und Maslan verstecken sich mit Tarnkappen-Code im PC. Mikko Hypponen, Chef des Antivirenlabors der Firma F-Secure, warnt bereits seit einiger Zeit, dass sich Rootkits in den nächsten Jahren zu einer großen Gefahr für Windows-Systeme entwickeln könnten.

Ob das das Vorbild für Herrn Schäuble ist? Wir dürfen uns dann freuen, dass unsere Rechner instabil und langsam werden. Es gibt aber bereits Ansätze, auch die unsichtbaren Dinge sichtbar zu machen. Hoffen wir, dass die Jäger schnell genug sind.


Gibt es Computer ohne Fehler?

PC-Software ist ein Riesengeschäft. Doch eines mit Tücken. Über 40 Milliarden Dollar im Jahr kostet in den USA die Reparatur fehlerhafter Computerprogramme. In Europa ist der Schaden mindestens doppelt so hoch. Statistisch kommen in heutigen Programm-Paketen auf 1000 Zeilen Code ein bis zwei Fehler. Sie zu finden, gleicht der Suche nach einer Nadel in einer Wiese voller Heuhafen. Kein Wunder, dass die Programmierer über die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit der Fehlersuche verbringen. Kein Wunder auch, dass die Industrie nach einem Verfahren sucht, das eine fehlerfreie Funktion garantiert.


Thomas in der Rieden

Das Forschungsprojekt Verisoft soll dafür nun die Voraussetzungen schaffen. Zwölf Millionen Euro will das Berliner Forschungsministerium in dieses Projekt zur Entwicklung fehlerfreier Hard- und Software investieren, in dem bundesweit sieben Hochschulen und zehn Unternehmen zusammenarbeiten. Koordiniert wird Verisoft vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken, denn das Saarland spielt in diesem Projekt eine Schlüsselrolle.


Der Beweis, dass ein Prozessor fehlerfrei arbeitet, führt über Verfahren, die jeden seiner Arbeitsschritte in die mathematischen Grundelemente zerlegen. Erster Testkandidat der Saar-Uni war der Tri-Core-Prozessor des Chipherstellers Infineon, der nun als garantiert fehlerfrei gilt, erläutert Thomas In der Rieden. Der DFKI-Informatiker ist Manager des erweiterten Verisoft-Projekts. „Verisoft XT“, bei dem auch der Microsoft-Konzern mitmacht, soll ein Gütesiegel für Software entwickeln. Das ist nun wesentlich komplizierter, da PC-Programme viel umfangreicher als der Befehlssatz eines Prozessors sind und zudem ständig untereinander Daten austauschen.


An den Sicherheits-Check eines Betriebssystems wie Windows, das rund sechs Millionen Codezeilen umfasst, sei gegenwärtig nicht zu denken, so In der Rieden. Die Informatiker wollen sich in den nächsten drei Jahren auf die Überprüfung eines neuen Schlüsselelements im Windows-Kern konzentrieren. Das Hypervisor genannte Programm umfasst zwar nur 50000 Codezeilen, sitzt aber im Nervenzentrum von Microsofts Betriebssystem.

Der Hypervisor, so In der Rieden, ist ein „Betriebssystem für Betriebssysteme“ und soll künftig PC-Nutzern erlauben, was heute unmöglich ist: auf einem Rechner mehrere Betriebssysteme parallel laufen zu lassen. Das Programm müsse garantieren, dass aus diesen unterschiedlichen Software-Welten keine unerlaubten Zugriffe auf geschützte Bereiche im Arbeitsspeicher möglich und vertrauliche Daten sicher sind. Doch wie sicher ist diese Garantie? Das ist eine der Fragen, die im Rahmen des Projekts Verisoft XT zur Debatte stehen.

Außer PC-Programmen werden die Informatiker auch Software unter die Lupe nehmen, die in der Luftfahrt eingesetzt wird, und wollen Hightech-Autos unters Blech schauen. In einem Auto stecken heute im Schnitt 50 digitale Steuergeräte mit je 300 Elektronikbauteilen, so Thomas In der Rieden. Schon in wenigen Jahren sollen Autos doppelt so viel Elektronik enthalten. Das Etikett „Garantiert fehlerfrei“ könnte sich da schnell zu einem Verkaufsschlager entwickeln.



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