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PRESSESTIMMEN

11.07.2007
FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG:„... und immer ein Bit übrig behalten“


Von Michael Spehr

„Nur noch 30 Sekunden“, sagt Anja Arp und gibt ein Handzeichen. Die beiden Moderatoren im Aufnahmeraum können zwar die Produktionsleiterin hinter der dicken Glasscheibe nicht hören, wohl aber sehen. Elegant wird jetzt der Gesprächspartner am Telefon verabschiedet und ein Abspann formuliert. Wir sitzen im Tonstudio der Kölner Journalisten- und Produktionsgemeinschaft Media 01 (www.media01.de) und fragen uns derweil, was hier eigentlich produziert wird. Eine Radiosendung? Ein Internet-Podcast? Oder erleben wir in der Mischung aus zwei Medien die Zukunft digitaler Unterhaltung?


Ein Podcast ist ein regelmäßig erscheinender Medienbeitrag im Internet, den man unabhängig von Sendezeiten konsumiert, gegebenenfalls abonniert. Man lädt die Audio- oder Videodatei auf seinen PC, hört oder sieht sie dort, kann sie aber auch via Wireless-Lan und spezieller Geräte auf die HiFi-Anlage oder das Fernsehgerät im Wohnzimmer bringen.

Geruch von Lötzinn und Bastelstube

Nach dem Bloggen ist das „Podcasten“ groß im Kommen. Zehntausende von deutschen Sendungen zu allen nur denkbaren Themen findet man im Netz. Vieles privat Produzierte ist nicht der Rede wert. Aber immer mehr etablierte Medien stellen ihre Radio- oder Fernsehbeiträge ins Netz. Damit ändern sich die Hör- und Sehgewohnheiten: Wer beispielsweise den Dudelfunk aus dem Autoradio leid ist, stellt sich am PC sein persönliches Programm aus Kultur und Wissenschaft zusammen, lädt das Ganze morgens auf den iPod und hat fortan sein Privatradio: zeitversetzt genau das hören, was man hören will. Auch das Fernsehprogramm spielt schon jetzt und immer mehr im Netz.


Und nun sind wir bei der Aufnahme einer Kultsendung. Sie ist wahlweise ein Jahr oder ein Vierteljahrhundert alt: der Computerclub von Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph. Das war ursprünglich von 1983 an eine Fernsehsendung des WDR rund um die Themen Computer und Technik. Der Computerclub verströmte den leckeren Geruch von Lötzinn und Bastelstube. Gequirlte PR-Sätze, wie sie heute in technisch angehauchten Hochglanzmagazinen üblich sind, kamen den beiden nie über die Lippen. Es gab auch nie eine hübsche Co-Moderatorin oder andere Zugeständnisse an den Zeitgeist. Stattdessen: Technik pur, gut recherchierte Beiträge am Puls der Zeit, kompetent und klar vorgetragen. Und dazu: Meinung. Unverblümte Kritik, niemand wurde geschont, auch nicht die ganz Großen.

Ein neues Projekt aus eigener Kraft

Back und Rudolph sind schwergewichtige Urgesteine des deutschen Technikjournalismus. Glaubwürdigkeit und ein geradezu enzyklopädisches Wissen sind ihr größtes Kapital. Und der trockene Humor. „Ein Bit übrig behalten“ mit ausgestrecktem Daumen ist der Running Gag am Ende der Sendung. Der Computerclub hatte einen festen und begeisterten Zuschauer- und Freundeskreis, obwohl ihn der WDR auf Sendeplätze verdammte, die niemand haben wollte. Dann kam im Februar 2003 das Aus. Diesmal blieb kein Bit übrig. Zehntausende von Zuschauern protestierten beim WDR. Erfolglos. Die beiden sind verbittert.


Vor genau einem Jahr startete die Fortsetzung. Wolfgang Back ist seit April 2006 Rentner und umtriebig wie nie. Ideen für neue Projekte kommen auf, ein Weltkonzern ist an Technikbeiträgen interessiert. Aber hier mahlen die Mühlen viel zu langsam, und so entsteht spontan der Gedanke, aus eigener Kraft ein neues Projekt auf die Füße zu stellen. Wolfgang Rudolph ist selbstverständlich auch dabei, und im Tonstudio von Media 01 findet man professionelle Hilfe und erstklassiges Equipment. Der Journalist Manfred Kloiber hat gerade ein altes 14-Kanal-Mischpult erstanden und sorgfältig restauriert. Auch das ganze Drumherum stimmt. Zusammen mit Anja Arp entstehen viele Hörfunkbeiträge für die öffentlich-rechtlichen Anstalten, aber auch Hörbuchproduktionen.

„Da sind wir wieder“

Die Technik läuft rund, es gibt einen schalldichten Aufnahmeraum, ein AEQ-Anschaltgerät mit Echo-Unterdrückung für Telefon-Interviews, einen ISDN-Adapter, der beste Akustik bei Schaltkonferenzen mit anderen Studios erlaubt, und natürlich ist das Knowhow in Sachen Schnitttechnik am PC vorhanden. Von Adobe läuft die Software Cool Edit/Audition zum Aufnehmen, Bearbeiten, Abmischen und Mastern.


So entsteht im Juli 2006 der erste Podcast mit den Themen Triple Play, Smartphones, Firefox und Virtual Private Networks. Back und Rudolph haben sich einen Internet-Provider mit hohem Tempo (100 Megabit pro Sekunde) und „Traffic-Flatrate“ für unbegrenztes Datenvolumen besorgt. Der „Computerclub 2“ startet mit einem fröhlichen „Da sind wir wieder“, und Wolfgang Rudolph fragt: „Computerclub 2 - muss man dazu etwas erklären?“ Nein, eigentlich nicht. Die beiden legen gleich los, und am Montagabend, 24. Juli, steht der frisch produzierte Podcast zum Abruf auf www.cczwei.de. Werbung gibt es nicht, auch keine Pressemeldung. Am Mittwoch startet Wolfgang Back spaßeshalber einen Probe-Download. Die Daten tröpfeln nur bitweise. Probleme mit dem Server oder der Internetanbindung? Keineswegs. Die Last ist einfach zu groß.

Deutlich mehr Publikum als die Fernsehsendung

Dass der Computerclub wieder da ist, hat sich über Mundpropaganda wie ein Lauffeuer verbreitet. 50 000 Abrufe allein am ersten Tag, das bewältigt die gemietete Infrastruktur nicht. Von Anfang an schreibt der Computerclub 2 eine Erfolgsgeschichte. Die Hörer sind begeistert, und die Abrufzahlen schnellen in die Höhe. Ein Marketing-Unternehmen organisiert Werbespots, die zu Beginn der Sendung eingeblendet werden. Trotzdem wird damit noch kein Geld verdient, das Ganze ist ein Hobby. Um den Andrang zu bewältigen, ist der Podcast mittlerweile auf rund 20 Servern „gespiegelt“.


Sieht man von der „Computerbild“ ab, erreicht der Computerclub 2 mehr Menschen als die meisten Computerzeitschriften. Und deutlich mehr Hörer, als die ursprüngliche Fernsehsendung Zuschauer hatte. Nach sehr vorsichtigen Schätzungen werden die montäglichen Beiträge 300.000 Mal geladen. Man kann sie in verschiedenen Formaten auf den PC oder MP3-Spieler holen: als RSS-Podcast (etwa für iPod-Nutzer) oder für den Real- und Windows-Player.

Zum Jubiläum wieder im Fernsehen

Im Studio sind die beiden Wolfgangs routinierte Profis: Es gibt ein Programmschema mit festen Zeitvorgaben. Die Moderatoren sprechen weitgehend frei, spielen sich gegenseitig die Bälle zu. Anja Arp und Manfred Kloiber achten auf Unstimmigkeiten und geben kurze Regieanweisungen. Das Audiomaterial wird Stereo auf Festplatte aufgezeichnet. Danach kommt eine längere Putzaktion, um störende „Ähs“ der Gäste und Telefonpartner wegzuschneiden. Anschließend werden die einzelnen Stücke mit Cool Edit in die richtige Reihenfolge gebracht und die unterschiedlichen Datenformate produziert. Die Technik dahinter ist jedenfalls kein Hexenwerk.


Nun könnten sich die Senioren stolz auf ihren Lorbeeren ausruhen. Aber da kennt man die beiden wohl schlecht. Am 24. Juli, genau zum einjährigen Jubiläum, ist der Computerclub 2 wieder als Fernsehsendung zu sehen. Ein Pilotprojekt, der Audio-Podcast bleibt erhalten. Die Ausstrahlung ab 17 Uhr übernimmt NRW TV, das im nordrhein-westfälischen Kabelprogramm zu sehen ist. Und natürlich gibt es diese Sendung auch im Internet unter www.cczwei.de.

(Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 11. Juli 2007)

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