ComputerClub 2
Sitemap Kontakt
  Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
Suche:   Wolfgang Back & Wolfgang Rudolph
  Aktuelle Sendung
  Sendungsarchiv


TV-SENDUNGEN

28.07.2011
Folge 63

Drahtlose Audioübertragung digital

LTE (http://de.wikipedia.org/wiki/Long_Term_Evolution) ist eigentlich ein neuer Mobilfunkstandard. Allerdings hat die neue Vergabe der Frequenzen weitreichende Auswirkungen auf Musiker und Theater. Die bisher kostenlos zu nutzenden Frequenzen im Bereich von 790MHz bis 862MHz gehören jetzt LTE und alle die mit ihren drahtlos Mikrofonen auf der Bühne stehen haben das Nachsehen. Bis 2015 dürfen die Anlagen zwar noch betrieben werden aber dann ist Schluss. Allerdings könne schon heute digitale Störungen einstreuen und statt Gesang hören die Zuschauer nur ohrenbetäubende „digitale Überreichweiten“. Aber, es gibt Lösungen, die auch bezahlbar sind. Das als Beispiel gezeigt Line6 XD70 umgeht legal die vom Gesetzgeber errichteten Schranken.

Aber, der Reihe nach. Im Studio hatten wir mein über 30 Jahre altes "Sendemikro", das im UKW Bereich sendete und noch nie legal war. Auch das über eBay erstandene Mikrofon, das im VHF-Bereich sendet, darf so nicht betrieben werden. Nur wenn man den Sender deaktiviert und über Kabel anschließt darf es genutzt werden. Diese beiden Mikros gehören in den Bereich Spielzeuge und dienen nur zum Füllen meiner Regale.

Ärgerlicher ist, dass das drahtlos Mikro, das wir mit unserer Band Trheuma Jazz nutzen. Das Verfallsdatum ist definitiv 2015. Auch heute kann es uns passieren, dass wir digitale Einstreuungen von LTE erleben. Einem guten Bekannten von uns ist es schon passiert, dass sein drahtloses In-Ear Monitorsystem gestört wurde und der LTE Einstreuung in den Ohren hatte, statt die Musik seiner Band – und das während eines Auftritts. Alle diese Systeme laufen meist analog mit allen Nachteilen dieser Technik.

Alle großen Hersteller haben Lösungen für ihre Kunden, um entweder in kostenpflichtige Frequenzbänder auszuweichen oder in andere freie Bänder, wie den ISM Bändern (http://de.wikipedia.org/wiki/ISM-Band), auszuweichen. Teilweise werden auch Umtauschaktionen angeboten, bei denen alte Anlagen zurückgenommen und zu einem ermäßigten Preis neue Systeme angeboten werden. Beyerdynamic hat zum Beispiel eine Broschüre im PDF-Format  über drahtlose Mikrofone und die Zukunft der Frequenznutzung ins Netz gestellt: http://www.beyerdynamic.de/fileadmin/attachment/2011/Frequenznutzung_Zukunft_022011_ProAudio.pdf

Im Studio konnten wir drei Lösungen für die digitale Übertragung zeigen, die das kostenfreie ISM-Band im 2,4GHz Bereich nutzen. Die Frequenzen kommen vielen sicher bekannt vor, dass dort auch Wireless LAN betrieben wird. Bei der digitalen Übertragung werden die Audiosignale digitalisiert in kleine Datenpakete gepackt, gesendet. Empfänger, für die die Datenpakete sind, packen die Daten aus, wandeln sie in analoge Signale zurück und dann geht es in den Verstärker. Die Datenpakete müssen sehr kurz sein, um nur minimale Latenz zu haben, die akustisch nicht wahrgenommen wird.


Kit zur Entwicklung digitaler Übertragungslösungen im 2,4Ghz ISM-Band (Foto: Texas Instruments)

Texas Instruments stellte und aus seiner PurePath Wireless Audio-Produktfamilie für Consumer-Elektronik ihr CC85XXDK-HEADSET Development Kit (http://focus.ti.com/docs/toolsw/folders/print/cc85xxdk-headset.html)  und Referenzdesign zur Verfügung. Die zwei keinen Platinen bringen alle mit, was man zur drahtlosen Übertragung benötigt. Das im 2,4-GHz-Bereich arbeitende HF-System-on-Chip CC8530 (http://www.ti.com/cc8530-pr)  überträgt unkomprimierte Audiosignale drahtlos und unterstützt das digitale Streaming von bis zu vier Audiokanälen. Die Lösung für Headsets und Kopfhörer ist nicht nur betriebssicher sondern auch kosteneffektiv. Bei Großserienproduktion, so Texas Instruments, betragen die Materialkosten für die Elektronik weniger als 5 US-Dollar. Mit einer 465-mAh-Batterie kommen Sender und Empfänger auf eine Betriebszeit von 22 Stunden. Zudem Entwicklungskit gehören, neben einem Berg Dokumentation, ein Debugger und eine Software, mit der die Übertragungsparameter eingestellt werden können. Jedenfalls lief die Übertragung nach dem so genannten Pairing sofort störungsfrei. Beim Pairing, hier auf einen Knopfdruck programmiert, suchen sich Sender und Empfänger und tauschen die „Adressen“ aus damit nur die richtigen Pakete im Empfänger wieder zu Audiosignalen werden.

Die zwei Lösungen von Line6 (http://www.line6.com) konnten wir aus zeitgründen leider nur ganz kurz zeigen. Jedenfalls haben Sie bei mir Begehrlichkeiten geweckt. Da hatten wir zunächst das S90 für Gitarren und das XD70 Mikrofon.


Auch für Gitarristen, die sich frei auf der Bühne bewegen wollen gibt es digitale Lösungen (Foto: Line6)

Das Relay G90 (http://de.line6.com/relay/wired-tone.html)  ist ein Sendersystem für Gitarren. Es arbeitet mit der so genannten VWT-Technologie ("Virtual Wire Transmission"). Die erlaubt es, die Arbeit mit einem unbeschnittenen Frequenzgang zu arbeiten. Der Frequenzgang der digitalen Relay Funksysteme beträgt 10Hz bis 20kHz, der Dynamikumfang von 120dB und die Auflösung der 24-Bit A/D-Wandler erfüllt damit Studioansprüche. Bei der digitalen Übertragung kann auch auf Compander verzichtet werden, die zur Begrenzung der Sendebandbreite bei analogen Systemen verwendet werden. Ein Compander verkleinert den Dynamikumfang des Signals, was auch Einfluss auf den Sound hat. Das Fehlen eines Companders sorgt dafür, dass Höhen und Bässe natürlich klingen. Das System hat 12 Kanäle, die parallel betrieben werden können. Zusätzlich enthalten die Systeme eine Simulation des Kabel-Sounds, die soll dafür sorgen, dass die Gitarre klingt, als ob sie über Kabel direkt angeschlossen wäre. Bei passiven Tonabnehmern eine interessante Funktion. Das G90 schlägt mit ca. 660 Euro zu Buche.


Ein Sammlung von Mikrofonen durch Emulation und störungsfreie digitale Übertragung (Foto: Line6)

Das XD70(http://de.line6.com/xd-v/) ist ein digitales Handmikrofon in einem robusten Gehäuse. Damit die Übertragung immer stabil bleibt verwendet es eine Frequenzfächerung, mit der Interferenzen vermieden werden. Damit ist gemeint, dass jedes Signal auf 4 verschiedenen Frequenzen gleichzeitig übertragen wird. Deshalb behaupten sich die digitalen Mikrofonfunksysteme der XD-V-Serie auch in einem stark gestörten Funkumfeld, wenn zum Beispiel viele WLANs aktiv sind. Damit WLAN, Bluetooth etc. nicht stören verwenden die Line6 Systeme ein ausgeklügeltes Adressierungssystem und übertragen ihre Daten sowieso in verschlüsselter Form. Das System hat 12 Kanäle, die parallel betrieben werden können. Neben der digitalen Übertragung emuliert das XD-70 verschiedene bekannte Mikrofone, wie das Shure SM58, das Shure Beta 58A, das Sennheiser e835, das Audio-Technica AE4100, das Audix OM5 oder das Electro-Voice N/D767. So können Sänger mit dem Mikrofon arbeiten, dass sie gewohnt sind. Das XD70 kann für unter 500 Euro im Musikhandel erworben werden.

Über die Grundlagen der digitalen Übertragung hat Line6 im Internet ausführliche Beschreibung: http://de.line6.com/xd-v/techspecs.html.

Die Kaperung der ehemals freien Frequenzen durch LTE ist ärgerlich, vor allem weil Heerscharen von Musikern (inklusive mir) spätestens 2015 ihre liebgewordenen drahtlosen Mikrofone und Monitorsysteme nicht mehr betreiben dürfen. Jedoch es gibt Lösungen, die zwar nicht ganz billig sind aber dafür störungssicher und zukunftssicher.


zurück zum Archiv
Ansehen:

MP4 H.264 Codec (~200 MB)
AVI Xvid Codec (~200 MB)
iPod M4V H.264/AAC Codec (~200 MB)
MP4 H.264 Torrent Link
RSS Feed (Video-Podcast, letzte 5 Sendungen)
RSS Feed (Video-Podcast, alle Sendungen)

CCZwei auf YouTube

YouTube-Kanal (Hauptadresse)
YouTube Filetstücke Archiv 1 (4:3)
YouTube Filetstücke Archiv 2 (16:9)
YouTube Filetstücke Archiv 3 (16:9)

Druckversion Impressum Haftungsausschluss