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06.08.2007
Folge 61

Es gibt echten und unechten JASMIN

Die Affäre um die verschwundenen Daten der Bundeswehr ist heute ein Beitrag, der den normalen Computernutzer erschüttern wird. Man sollte davon ausgehen, dass so etwas nicht passieren kann, was vor wenigen Wochen passierte. Plötzlich waren wertvolle Daten unwiderbringlich gelöscht, weil man glaubte, man könne sie nicht mehr lesen. Doch wie lief dieser Krimi ab?

Die Panne sei aufgedeckt worden, als der Verteidigungsausschuss des Bundestages Unterlagen aus dem Datenbestand der Bundeswehr aus dem Jahre 2002 angefordert hatte, teilte die Fernsehsendung  Report Mainz mit. Der Ausschuss habe den "Beweisbeschluss" am 23. Mai dieses Jahres gefasst, um den Umgang der in Afghanistan eingesetzten "Kommando Spezialkräfte (KSK)" mit dem damaligen Häftling Murat Kurnaz in Kandahar aufzuklären. Dem Politikmagazin liege ein Schreiben an den Ausschuss vor, in dem Staatssekretär Peter Wichert einräume, dass die betreffenden Daten "Ende 2004 verloren gegangen" seien.

Meldungen von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, deutschen Militärattachés, vom Bundesnachrichtendienst, Auswärtigen Amt sowie von anderen deutschen Ministerien und Behörden werden zum ZnBw nach Grafschaft-Gelsdorf geschickt und dort seit 1998 in einem Computersystem namens "Jasmin" (Joint Analysis System Military Intelligence) gespeichert. Dieses System sei bereits nach wenigen Jahren an die Grenze der Speicherkapazität gekommen, erläuterte die Bundeswehr. Auch hätten Einzelkomponenten "ihre technische Lebenserwartung" erreicht. Als im Jahr 2004 versucht worden sei, die Leistung des Systems zu verbessern, seien nicht mehr direkt benötigte Daten außerhalb von "Jasmin" auf Bändern archiviert worden.


echter Jasmin


unechter Jasmin

Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass die Informationen nicht mehr lesbar waren – nach Angaben Wicherts habe nach einem technischen Defekt der Datensicherungsanlage Ende 2004 ein Austauschgerät installiert werden müssen. Bei dem Versuch, die gespeicherten Daten auf das Ersatzgerät zu übertragen, sei festgestellt worden, "dass ein Teil der Bandkassetten im Datensicherungsroboter nicht mehr lesbar war." Der Versuch, die Daten wieder zugänglich zu machen, sei gescheitert, heißt es laut dpa weiter. "Entsprechend der gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet", erklärt Wichert in dem Schreiben

"Mir reicht die Erklärung nicht aus, warum es keine zweite Datensicherung gab, was bei so wichtigen Daten eigentlich Standard ist", sagte Birgit Homburger, Verteidigungsexpertin und stellvertretende Fraktionschefin der FDP, der "Rheinischen Post".

Nötig sei eine lückenlose Aufklärung, wie es zu der Datenpanne kommen konnte. Die Bundesregierung müsse dem Verteidigungsausschuss des Bundestages einen Bericht über die Datenlöschung vorlegen. Demnach soll die Angelegenheit am 4. Juli im Verteidigungsausschuss thematisiert werden.

Sie wolle außerdem wissen, ob die Bundeswehr externe Fachleute hinzugezogen habe, um die defekten Datenbänder zu rekonstruieren, sagte Homburger. "So etwas ist heute machbar. Stattdessen wurden die Bänder einfach vernichtet", rügte die FDP-Politikerin.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Bernd Siebert (CDU), sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von einem "unschönen Vorgang", der aufgeklärt werden müsse. Die bisherige Stellungnahme des Staatssekretärs im Bundesverteidigungsministerium, Peter Wichert, reiche nicht aus. Für die Kurnaz-Untersuchungen des Ausschusses rechne er aber nicht mit Beeinträchtigungen, sagte Siebert. Der Bremer Türke Murat Kurnaz hatte in Afghanistan eingesetzte Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) beschuldigt, ihn im Januar 2002 im amerikanischen Gefangenenlager in Kandahar misshandelt zu haben.

Das Bundesverteidigungsministerium hat gegenüber dem Verteidigungsausschuss eine Datenpanne eingestanden. Durch diese sei im "Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr" (ZNBw) der gesamte Bestand an Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999 bis 2003 vernichtet worden. Es habe sich dabei um "brisante geheime Berichte über die Auslandseinsätze der Bundeswehr" gehandelt, beispielsweise vom Bundesnachrichtendienst, von den Militärattachés im Ausland, sowie um Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste. Die Berichte hätten der politischen Spitze zur Beurteilung der Lage in den Ländern gedient, in denen die Bundeswehr eingesetzt ist, insbesondere Kosovo und Afghanistan. Das haben nach eigenen Angaben das ARD-Politikmagazin Report Mainz und tagesschau.de ans Tageslicht gebracht.

Als kleiner Computeruser fragt man sich wirklich, wie so etwas bei den Profis passieren kann - oder sind da evtl. gar keine Profis am Werk. Den unten stehenden Kommentar fand ich bei Heise. Warum man so nicht verfahren ist, kann niemand begreifen.

Stufz brüllt "5 Gefreiten freiwillig antreten zur
Geheimoperation!.... Los aufstellen zur Datenrettung wie gelernt,
einer links, einer Rechts und Band ausrollen, Gefreiter Schulz dort
auf den Stuhl, den Magneten mit Panzertape auf dem Kopf befestigen,
Müller, Meyer, sie schieben den Schulz jetzt mit dem  Magnet unter
dem Band entlang...wäre doch gelacht wenn wir die Daten nicht
wiederhergestellt bekommen!"







Die elektronische Ausleihe

Die Stadt Köln ist einen Schritt in die Zukunft gegangen. Sie bietet jetzt den angemeldeten Nutzern der Stadtbibliothek einen neuen Service.
Über die Homepage der StadtBibliothek ist es seit kurzem möglich, Bücher, Musik, Zeitschriften, Hörbücher und Dokumentarfilme rund um die Uhr von zu Hause aus runterzuladen. Die Medien stehen den Nutzenden auf dem privaten Computer eine Woche lang zur Verfügung und werden dann automatisch wieder in den Medienpool "zurückgegeben". Mit einem breiten Spektrum an Sachbüchern und Ratgebern, Unterhaltung, Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu Videos ist für jedes Interesse etwas dabei. Der Service ist kostenlos, eine Anmeldung in der Bibliothek ist erforderlich.

Mit dem Passus in den Medienpool "zurückgegeben" meint man wohl, dass das PDF - Dokument nach einer Zeit nicht mehr lesbar ist. Natürlich hat man eine Woche Zeit mit Cut und Paste seine eigene Version herzustellen, wenn dies nicht ausdrücklich im Vetrag verboten wird. Das haben wir vergessen zu fragen. Das Gespräch führen wir mit Markus Volz von der Stadtbibliothek in Köln.


auf DVB-T folgt DVB-T2

Mittlerweile merkt man, was man sich mit der Einführung von DVB-T eingehandelt hat. Eine solche Umstellung - von analog nach digital - ist natürlich ein schwerwiegender Brocken, der gehoben werden musste. Es dauert Jahre, bis neue Standards umgesetzt werden können. So begann die DVB-T Diskussion natürlich bereits im letzten Jahrtausend.
Und mit jedem Jahr, das ins Land zieht, holt die Technik auf. Damals, zu Beginn der Diskussion hatte man noch wunderbar überschaubare Endgeräte. Wer da einen 80 cm Diagonale - Fernsehgerät besaß, der war bei den ganz fortschrittlichen Benutzern. So 50er Diagonale war wohl der Standard für das Heimkino. Und wer damals DVB-T auf einem solchen Gerät sah, der war baff, dass er jetzt plötzlich so viele Kanäle auf dem alten Frequenzspektrum sehen kann. Das waren tolle Aussichten.



Doch die Industrie preschte nach vorne. Plasmabildschirme mit 1 Meter Diagonale und mehr machten Furore. Die Preise purzelten von ehemals 40.000 Mark auf 1000 Euro. Und gleichzeitig begann die LCD Technik um sich zu greifen. Mittlerweile hat sie den Plasmastandard erreicht oder gar schon überschritten. Doch eines kann man jetzt am eigen Leib verspüren: So recht passt dieses DVB-T nicht mehr in diese Welt der großen Displays.
Wer hinter die Technik schaut und die mageren Bandbreiten sieht, der weiß auch, warum das Bild von DVB-T Tunern nich mit DVB-C oder DVB-S oder gar DVD vergleichen kann. Mit HD DVD wird man bald einen Standard bespielen, der alle Qualitäten in den Schatten stellen wird. Denn jetzt hat man Platz auf der DVD (40 oder gar 55 MG), um hochwertige HDTV Videos zu speichern. Dann wird der Abstand zum terrestrischen DVB noch grasser.
Also sinnierte man eigentlich schon von Anfang an auf eine irgendwie gestrickte Abhilfe. Wenn man bedenkt, dass jedes Bouquet aus netto etwa 10 MBit/s besteht und jedes Bouquet 4 Programmkanäle beherbergt, dann kann man sich vorstellen, dass da nicht viel für jeden Kanal übrigbleibt. Nun kann man dieses digitale Signal natürlich dynamisch in seiner Bandbreite festlegen. Also: 2 Kanäle bekommen je 4 MBit/s und zwei jeder nur 1 MBit/s. Oder einer bekommt 4 MBit/s und die anderen teilen sich die übrig gebliebenen 6 MBit/s.
Man kann davon ausgehen, dass sowohl die Displaytechnologie wie auch die Kameratechnologie sich in Zukunft auf höhere Qualitäten hin bewegen werden. Um diese Qualitätserhöhungen auch sichtbar machen zu können braucht man eben wieder mehr Bandbreite. Wo soll die herkommen? Etwa mit DVB-T2?
Die für DVB-T2 genutzten Übertragungsfrequenzen entsprechen den schon vom analogen sowie digitalen DVB-T-Rundfunk bekannten UHF- und VHF-Kanälen, von denen in Europa im VHF-Bereich jeder 7 MHz und im UHF-Bereich jeder 8 MHz umfasst. Diese lassen sich dank digitaler Ausstrahlung sowie Kompressionstechnik im Vergleich zu analoger Rundfunktechnik effizienter nutzen. Durch eine Kompression mittels MPEG-4 anstelle von MPEG-2 (im Falle von DVB-T) verbessert sich die Kanalauslastung um einen beträchtlichen Wert.



Bei der Übertragung von Bildern mit hohem Bewegungsanteil (z. B. Action- oder Sportszenen) mit einer Rate von nur 3,5 Mbit/s kommt es bei der technisch überholten MPEG-2-Codierung, wie sie von DVB-T verwendet wird, häufig zu sogenannten Blockartefakten (Klötzchenbildung). Durch Einsatz von verbesserten MPEG-4-Verfahren (insbesondere der Variante MPEG-4/AVC alias H.264) kann dies bei gleicher Datenrate vermieden werden. Durch die somit gegebene Möglichkeit zur verbesserten Ausnutzung verfügbarer Empfangskanäle, lässt sich prinzipiell Anzahl oder Bildqualität von Sendern erhöhen. Ebenso ist nunmehr die Ausstrahlung von HDTV-Inhalten über terrestrische Rundfunksender in entsprechender Qualität realisierbar.

Insbesondere in einigen Ländern Osteuropas, in denen sich DVB-T zur Zeit erst in der Planung bzw. Testphase befindet, ist das Interesse an MPEG-4-AVC-codiertem DVB-T2 deutlich größer als an der in Westeuropa üblichen älteren MPEG-2-Codierung. Somit könnte sich mittelfristig ein „Bruch“ zwischen Ost- und Westeuropa ergeben, der die grenzüberschreitende Nutzung entsprechender Set-Top-Boxen erschwert.


ein Decoder für den DVB-T2 Standard

Mit den Set-Top-Boxen ist es sowieso ein Problem. Denn wenn man bei uns DVB-T2 empfangen könnte, so ginge dies nur mit einer neuen Box, die auf die MP4 Codierung vorbereitet ist. Groß wäre das Gejammere, wenn man schon wieder in die Tasche greifen müsste.
Warten wir es einfach ab.

http://www.dvb.org/technology/


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