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30.01.2017
Computer liest Blinden vor (Heinz Schmitz)

Sehbehinderte können Informationen, die durch Ziffern- und Buchstabenanzeigen wie LED-Displays ausgegeben werden, nicht erfassen. Forscher entwickeln eine individuell auf den jeweiligen Gebrauchsgegenstand zugeschnittene Sprachausgabe. Dieser Anzeige-Sprachausgabe-Konverter liest die nötigen Gebrauchsinformationen ab und erschließt damit Blinden und Sehbehinderten das Gerät.

Sprechende Computer für Alltagsgegenstände: Rund 1,2 Millionen blinde und stark sehbehinderte Menschen leben in Deutschland. Diese Personen können Informationen, die durch Ziffern- und Buchstabenanzeigen wie LED-Displays ausgegeben werden, nicht erfassen. Das betrifft vor allem zahlreiche Gebrauchsgegenstände wie elektronische Küchengeräte. Um diesen Personengruppen diese Gegenstände und Geräte zugänglich zu machen, entwickeln Prof. Dr. Martin Koch und sein Team von der AG Experimentelle Halbleiterphysik der Philipps-Universität Marburg eine individuell auf den jeweiligen Gebrauchsgegenstand zugeschnittene Sprachausgabe. Dieser Anzeige-Sprachausgabe-Konverter (ANSPRAKON) liest die nötigen Gebrauchsinformationen ab und erschließt damit Blinden und Sehbehinderten das Gerät. „Wir werden mit diesem Verfahren Blinden und Sehbehinderten zahlreiche Gebrauchsgegenstände des Alltags überhaupt erst verfügbar machen“, zeigt sich Martin Koch überzeugt.

„Wir freuen uns über diese Initiative aus der Philipps-Universität“, betont Claus Duncker, Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista). „Kaffee kochen, ein Menü zubereiten, einen Kuchen backen – auch Alltagstätigkeiten zählen zu einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung. Unsere Rehalehrer schulen daher blinde und sehbehinderte Menschen darin, Tätigkeiten in häuslichen Bereichen eigenständig zu bewältigen. Immer wieder kommt man dabei durch technische Entwicklungen an Grenzen. LED-Displays gehören zu den Barrieren, die blinde Menschen bislang alleine einfach nicht überwinden können.“

Offene Datenbank für individuelle Lösungen
Damit der ANSPRAKON die Statusinformationen an Gebrauchsgegenständen auch tatsächlich auslesen und ausgeben kann, sind im Groben drei Schritte
nötig: Über eine Webcam direkt am Gegenstand werden die Informationen abgelesen, ein Einplatinen-Computer analysiert diese und gibt sie über eine Sprachausgabe wieder. Dafür muss für jeden Gebrauchsgegenstand auch ein individuelles Gehäuse mittels CAD-Zeichnung entworfen und per 3D- Drucker produziert werden, in dem die ANSPRAKON-Komponenten auf dem Gegenstand aufliegen.

In einem zweiten Schritt wird das Team um Koch eine Datenbank auf Open- Source-Basis anlegen, die im Projekt-Rahmen erstellte CAD-Zeichnungen, Software, Bauanleitungen und Fotos frei zugänglich machen wird. Das ist die Grundlage für Privatpersonen sowie Kleinere- und Mittelständige Unternehmen (KMUs), ANSPRAKON für weitere Gebrauchsgegenstände zu produzieren.

Siehe auch:
http://www.blista.de/
http://www.heinz-schmitz.org



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